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Abgasskandal : Razzia in der Audi-Zentrale

  • Aktualisiert am

Audi-Chef Rupert Stadler am Mittwoch in Ingolstadt Bild: Reuters

Der Verdacht lautet auf Betrug und strafbare Werbung: Dutzende Beamte haben am Morgen insgesamt neun Büros von Audi durchsucht. Die Razzien begannen drei Stunden vor der Jahrespressekonferenz.

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          Die Staatsanwaltschaft München II nimmt wegen der Abgasaffäre Audi-Manager ins Visier. Die Behörde habe ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung eingeleitet, teilte sie am Mittwoch mit. Dabei gehe es um 80.000 Dieselfahrzeuge, die bis 2015 in den Vereinigten Staaten verkauft worden seien. „Es besteht der Verdacht, dass in diese Kraftfahrzeuge technische Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut wurden, um die amerikanischen Abgasgrenzwerte einzuhalten, und die Käufer diesbezüglich nicht informiert wurden", hieß es. Das europäische Geschäft sei nicht betroffen.

          Wie die Ermittler weiter mitteilten, durchsuchten Staatsanwälte und Beamte der Landeskriminalämter Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen Audi-Standorte und sieben weitere Orte. Insidern zufolge waren in Ingolstadt rund 70 Ermittler im Einsatz, die elektronische Daten und Unterlagen mitnahmen. Außer Büros wurden demnach auch Privaträume durchsucht. Auch die VW-Zentrale in Wolfsburg wurde einem Konzernsprecher zufolge durchsucht. Die Privaträume von Audi-Chef Rupert Stadler sind nach den Worten des Managers nicht von Ermittlern durchsucht worden. „Ich habe noch keinen Besuch gesehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Ingolstadt. „Ich bin aber auch seit 7.30 Uhr hier, und meine Frau hat noch nicht angerufen.“

          Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet weiter, dass die Ermittler Insidern aus der Justiz zufolge erst Anfang der Woche von dem Termin der Jahrespressekonferenz erfahren hatten. Zu diesem Zeitpunkt aber waren die Vorbereitungen für die Durchsuchungen an neun Orten in drei Bundesländern schon abgeschlossen. Eine Verlegung der Aktionen sei nicht mehr möglich gewesen, heißt es.

          1,6 Milliarden Euro für Folgen des Abgasskandals zurückgelegt

          Die Aktionen der Staatsanwaltschaften München und Stuttgart stünden im Zusammenhang mit der „Diesel-Thematik“, bestätigte Audi-Sprecher Toni Melfi zum Auftakt der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Ingolstadt. Audi hatte in Amerika Dieselautos mit einer dort illegalen Software verkauft, die niedrigere Abgaswerte angibt. Schon unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die bayerische Justiz ein Prüfverfahren eingeleitet. Der Verdacht lautet auf unlauteren Wettbewerb und Betrug.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Audi-Chef Rupert Stadler sagte, die Aufarbeitung des Abgasskandals seit "noch lange nicht abgeschlossen". Seine Privaträume sind zudem nach den Worten des Managers nicht von Ermittlern durchsucht worden. „Ich habe noch keinen Besuch gesehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Ingolstadt. „Ich bin aber auch seit 7.30 Uhr hier, und meine Frau hat noch nicht angerufen.“

          Der langjährige Vorstandsvorsitzende steht seit Bekanntwerden der Affäre stark unter Druck; intern und extern wird kritisiert, dass er bei der Aufarbeitung oft keine gute Figur abgebe. Erst Ende Februar stärkte der Aufsichtsrat Stadler öffentlich den Rücken. "Als Konsequenz aus der Dieselaffäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand", sagte der Audi-Chef und verwies etwa auf neue Compliance-Strukturen. Die Audianer träten "mit aller Entschlossenheit dafür ein", dass ein solcher Skandal nie wieder passiere. Zudem hätten zwei Entwicklungschefs gehen müssen, wie Mitarbeiter auf unteren Ebenen.

          Weniger Autos verkauft

          Im vergangenen Jahr musste Audi abermals viel Geld zurücklegen: Gut 1,6 Milliarden Euro waren es allein für die Folgen des Dieselskandals, hinzu kamen weitere 162 Millionen Euro im Zusammenhang mit womöglich fehlerhaften Takata-Airbags. Das operative Ergebnis sackte 2016 in der Folge um 37 Prozent ab auf 3,052 Milliarden Euro. Unterm Strich brach der Gewinn um mehr als die Hälfte ein auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Der Umsatz legte dank eines Absatzrekords von 1,87 Millionen verkauften Autos um 1,5 Prozent zu auf 59,3 Milliarden Euro. Die operative Rendite sackte auf 5,1 (Vorjahr: 8,3) Prozent ab und lag damit weit unter den Werten der Konkurrenten Mercedes und BMW.

          Der Autohersteller hat im Februar außerdem abermals weniger Autos abgesetzt als im Jahr zuvor und fällt damit weiter hinter die Konkurrenz zurück. Weltweit brachte die VW-Tochtergesellschaft im zurückliegenden Monat 125.100 Neuwagen auf die Straßen. Das entspricht einem Minus von 1,1 Prozent, wie der Autobauer am Mittwoch mitteilte. Zum Vergleich: BMW hatte den Absatz im Februar immerhin um 3 Prozent auf 147.789 Fahrzeuge der Hausmarke steigern können, während Mercedes Benz der Konkurrenz mit einem Absatzplus von 15 Prozent auf 153.862 Wagen davon fuhr.

          Während Audi den Absatz in den Vereinigten Staaten um 17,3 Prozent steigern konnte und auch in Europa mehr Autos verkaufte, sank der Absatz in China um 5,8 Prozent. Zu Jahresbeginn war der Absatz der VW-Tochtergesellschaft auf dem weltgrößten Automarkt noch um 35 Prozent eingebrochen.

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