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Axel Heitmann : Schmierenkomödie um den ehemaligen Lanxess-Chef

Um seine Sicherheit besorgt: Axel Heitmann Bild: Edgar Schoepal / F.A.Z.

Der Aufsichtsrat liegt mit dem ehemaligen Vorstandschef Axel Heitmann über Kreuz. Es geht um Millionen - und um sichere Fenster.

          Axel Heitmann hat ein Problem: Der ehemalige Vorstandschef des Kölner Spezialchemieunternehmens Lanxess ist nicht nur seine Abfindung von vermutlich 8,5 Millionen Euro los, sondern auch seinen guten Ruf. Dafür hat er eine tolle Sicherheitsausstattung für sein denkmalgeschütztes Hamburger Haus bekommen. Unerfreulich ist es aus seiner Sicht aber gewiss auch, dass er inzwischen gar nicht mehr so wichtig ist, als dass man sich um Leib und Leben noch so teure Sorgen machen müsste.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Ende Februar jedenfalls hatte Heitmann auf seine Abfindung verzichtet, weil der Aufsichtsrat von Lanxess damit gedroht hat, eine missliche Geschichte über die Verteilung der Kosten für den Einbau der sicheren Türen und Fenster zu veröffentlichen. Angeblich hat das Unternehmen Kosten übernommen, die Heitmann selbst hätte tragen müssen. Heitmann streitet das zwar ab, sah sich aber unter Druck gesetzt, wollte nicht gekündigt und nicht öffentlich durch den Dreck gezogen werden. Vielleicht hätte er hart bleiben sollen. Denn jetzt ist trotz der beiderseitigen Verschwiegenheitsverpflichtung, die Heitmann so teuer erkauft hat, doch alles bekannt geworden - und Heitmann denkt darüber nach, die Vereinbarung über den Verzicht auf die Abfindung gesetzlich anfechten zu lassen. So geht es jetzt wieder um die verlorenen Millionen, aber auch um verletzte Eitelkeiten. Es ist eine Schmierenkomödie, wie sie sonst höchstens im Schauspiel zu bewundern ist.

          Es geht um eine Villa in Hamburg

          Und es ist eine Geschichte, die beiden Seiten nicht gut tut. Weder Lanxess und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Stomberg, noch Heitmann. Worum aber geht es genau? Kern der Auseinandersetzung ist eine Villa in Hamburg, die die Familie Heitmann im Jahr 2010 gekauft und später als neuen Wohnsitz bezogen hat. Nach diversen berufsbedingten Umzügen innerhalb weniger Jahre sollten die Kinder in Vorbereitung auf das Abitur sesshaft werden, wird der Umzug begründet: Nachdem der Beschluss gefallen war, die Lanxess-Zentrale von Leverkusen nach Köln zu verlegen, wollte die Familie wegen der Entfernung nach Köln und der dann noch zeitaufwendigeren Fahrerei ihren bisherigen Wohnsitz in Mülheim an der Ruhr aufgeben. Man entschied sich für Hamburg, die Heimatstadt des Ehepaars. Heitmann sollte pendeln, eine Residenzpflicht am Firmensitz bestand nicht.

          Wie in Vorstandskreisen von Dax-Konzernen üblich, erfolgten in Absprache mit der konzerneigenen Sicherheitsabteilung und dem Landeskriminalamt Hamburg diverse Sicherheitseinbauten im neuen Haus. Laut anwaltlicher Unterlagen ging es einmal um Kosten für elektronische Überwachungen in Höhe von fast 160 000 Euro, die vom Werksschutz von Lanxess unmittelbar abgewickelt wurden. Hinzu kamen mehr als 715 000 Euro für den Einbau von speziellen Fenstern und Türen in dem denkmalgeschützten Gebäude, die der Bauherr nach eigener Darstellung zunächst komplett persönlich beglich. Die für besondere Sicherung anfallenden Mehrkosten davon machte er sodann gegenüber seinem Unternehmen geltend, und zwar in Höhe von annähernd 429 000 Euro. Daraus ergeben sich viele Fragen: Sind Sicherheitseinbauten in diesem Umfang nun dienstliche Fürsorgepflicht für möglicherweise gefährdete Personen und ihre Familien? Oder sind sie Vergütungsbestandteil und geldwerter Vorteil, die im Sinne des Unternehmens zuvor vom Aufsichtsrat abgesegnet sein müssen? War der Aufsichtsrat über den Umzug und die sicherheitstechnischen Folgen ausreichend informiert?

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