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Vorwürfe gegen Ex-Audi-Chef : „Die Frage ist: Wer wusste nicht Bescheid?“

  • Aktualisiert am

Rupert Stadler im Landgericht München Bild: Reuters

Der frühere Audi-Chef Rupert Stadler muss sich am zweiten Tag im ersten Strafprozess zum Dieselskandal wieder vor Gericht verantworten. Ein Motorenentwickler belastet das Spitzenmanagement schwer.

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          Die Angeklagten im Münchner Audi-Prozess haben sich gegenseitig für die Software-Manipulationen an Diesel-Autos verantwortlich gemacht. „Kein Ingenieur entscheidet darüber
          auf eigene Faust“, sagte der Verteidiger des angeklagten Giovanni P., der bei Audi für die Abgas-Nachbehandlung zuständig war. „Das war eine strategische Entscheidung„, betonte Anwalt Walter Lechner am Dienstag vor dem Landgericht München I. Die Probleme mit den Stickoxid-Werten der großen Dieselmotoren seien allen bei Audi bekannt gewesen, bis hin zur Konzernspitze. Der Mitangeklagte Wolfgang Hatz, der bei Audi eine Stufe unter dem Technik-Vorstand für die Entwicklung der Motoren zuständig war, ließ seinen Verteidiger Gerson Trüg erklären, er sei über die Manipulationen nicht informiert worden - und hätte sie auch nie gutgeheißen.

          Der 63-jährige P. gilt als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft in dem ersten Verfahren zur Aufarbeitung des Dieselskandals im VW-Konzern. Der Italiener will als erster der vier Angeklagten aussagen. Auf der Anklagebank sitzen neben P. einer seiner Untergebenen sowie Hatz, der später für die Motorenentwicklung im ganzen VW-Konzern zuständig war, sowie der damalige Audi-Chef Rupert Stadler. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor allem vor, den Verkauf in Europa nicht sofort gestoppt zu haben, nachdem  die amerikanischen Umweltbehörden die illegale Abschalteinrichtung im September 2015 entdeckten.

          „Nie etwas verheimlicht oder vertuscht“

          Der Verteidiger von P.s Mitarbeiter Henning L. beschrieb den Einsatz der Software, die den Stickstoff-Ausstoß auf dem Prüfstand künstlich gering hielt, als „Folge einer schleichenden Entwicklung“. „Es gab bei Audi keine Entscheidung, die Schummelsoftware einzusetzen“, sagte Maximilian Müller. Man habe 2007 erkannt, dass die Vorgaben nicht anders einzuhalten seien als durch eine Täuschung der Behörden. Die als „Clean Diesel“ beworbenen Motoren verbrauchten auf der Straße zu viel von dem Harnstoff-Zusatz “AdBlue“, der den Schadstoffausstoß vermindern sollte, und die Tanks dafür waren zu klein dimensioniert.

          L. ist der einzige der vier Angeklagten, der noch für Audi arbeitet - wegen des Prozesses in Teilzeit. Er hatte auch vor den amerikanischen Strafverfolgern ausgesagt, ohne dort angeklagt zu werden. Als einziger der vier Angeklagten in München saß er nicht in Untersuchungshaft. Die VW-Tochter hat für die Manipulationen 800 Millionen Euro Bußgeld gezahlt. Volkswagen hat der Skandal nach eigenen Angaben insgesamt 30 Milliarden Euro gekostet.

          Hatz' Verteidiger Trüg nannte die vermeintlichen Beweise der Ermittler gegen seinen Mandanten dünn. Die Staatsanwaltschaft berufe sich auf - zeitlich nicht genau bestimmbare - Telefonate mit P., in denen Hatz die Software abgenickt habe. „Aus Sicht von  Herrn Hatz bestand kein technisches Problem, das nur durch Manipulation gelöst werden konnte“, sagte er. Zudem seien die Vorwürfe verjährt, weil die Software nach Hatz' Wechsel zu VW nach Wolfsburg 2009 „fast vollständig neu entwickelt“ worden sei. 2012  stieg Hatz zum Porsche-Vorstand auf, wurde aber 2015 beurlaubt, nachdem der Skandal im VW-Konzern aufgeflogen war.

          „Die Frage ist: Wer wusste nicht Bescheid?“ fragte dagegen P.s Anwalt Lechner. Dass die Audi-Spitze versucht habe, das als Werk einzelner Ingenieure darzustellen, sei nicht glaubhaft. P. stand vier Hierarchiestufen unter dem Vorstand. Dass er - wie es in der Anklage heißt - von Mitarbeitern „intelligente Lösungen“ gefordert habe, sei nie als Aufforderung zum Schummeln zu verstehen gewesen. Lechner warf der Audi-Spitze und der von der Ingolstädter VW-Tochter engagierten Rechtsanwaltskanzlei Jones Day vor, die Aufklärung lange behindert zu haben. L.s Anwalt sprach von einer "Salamitaktik", Audi habe immer nur zugegeben, was nicht mehr zu leugnen war.

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