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Skandal in Südkorea : Auch bei der Zulassung hat Audi manipuliert

Hier prüfen südkoreanische Inspektoren einen Audi. Bild: dpa

Audi hat jahrelang Testprotokolle gefälscht, weil man die südkoreanischen Vorgaben nicht einhalten konnte. Die Behörden verhängten deshalb ein Verkaufsverbot. Der inhaftierte Chef könnte davon gewusst haben.

          In drei Jahren des systematischen Abgasbetrugs von Verantwortlichen des Audi-Konzerns ist einiges zusammengekommen. In der Staatsanwaltschaft München II türmen sich Aktenberge, seit die Ermittler vor eineinhalb Jahren erstmals eine Razzia in der Zentrale von Audi in Ingolstadt und an weiteren Standorten durchführten. Stets ging es darum, wie bei der Volkswagen-Tochtergesellschaft Dieselmotoren manipuliert wurden.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          All das und die Umstände, wie die Audi-Führung mit dem Skandal umging, führten erst zur Verhaftung von Vorstandschef Rupert Stadler und kürzlich auch zu seiner Entlassung. Neben dieser bekannten Abgasaffäre hat es aber noch einen anderen Skandal gegeben, der sich – zugegeben – im fernen Südkorea abgespielt hat, und das schon vor gut zwei Jahren. In Südkorea jedenfalls hat Audi für die Zulassung seiner Fahrzeuge jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf einen internen Audi-Prüfbericht. Das Unternehmen habe spezielle Vorschriften nicht „abdecken“, also nicht einhalten können, heißt es demnach in dem Revisionsbericht – und sich folglich mit falschen Angaben die Zulassung von Autotypen erschlichen, die sonst keine Betriebserlaubnis erhalten hätten.

          Audi-Mitarbeit in Südkorea inhaftiert

          Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt auch hierzu wegen des Verdachts auf Betrug. Dem Vernehmen nach wird gegen drei Audi-Beschäftigte ermittelt; darunter seien keine heutigen oder früheren Vorstandsmitglieder. Bekannt war bisher, dass Audi wegen der Ungereimtheiten bei den Zulassungen seit Herbst 2016 keine Autos mehr in dem Land verkauft hat. Eineinhalb Jahre währte der Verkaufsstopp, erst seit diesem Frühjahr ist Audi auf dem Markt wieder präsent.

          „Wir haben mit den südkoreanischen Behörden die Vorgänge aufgearbeitet und für einige Modelle inzwischen neue Betriebserlaubnisse erhalten“, sagte ein Audi-Sprecher auf Anfrage. Gleichwohl laufen in Südkorea noch Gerichtsverfahren in dieser Sache, schließlich wurde ein südkoreanischer Audi-Mitarbeiter inhaftiert und dem technischen Dienstleister gekündigt.

          Stadler stand ganz oben im Verteiler

          Der neuerliche Fall wirft abermals ein schlechtes Licht auf die Audi-Führung. Mehr als zehn Jahre war Stadler Vorstandsvorsitzender der VW-Marke. Aber in dieser Zeit wurde offenbar noch mehr manipuliert und betrogen, als bisher bekannt. Die Dokumente, die zu dem neuen Ermittlungsverfahren führten, sollen den Strafverfolgern erst bei jener Razzia wegen der Abgasaffäre in der Audi-Zentrale in die Hände gefallen sein.

          Der interne Revisionsbericht war zu diesem Zeitpunkt schon acht Monate alt gewesen. So lange hatte Audi Zeit, die Ermittlungsergebnisse von sich aus offenzulegen – zumal dem Bericht zufolge an erster Stelle auf dem Verteiler der ehemalige Vorstandschef Stadler stand.

          Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm fälschten Testprotokolle

          Die Prüfergebnisse zeigten, dass Mitarbeiter in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm seit 2013 Testprotokolle für die Zulassung von Fahrzeugen in Südkorea „gezielt manipuliert“ hätten. Es ging um Messergebnisse des Schadstoffausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs, um Testdaten und Kilometerzahlen. In 18 Fällen soll eine falsche Fahrgestellnummer ins Testprotokoll eingetragen worden sein – gemeint sind damit 18 Motoren- und Getriebekombinationen. So erklärt sich auch, dass die südkoreanische Zulassungsbehörde den Verkauf von so vielen Audi-Modellen untersagt hat.

          Als das „Handelsblatt“ im Februar dieses Jahres Audi mit den Vorgängen um die Fahrgestellnummern konfrontiert hatte, gab das Unternehmen noch eine andere Version zum Besten: Eigene Kontrolleure hätten einen Bericht über eine chinesische Bande zutage gefördert. Diese hätte versucht, Fahrzeuge in China mit bereits vorhandenen Fahrgestellnummern auszurüsten, darunter auch Modelle der Marke Audi. Die Bande sei damals allerdings aufgeflogen, die Sache erledigt.

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