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Aufräumen in Fukushima : Die Strapaze

Arbeiter in ihrer Schutzmontur in Fukushima Bild: AP

Tepco braucht gute Nachrichten, nachdem sich bei den Atomreaktoren in Fukushima zuletzt die Pannen häuften. Der Konzern will seine anderen Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen lassen. Die Situation im Kraftwerk ist aber immer noch gefährlich.

          Takeshi Takahashi sind die Strapazen seiner Arbeit anzusehen. Mit hängenden Schultern, den Kopf leicht gesenkt erläutert er mit leiser Stimme die Lage im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Seit Dezember 2012 ist Takahashi verantwortlich für die Aufräumarbeiten auf dem Gelände. In den vergangenen Wochen hat er kaum gute Nachrichten melden können. Lecks in den Becken, in denen radioaktives Wasser gelagert wird, haben selbst die der Atomwirtschaft gewogene neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe auf Gegenkurs gebracht. Der Präsident der Betreibergesellschaft, der Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), Naomi Hirose, entschuldigte sich mit einer tiefen Verbeugung und versprach, das Problem mit dem Wasser in den Griff zu bekommen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Tepco-Manager Takahashi räumt ein, dass die Menge radioaktiv belasteten Wassers immer noch die größte Schwierigkeit im Atomkraftwerk ist, die schnell gelöst werden muss. Die Reaktoren 1 bis 3, in denen es nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am 11. März 2011 zur Kernschmelze gekommen ist, müssen gekühlt werden. Zudem dringen täglich rund 400 Tonnen Grundwasser in die zerstörten Reaktorgebäude ein - und werden radioaktiv belastet. „Diese Lecks haben die Dringlichkeit gezeigt“, sagt Takahashi. Doch Tepco habe Pläne, und jetzt sei die Situation stabil, erklärt er und versucht ein kurzes Lächeln.

          Vier- bis fünfmal höhere Ausgaben erwartet

          Tepco braucht dringend gute Nachrichten. Die Kosten für die Aufräumarbeiten bei den havarierten Atomreaktoren explodieren und belasten die Bilanz. Allein die Kosten für die Stilllegung der havarierten Reaktoren in Fukushima veranschlagt das Energieunternehmen mit 946,9 Milliarden Yen (7,5 Milliarden Euro) in seiner Finanzplanung. Es gibt Schätzungen, die vier- bis fünfmal höhere Ausgaben erwarten. Hinzu kommen Schadensersatzforderungen in Höhe von mehr als 5 Billionen Yen und Kosten für die Dekontaminierung der verstrahlten Umlandgemeinden: 5 bis 10 Billionen Yen sind dafür veranschlagt. Allein kann Tepco diese Lasten nicht schultern - der Steuerzahler soll mehr zahlen. Und Tepco will zwei Jahre nach der Katastrophe endlich seine anderen Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen lassen. Bereits im Juli möchte der Energiekonzern den Antrag stellen, seine Atomreaktoren in Kashiwazaki-Kariwa in der Präfektur Niigata endlich wieder hochzufahren.

          Will Tepco diese Ziele erreichen, muss der Konzern das große Misstrauen überwinden, das ihm seit der Havarie in Fukushima in Japan, noch stärker aber im Ausland entgegenschlägt. In diesen Tagen hat der Konzern deswegen Journalisten eingeladen, sich im Kraftwerk Daiichi selbst ein Bild von den Aufräumarbeiten zu machen. Wer in das havarierte Atomkraftwerk will, muss erst in das rund 20 Kilometer südlich gelegene J-Village. Hier, im früheren Trainingszentrum der japanischen Fußball-Nationalmannschaft, ist seit dem März 2011 Tepcos Zentrum für die Aufräumarbeiten. Hier begann die Sperrzone um die Reaktoren in Daiichi. Für Hunderte von Vertragsarbeitern, die auf dem Gelände des Atomkraftwerks die groben Aufräumarbeiten machen, beginnt an diesem Ort der Arbeitstag.

          In ihren blauen Arbeitsanzügen, die Schutzmasken neben Esspaketen im Plastikbeutel, warten sie hier auf die Busse, die sie zum Atomkraftwerk bringen. Auch Besucher bekommen von Tepco-Mitarbeitern hier das kleine Einmaleins des Strahlenschutzes erklärt. Zwei Paar Schutzhandschuhe, eine Atemschutzmaske und Plastikschutz für die Schuhe gibt es für die Fahrt. Aufnahmegeräte und Fotoapparate werden in haushaltsübliche Plastikfolien eingewickelt - der Besucher staunt, wie schlicht manche Technik doch ist, mit der Radioaktivität ferngehalten werden soll.

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