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Aktie verfehlt Erwartungen : Auch Google spürt die Corona-Krise

Eine Frau läuft an dem New Yorker Büro des Internetkonzerns google vorbei. (Archivfoto) Bild: AFP

Der Internetkonzern und seine Mutterholding Alphabet wachsen noch, aber das Geschäft hat sich abgeschwächt. Jetzt wird am Personal gespart.

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          Die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google hat im vergangenen Quartal ihr Wachstum fortgesetzt, ist aber von der Corona-Krise nicht unberührt geblieben. Der Vorstandsvorsitzende Sundar Pichai sagte am Dienstag nach Börsenschluss bei der Vorlage von Geschäftsergebnissen: „Es war eine Geschichte von zwei Quartalen.“ Im Januar und Februar habe sich das Geschäft noch gut entwickelt, aber im März habe es eine „erhebliche und plötzliche Abschwächung“ bei den Werbeumsätzen gegeben, zeitgleich zu den damals verhängten Restriktionen im öffentlichen Leben. Wie Finanzchefin Ruth Porat sagte, stellt sich der Konzern in seinem Werbegeschäft auch auf ein schwieriges zweites Quartal ein. Nähere Details nannte sie nicht, Alphabet gibt üblicherweise keine konkreten Umsatz- und Gewinnprognosen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Alphabet reagiert auf das eingetrübte Umfeld mit mehr Kostendisziplin, unter anderem beim Personal. Porat sagte, der Konzern wolle seine Belegschaft in diesem Jahr weniger ausbauen als ursprünglich geplant. Auch wolle er seine Investitionen „neu justieren“ und am Marketing sparen. Vorstandschef Pichai versuchte aber auch, mit Blick auf die längerfristige Zukunft Zuversicht zu verbreiten. Er verwies darauf, dass sich das Geschäft mit Werbung nach der Finanzkrise 2008 recht schnell erholt habe, weil Google-Anzeigen als sehr kosteneffiziente Art der Werbung wahrgenommen würden. Zudem sei der Konzern heute breiter aufgestellt als damals, wie sich zum Beispiel in der wachstumsstarken Sparte mit Angeboten rund um Cloud Computing zeige.

          Für das erste Quartal meldete Alphabet insgesamt ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 41,2 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 40,3 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg nur um drei Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar, vor allem weil Beteiligungen an Wert verloren haben. Der Gewinn je Aktie vor Sonderposten von 9,87 Dollar verfehlte die Erwartungen, die im Schnitt bei 10,33 Dollar lagen.

          Youtube und Cloud-Dienste überzeugen

          Der Aktienkurs kletterte im nachbörslichen Handel um fast vier Prozent. Die Alphabet-Aktie hat seit Jahresbeginn knapp acht Prozent an Wert verloren und hat sich damit besser geschlagen als der Gesamtmarkt. Im Januar erreichte das Unternehmen erstmals eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar. Derzeit wird es mit rund 850 Milliarden Dollar bewertet. Der Softwareanbieter Microsoft, der Elektronikkonzern Apple und der Online-Händler Amazon.com übertreffen mit ihrem Börsenwert noch immer die Marke von einer Billion Dollar.

          Die Alphabet-Kernsparte Google macht bis heute den größten Teil ihres Umsatzes mit Werbung, etwa den Anzeigen, die neben Ergebnisse der namensgebenden Suchmaschine gestellt werden. Das Anzeigenaufkommen hat hier zuletzt merklich nachgelassen, zum Beispiel wenn Suchbegriffe eingegeben werden, die mit Reisen zu tun haben. Überdurchschnittlich gut hat sich im ersten Quartal das Werbegeschäft auf der zu Google gehörenden Videoseite Youtube geschlagen. Hier stiegen die Umsätze um rund ein Drittel auf 4,0 Milliarden Dollar, wobei Finanzchefin Porat darauf hinwies, dass sich das Wachstum zum Ende des Quartals deutlich abgeschwächt habe. Alphabet weist die Youtube-Umsätze erst seit dem Schlussquartal 2019 separat aus, gleiches gilt für die Cloud-Sparte. Auch das ist ein Wachstumsgeschäft, der Umsatz stieg im ersten Quartal um mehr als 50 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Google konkurriert hier vor allem mit Amazon und Microsoft und liegt gemessen an Marktanteilen hinter diesen Wettbewerbern.

          Vom gesamten Alphabet-Umsatz entfallen mehr als 99 Prozent auf Google. Daneben hat die Holding noch eine Reihe anderer Tochtergesellschaften, darunter Waymo, einen Spezialisten für selbstfahrende Autos, oder den Medizintechnikanbieter Verily. Deren kombinierter Umsatz erreichte um ersten Quartal aber nur 135 Millionen Dollar und lag sogar mehr als 20 Prozent unter dem Vorjahreswert. Sie brachten zusammen einen Betriebsverlust von mehr als 1,1 Milliarden Dollar ein.

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