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Chaos in den Lieferketten : Auf See liegen die Nerven blank

Nichts geht mehr: Schiffsstau vor der Küste und Containerstau im Hafen von Long Beach in Kalifornien Bild: Getty

Vor Los Angeles und Long Beach warten rund einhundert Frachter auf ihre Abfertigung - ein neuer Rekord. Die globalen Lieferketten kommen an immer mehr Stellen an ihre Kapazitätsgrenze.

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          Einige Tage sah es so aus, als ob sich die Lage in Los Angeles und dem benachbarten Long Beach entspannt. In den beiden amerikanischen Häfen sorgte das derzeitige Chaos auf See für besonders starke Spannungen, allerdings schien sich der Schiffsstau vor der Küste ein Stück weit aufzulösen. Jetzt hat sich die Lage abermals verschärft. Gut einhundert Frachter liegen in den Gewässern vor den Terminals vor Anker, ein neuer Höchststand. Auch Schiffe des deutschen Branchenprimus Hapag-Lloyd aus Hamburg warten darauf, abgefertigt zu werden. „Im Moment gibt es zu viele Stellen in den globalen Lieferketten, die kurz vor der Kapazitätsgrenze stehen oder schon darüber hinaus sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nicht nur in L.A. und Long Beach scheint eine Besserung der globalen Lieferketten weit entfernt. Auch andernorts rund um die Erde spitzt sich die Lage weiter zu. Das sorgt dafür, dass die Nerven vieler Logistiker blank liegen und Schuldzuweisungen begonnen haben. So hieß es zuletzt von mehreren Häfen und Spediteuren, Reeder ließen ihre Schiffe absichtlich langsam fahren, um wegen der hohen Treibstoffpreise Sprit zu sparen. Habben Jansen, sichtlich verärgert, weist das im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten zurück. „Solche Vorwürfe entbehren jeglicher sachlichen Grundlage.“ Die Schiffe seien genauso schnell wie vor Corona, mit einer Ausnahme: Wenn für den nächsten Hafen auf einer Route tagelange Wartezeiten prognostiziert seien, nehme der Kapitän natürlich Tempo raus, um Treibstoff und damit auch Emissionen zu sparen.

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