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Handel : Mehr als 20 Karstadt-Häuser von Schließung bedroht

  • -Aktualisiert am

Karstadt-Filiale in Essen Bild: dpa

Die Warenhauskette Karstadt steckt in einer existenzbedrohenden Krise. Die Mitarbeiter müssen sich auf eine harte Sanierung einstellen.

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          Mit einer Finanzspritze durch den Eigner Nicolas Berggruen brauchen die Mitarbeiter des angeschlagenen Warenhausunternehmens Karstadt nicht zu rechnen. Sie müssen sich vielmehr auf eine harte Sanierung und die Schließung von möglicherweise mehr als 20 Filialen einstellen. Mit allen Vertragspartnern des Unternehmens sollen zudem Gespräche über finanzielle Zugeständnisse geführt werden. „Von einem rationalen Finanzinvestor finanzielle Unterstützung zu erwarten, wenn man ihm nicht zeigen kann, ob und wie sich diese rentiert, ist müßig und in der Regel erfolglos“, sagte der Karstadt-Aufsichtsratsvorsitzende Stephan Fanderl in einem Gespräch mit der F.A.Z.

          Es werde schmerzhafte Einschnitte geben müssen, um dem gesunden Kern eine Zukunft zu geben. Es gebe zwar noch keine konkreten Schließungsbeschlüsse, „aber das Unternehmen macht sich seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern.“ Das ist eine erhebliche Zahl, denn Karstadt verfügt derzeit nur noch über 83 Warenhäuser. Die 28 Sporthäuser sowie die drei Premiumhäuser Kadewe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München hat Berggruen im vergangenen Jahr an eine Investorengruppe rund um den österreichischen Immobilien-Entwickler René Benko und den israelischen Geschäftsmann Beny Steinmetz verkauft. Mit Einschnitten ist nach den Worten von Fanderl zudem in der Hauptverwaltung in Essen und in der Logistik zu rechnen. Die Kraft der Karstadt-Filialen, zu hohe Zentral- und Logistikkosten zu tragen, sei begrenzt. Karstadt ist damit abermals in einer existenzbedrohenden Krise.

          Stephan Fanderl
          Stephan Fanderl : Bild: Archiv

          Erst im Jahr 2009 war das Unternehmen in die Insolvenz gegangen, was erhebliche finanzielle Entlastungen mit sich gebracht hatte, ein Jahr später wurden die Essener von Berggruen übernommen. Seither ringt das Management um Konzepte und die Rückkehr zur Profitabilität, blieb damit aber erfolglos. Eine positive Entwicklung wollen auch andere Investoren sehen, bevor sie weiteres Geld bereitstellen. Denn auch Benko will Karstadt dem Vernehmen nach in seinem jetzigen Zustand nicht kaufen, obwohl es vor dem vergangenen Wochenende anderslautende Gerüchte gab. Tatsächlich wird der Verlauf der Dinge in der Karstadt-Zentrale in Essen aber als abschreckend bezeichnet. Auch der deutsche Wettbewerber Kaufhof und sein Eigentümer Metro haben deshalb derzeit kein Interesse an Karstadt – und keinen Druck zu handeln: Im Vergleich zum einst größeren Rivalen steht Kaufhof gut da und verdient seine Kapitalkosten, Verlust wurde nie gemacht.

          Die beste Nachricht für die Mitarbeiter von Karstadt in Zeiten großer Ungewissheit dürfte es daher sein, dass Fanderl mit dem Warenkreditversicherer des Unternehmens eine Verlängerung des Vertrages um ein Jahr erreichen konnte. Damit ist das für das Unternehmen besonders wichtige Weihnachtsgeschäft auf jeden Fall gesichert. Karstadt habe auch genug Liquidität und sei handlungsfähig, versichert Fanderl. Allerdings brauche das Unternehmen endlich einen Zuschnitt, mit dem es Geld verdienen könne. Einen Nachfolger für die überraschend nach nur wenigen Monaten an der Spitze zurückgetretene Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt wird es für diese Schneiderarbeiten zunächst nicht geben. Die beiden verbliebenen Geschäftsführer sollen die Sanierung aber „sofort“ angehen.

          Aus früheren Äußerungen Fanderls wird deutlich, dass die bisherigen Versuche, Karstadt eine Zukunft zu geben, in Teilen kontraproduktiv waren. So hatte Karstadt bewusst auf Umsätze verzichtet, zum Beispiel im unprofitablen Multimedia-Bereich, was der Kundenfrequenz offenbar erheblich geschadet hat. Auch einige neue Modelinien gingen an der von Karstadt bedienten Zielgruppe zu deutlich vorbei. Sjöstedt hatte die Aufgabe, eine Perspektive zu entwickeln, wie die Karstadt-Warenhäuser profitabel gemacht werden können. Das ist ihr offenbar nicht gelungen, oder nur auf eine Art, welche die Hilfe von Berggruen oder anderen Investoren erfordert hätte. Insofern stellt sich Mitarbeitern und Lieferanten von Karstadt nun gewiss die Frage, ob nach Jahren des Sparens Karstadt allein durch eine weitere Sparrunde gerettet werden kann.

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