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Auch Winterkorn ist Kunde : Schon wieder Vontobel

Das Vontobel-Logo am Hauptsitz der Bank in Zürich. Bild: AP

Der Fall Hoeneß verschaffte der Schweizer Bank grenzüberschreitende Bekanntheit. Doch es gibt einen weiteren prominenten Kunden aus den Reihen des FC Bayern München, dem nun ein Steuervergehen angelastet werden könnte.

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          Die Bank Vontobel scheint in den obersten Kreisen des FC Bayern München immer noch hoch im Kurs zu stehen. Zur Erinnerung: Über diese Zürcher Privatbank hatte Uli Hoeneß einst seine riesigen Devisengeschäfte abgewickelt. Diese Geschäfte brachten Deutschlands bekanntesten Fußball-Manager ins Gefängnis: Wegen der Hinterziehung von 28,5 Millionen Euro Steuern war Hoeneß im März 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Im Februar 2016 wurde der FC-Bayern-Manager vorzeitig aus der Haft entlassen. Inzwischen amtiert er wieder als Präsident von des Münchner Fußballclubs.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          In dieser Rolle trifft Hoeneß regelmäßig auf Martin Winterkorn. Der tief gefallene, ehemalige VW-Chef sitzt nach wie vor im Aufsichtsrat des bayerischen Vorzeigevereins. Es ist das einzige Amt, das dem eingefleischten Fußballfan noch geblieben ist. Ansonsten beschäftigt sich der ehemalige Hobby-Torwart nur noch mit seiner Verteidigung im VW-Abgasskandal. Die in dieser Sache laufenden Ermittlungen brachten nun den Verdacht zutage, dass Winterkorn etliche Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in der Schweiz ins Trockene gebracht haben könnte (F.A.Z. vom 30. Juli). Sein Anwalt bestreitet, dass im Zuge von Geldtransfers in die Eidgenossenschaft Steuern hinterzogen worden seien. Nicht dementiert wird indes der Name der Schweizer Bank, die in diesem Fall offenbar als Geschäftspartner fungiert hat: Vontobel.

          Saftige Geldstrafen für Banken

          Der mehrheitlich in Familienbesitz befindliche Vermögensverwalter gehört zwar nicht zu den ganz großen, wohl aber zu den bedeutenden Adressen im Schweizer Bankgeschäft. Per Ende Juni verwaltete Vontobel Vermögen von fast 170 Milliarden Franken. Ein Sprecher der Bank wollte sich auf Anfrage nicht zur Causa Winterkorn äußern: „Aufgrund der Schweizer Gesetze ist es Vontobel nicht erlaubt, bestehende oder gar auch nicht bestehende Kontoverbindungen zu kommentieren.“ Im Übrigen halte man sich an Recht und Gesetz. In diesem Kontext verwies der Sprecher auch auf den seit 2017 bestehenden automatischen Austausch von Informationen (AIA) über Finanzkonten zwischen der Schweiz und Deutschland. Damit sei vollständige Transparenz gegeben.

          Tatsächlich führt der AIA dazu, dass man als Ausländer in der Schweiz kein Geld mehr vor dem deutschen Fiskus verstecken kann. Hinzu kommt: Die Schweizer Banken haben inzwischen fast alle ausländischen Kunden aussortiert, die nicht nachweisen konnten oder wollten, dass ihr Vermögen steuerlich sauber ist. Auch kann ein Kunde seine Identität nicht mehr hinter einem Stiftungskonstrukt vor den Behörden verbergen.

          Als in der Schweiz noch das Bankgeheimnis galt, war das Land ein Hort für unversteuerte Vermögen deutscher Kunden. Die daraus resultierenden Strafverfahren von Seiten deutscher Behörden haben die involvierten Banken größtenteils mit saftigen Geldzahlungen aus der Welt geschafft. Vontobel legte seine diesbezüglich noch vorhandenen Altlasten im Februar 2018 ab, indem die Bank 13,3 Millionen Euro berappte. Den schlagzeilenträchtigen Fall Hoeneß hatte Vontobel im März 2016 mit einer Geldbuße von 4,5 Millionen Euro zu den Akten gelegt. Den Vontobel-Mitarbeiter, über den Hoeneß einst seine Zockereien abgewickelt hatte, verurteilte das Amtsgericht München seinerzeit wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 90.000 Euro.

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