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Audi, BMW, Mercedes : Chinesen kaufen weniger Luxusautos als erwartet

Ladenhüter oder Lustobjekt? Noch beschwichtigen die deutschen Premiumhersteller (Foto: BMW-Autohaus in Peking Ende Dezember 2011) Bild: AFP

Knapp 40.000 Euro Rabatt beim Kauf eines BMW? In China offenbar kein Problem. Denn inzwischen haben auch die deutschen Premiumautobauer Probleme, ihre Produkte an den Chinesen zu bringen.

          2 Min.

          Die Abkühlung im chinesischen Automobilmarkt, dem größten Neuwagenmarkt der Welt, erreicht jetzt offenbar auch die deutschen Premiumhersteller. Auf die schwächere Nachfrage hätten die Autohändler mit großen Preisnachlässen, reagiert, schreibt die chinesische Marktforschungsgesellschaft Cheshi (Automarkt), welche die Preise im Internet verfolgt. Mercedes, Audi und BMW hätten im Februar rund 20 Prozent Rabatt gewährt, heißt es auf Cheshi.com.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Unterdessen verringerte der chinesische Automobilverband CAAM seine Absatzerwartung für das laufende Jahr. Eigentlich hatte er einen Anstieg um 8 Prozent vorausgesagt. Damit wären erstmals in der Automobilgeschichte in einem Land 20 Millionen Kraftfahrzeuge aller Bauarten verkauft worden.

          Doch im Januar und Februar gingen die Verkäufe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6 Prozent zurück. Am Dienstag schränkte der stellvertretende CAAM-Generalsekretär Gu Xianghua deshalb ein, möglicherweise werde man im Gesamtjahr nicht einmal eine Steigerung um 5 Prozent sehen. Schuld daran sei die „schwierige“ Wirtschaftslage, zitierte ihn die Agentur Bloomberg.

          Vorsichtige Beschwichtigungen

          Die Aktienkurse der Automobilhersteller Volkswagen, Daimler und BMW sanken daraufhin um bis zu 5 Prozent, während der gesamte Aktienmarkt nur um gut 1 Prozent schwächer tendierte. Für die deutschen Autokonzerne ist China sehr bedeutsam: Die Volkswagen-Gruppe mit den Marken VW, Audi und Skoda verkauft fast jedes dritte Fahrzeug nach China. Für Daimler, BMW und Porsche ist das Land der zweitwichtigste Markt.

          Ein Audi-Sprecher in Peking dämpfte die Sorgen. Der Absatz des Unternehmens, das nirgendwo so viele Autos verkauft wie in China, werde in dem Land auch 2012 zweistellig wachsen, sagte er dieser Zeitung. Im Januar und Februar hätten die Verkäufe um 42 Prozent zugenommen. Zu den Rabatten sagte er: „Wir haben keine substantiellen Discounts im Markt.“

          Auch eine BMW-Sprecherin versicherte, den zwanzigprozentigen Abschlag gebe es nicht, in einigen Segmenten sei der Preis höher als früher. Ein Daimler-Sprecher formulierte es vorsichtiger: „Unsere Preisnachlässe übersteigen nicht die normale Bandbreite im Markt“, sagte er. Es gebe aber „von Zeit zu Zeit Marketingprogramme, um sich auf ein bestimmtes Modell zu konzentrieren“.

          Zehntausende Euro Rabatt

          Cheshi zufolge boten Mercedes-Händler im Februar Modelle vom Typ S300 statt zum Listenpreis von 930.000 (111.000 Euro) für 730.000 Yuan an (88.000 Euro). Auf BMW-Modelle der Siebener-Reihe habe es Rabatte von 318.000 Yuan (38.000 Euro) gegeben.

          Schon im vergangenen Jahr hatte sich das Wachstum im chinesischen Autoabsatz stark verlangsamt. Es hatte bei allen Kraftfahrzeugarten 2,5 Prozent auf 18,5 Millionen Einheiten erreicht. Der Personenwagenabsatz legte um 2,2 Prozent auf 14,5 Millionen zu. 2010 hatten die Steigerungsraten noch 32 und 33 Prozent betragen, im Jahr zuvor sogar 46 und 53 Prozent.

          Die rasante Zunahme in den guten Jahren erklärten Fachleute damals mit Steuernachlässen, Kaufbeihilfen und günstigen Krediten, mit denen die Regierung den Absatz in der Wirtschaftskrise ankurbeln wollte. Diese Anreize sind 2011 ausgelaufen.

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