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Unter Trumps Präsidentschaft : Autobauer stellen sich auf neue Zeitrechnung ein

Letzte Wartung vor dem Messestart: Die Auto-Show in Detroit ist das erste Schaulaufen und Diskussionsforum der Branche in diesem Jahr. Bild: AP

Die Branche trifft sich in Detroit zur ersten großen Messe des Jahres. Neben neuen Modellen ist Donald Trumps Agenda allgegenwärtig. Auch die deutschen Hersteller horchen auf.

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          Vor einem Jahr stattete Barack Obama der Auto-Show in Detroit einen Besuch ab. Es war als eine Art Ehrenrunde gegen Ende seiner Amtszeit als amerikanischer Präsident gedacht, denn Obama sieht seinen Einsatz für die heimische Autoindustrie als einen seiner größten Erfolge. Er half 2009 bei der Rettung von General Motors und Chrysler mit staatlich finanzierten Insolvenzen. Für die diesjährige Auto-Show, die am Montag beginnt, hat sich kein ähnlich ranghoher Besuch angesagt. Aber die Präsenz des designierten Präsidenten Donald Trump, dessen Vereidigung kurz bevorsteht, wird in den Messehallen zu spüren sein.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Martin Gropp

          Trump hat die Branche schon vor seinem Antritt mit seiner ganz eigenen Art der Industriepolitik aufgeschreckt. Er hat versprochen, als Präsident dafür zu sorgen, Industriebetriebe in Amerika zu erhalten oder zurückzubringen. Er stellte einzelne Unternehmen in Wahlkampfreden und per Twitter an den Pranger, die im Ausland produzieren lassen.

          Den beiden größten amerikanischen Herstellern, General Motors und Ford, und dem japanischen Wettbewerber Toyota hat er gedroht, Strafzölle auf in Mexiko gefertigte und in den Vereinigten Staaten verkaufte Autos zu verhängen. Das muss auch deutsche Hersteller alarmieren, für die Amerika ein wichtiger Exportmarkt ist.

          Auch deutsche Hersteller sind potentielles Trump-Ziel

          Dass für die Branche in den Vereinigten Staaten womöglich eine neue Zeitrechnung beginnt, wurde wenige Tage vor Messebeginn deutlich. Ford kündigte an, seine Pläne für ein 1,6 Milliarden teures neues Werk in Mexiko aufzugeben. Das kam überraschend, zuvor hatte der Hersteller aller Kritik von Trump zum Trotz beteuert, er wolle an dem Vorhaben festhalten.

          Ein Teil des gesparten Geldes soll nun in eine Produktionsstätte nahe Detroit fließen, was 700 neue Arbeitsplätze bringen soll. Ford-Vorstandschef Mark Fields verwies zur Begründung seiner Entscheidung auf die von Trump in Aussicht gestellten Reformen von Steuergesetzen und Regulierungen, die „pro Wachstum“ seien. Die Kehrtwende warf die Frage auf, ob sich die ebenfalls von Trump ins Visier genommenen Konkurrenten GM und Toyota zu ähnlichen Schritten gezwungen sehen.

          Auch die deutschen Hersteller sind mit ihrem Engagement in Mexiko ein potentielles Ziel für Attacken von Trump. Volkswagen produziert seit mehr als fünfzig Jahren in dem Land. Daimler stellt dort Lastwagen und Busse her und will demnächst auch Mercedes-Fahrzeuge vom Band laufenlassen.

          Mehr als eine Milliarde für mexikanisches Werk

          BMW hat erst im vergangenen Juni den Grundstein für sein erstes mexikanisches Werk gelegt, in das das Unternehmen mehr als eine Milliarde Dollar investiert. 16 Prozent der von deutschen Herstellern in den Vereinigten Staaten verkauften Autos stammen aus Mexiko, weitere 40 Prozent werden aus Deutschland importiert. Jedes fünfte Fahrzeug fertigen sie in den Vereinigten Staaten.

          Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), versucht dennoch, dem bevorstehenden Regierungswechsel Positives abzugewinnen: „Wir gehen davon aus, dass der neue Präsident die Industrie seines Landes stärken will“, sagte er der F.A.Z. Trump habe Steuererleichterungen und Infrastrukturprogramme angekündigt.

          „Wenn diese Pläne umgesetzt werden, stärkt das die Binnenkonjunktur - mit positiver Wirkung auf das Automobilgeschäft.“ Das würde auch den deutschen Konzernen helfen, die in den vergangenen Jahren ihre Produktion in den Vereinigten Staaten ausgebaut haben. Entscheidend für Wachstum und Beschäftigung seien auch die Rahmenbedingungen, etwa Steuern und Energiekosten, aber ebenso der von Trump in Frage gestellte freie Warenhandel.

          Trumps Botschaften fallen auf fruchtbaren Boden

          „Er bietet erhebliche Vorteile, gerade auch für amerikanische Unternehmen“, sagt Wissmann und pocht darauf, dass das auch in Zukunft so sein wird. „Von verbesserten Handelsbedingungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten könnten beide Seiten eigentlich nur profitieren.“

          Für Deutschlands Autoindustrie spielen die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle. Sie sind nach VDA-Angaben hinter Großbritannien ihr zweitwichtigster Exportmarkt. Weil die Hersteller dort vor allem teurere Autos verkaufen, belegten die Vereinigten Staaten zuletzt mit einem Exportwert in Höhe von 24 Milliarden Euro wertmäßig sogar Platz eins. 2015 wurden dort laut VDA 1,4 Millionen Neuwagen verkauft, 2 Prozent mehr als 2014. Ihr Marktanteil schrumpfte aber leicht von 8,3 auf 8,0 Prozent. Die Zahlen für 2016 will der Verband am Montag vorlegen.

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