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Aufstieg eines Finanzplatzes : Die Wall Street der Südstaaten

Riese aus dem Nichts: Bank of America in Charlotte Bild: Associated Press

Die Stadt Charlotte galt lange als tiefe Provinz im Süden der Vereinigten Staaten. Heute ist sie das zweitgrößte Bankenzentrum Amerikas - und macht in mancher Hinsicht sogar der Wall Street Konkurrenz. Ortstermin in einer aufstrebenden Stadt.

          Eine kurze Fahrt im „Gold Rush“, dem kostenfreien roten Pendelbus, durch das Zentrum von Charlotte lässt keine Zweifel daran aufkommen, welche Branche die Stadt dominiert: Entlang der Tryon Street rüttelt der Bus an eindrucksvollen Wolkenkratzern vorbei.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          An der Kreuzung von Tryon und Trade Street, den beiden alten indianischen Handelsrouten, ragt das in den neunziger Jahren gebaute, 60 Stockwerke hohe „Bank of America Corporate Center“ in den Himmel des Bundesstaats North Carolina. Es ist der Sitz der mittlerweile zweitgrößten amerikanischen Bank und das höchste Gebäude in Charlotte.

          Hier sind die Konkurrenten Nachbarn

          Auf der anderen Straßenseite steht ein dunkler Glasturm, den der Schriftzug über dem Eingang ebenfalls als „Bank of America“ ausweist. Weiter südlich öffnet sich ein Platz, den mehrere Hochhäuser der Bank Wachovia säumen - des viertgrößten amerikanischen Kreditinstituts. Schräg gegenüber steht ein beiger Gebäudeklotz mit goldglänzenden Spiegelfenstern. Das war der Sitz von Wachovia, als die Bank noch First Union hieß.

          Wird in Charlotte verehrt wie ein Gott: Hugh McColl, der Vater der Bank of America

          Daneben, mit dem Bank-of-America-Stadion der Footballmannschaft Carolina Panthers im Hintergrund, reihen sich die Baukräne an einem gewaltigen Loch aneinander. Dort entsteht ein 48 Stockwerke hoher Wolkenkratzer, der von Mitte 2009 an mehrere Handelssäle für die Wertpapiersparte von Wachovia beherbergen wird. Gleichzeitig entstehen auf dem Gelände Hunderte luxuriöse Eigentumswohnungen neben einem Museum für moderne Kunst sowie einem afroamerikanischen Kulturzentrum.

          Den Aufstieg brachten zwei Regionalbanken

          Auch andere Geldhäuser wie die Regionalbank BB&T haben in Charlotte eine starke Präsenz. Aber niemand prägt das Gesicht der Stadt so wie die Bank of America und die Wachovia. Der Aufstieg dieser beiden Banken von kleinen regionalen Kreditinstituten zu national und zunehmend international präsenten Giganten hat Charlotte in den vergangenen zwei Jahrzehnten nach New York zur zweitgrößten Finanzmetropole der Vereinigten Staaten gemacht - eine Art Wall Street des Südens.

          „Charlotte besteht nicht nur aus Banken, aber die Banken haben uns bekannt gemacht“, sagt Justin Hunt, der in der Handelskammer der Stadt für internationale Unternehmen zuständig ist. Hunt arbeitete früher für den Vorgänger der Bank of America, die North Carolina National Bank, und hat in den achtziger Jahren deren Frankfurter Niederlassung aufgebaut. Die Bank konkurrierte auch um das Geschäft deutscher Unternehmen in North Carolina. Tochtergesellschaften deutscher Mittelständler stellen das größte Kontingent ausländischer Unternehmen in der Region Charlotte.

          Der Anfang kam mit einer Gesetzeslücke

          Im Gegensatz zur Wall Street in New York war Charlotte bisher weniger vom Wertpapiergeschäft geprägt. Bank of America und Wachovia sind im Geschäft mit Privatkunden und mit mittelständischen Firmenkunden groß geworden. Aber das ändert sich sichtbar. Wachovia installierte in diesem Jahr ein Börsenlaufband am Gebäude ihrer Wertpapiersparte in Charlotte, über das alle Aktienkurse der regionalen Unternehmen laufen. Nur der Lokalkonkurrent Bank of America wird dabei geflissentlich ignoriert.

          Für das Wachstum von Bank of America und Wachovia gibt es mehrere Gründe. Zunächst hatte eine Gesetzeslücke den Banken in North Carolina Anfang der achtziger Jahre einen Vorsprung in der Konsolidierungswelle gegeben, die die amerikanische Bankenbranche in den darauf folgenden Jahren erfasst hatte. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte.

          Hugh und Ed heißen die Väter des Erfolgs

          Wachovia-Manager Bob Bertges, der für die Immobilien der Bank zuständig ist, nennt zwei Gründe: „Hugh und Ed“. Mit Hugh ist Hugh McColl gemeint, der frühere Vorstandsvorsitzende der Bank of America und ihrer Vorläufer. Ed ist Ed Crutchfield, der bis zu seiner Krebserkrankung im Jahr 2000 Vorstandschef von First Union war. First Union fusionierte 2001 mit der ebenfalls in North Carolina ansässigen Regionalbank Wachovia und übernahm deren Namen. „Diese beiden Männer waren die Visionäre, die das Wachstum vorangetrieben haben“, sagt Bertges.

          Die Vision von McColl wird in einer Anekdote deutlich. Als die damals noch kleine North Carolina National Bank in den achtziger Jahren eine Bank in Texas übernahm, fragten Reporter McColl, ob die Bank jetzt nicht einen neuen Namen brauche. „Ich fand immer den Namen ,Bank of America' gut“, antwortete McColl. Das sorgte für entsprechendes Gelächter.

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