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Attacke der Nachbarländer : Singapur hortet Sand

In Singapur gibt es viele Bauvorhaben - doch der Sand dafür wird knapp Bild: AFP

Indonesien, Malaysia und Thailand sind nicht gut auf Singapur zu sprechen. Denn der Stadtstaat baut „nationale Sand- und Kiesreserven“ für Bauvorhaben auf - sehr zum Ärger der Nachbarn. Ein Ende des bizarren Streits ist nicht in Sicht.

          Die meisten Länder Asiens leisten sich einen Devisenschatz, um für Krisen gewappnet zu sein. Viele legen Ölreserven an. Manche horten Reis oder Weizen. Singapur aber baut „nationale Sand- und Kiesreserven“ auf. Denn der rasant wachsende Stadtstaat macht gerade die bittere Erfahrung, dass Sand über Nacht zu einem teuren Rohstoff werden kann.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das Nachbarland Indonesien hat einen Bann auf alle Sandlieferungen und einige Kiestransporte erlassen. Inzwischen haben selbst die Außenminister des kleinsten und des größten Landes Südostasiens über den Sand im Getriebe verhandelt. Ausgerechnet Burma, die schlimmste Militärdiktatur Asiens und politisch weitgehend geächtet, hat nun angeboten, mit Sandlieferungen an Singapur in die Bresche zu springen.

          Kiesgrube bei Bombenanschlag in die Luft gejagt

          Auf beiden Seiten der Wasserwege rund um Singapur fordert der Sand-Bann seine Opfer: In Singapur haben sich die Preise für Sand, Kies und Zement seit Anfang Februar verdreifacht. Dies zu einer Zeit, in der der Stadtstaat einen immensen Bau- und Immobilienboom vorantreibt, der mehrere Milliarden-Dollar-Projekte umfasst. Inzwischen hat Singapurs Regierung angekündigt, für alle öffentlichen Bauvorhaben bis zu 75 Prozent der Preissteigerung für Sand und Kies aufzufangen.

          Eine - von Singapur betriebene - Kiesgrube in Indonesien wurde bei einem Bombenanschlag in die Luft gejagt. Auf den indonesischen Riau-Inseln mussten die Sandlieferanten Mitarbeiter entlassen, da sie mit Singapur ihren Hauptabnehmer verloren haben. Aber auch die indonesische Wirtschaftselite dürfte leiden: Viele der reichen Familien des Landes legen ihr Geld auf sicheren Konten in Singapur an, viele kaufen hier Luxuswohnungen. Deren Bau indes wird nun teurer, weil die eigene Regierung die Sandlieferungen ausgesetzt hat.

          Wichtige Sandlieferungen als politisches Druckmittel

          Indonesien wirft dem Inselstaat Singapur vor, seine Grenzen durch Landgewinnung auszuweiten. Zwischenzeitlich forderten indonesische Parlamentarier, den Botschafter ihres Landes aus Singapur abzuziehen. Wahr ist, dass die Äquatorinsel Singapur zwischen 1960 und dem Jahr 2000 ihre Fläche um rund 80 Quadratkilometer auf 660 ausgeweitet hat und großes weiteres Wachstum plant. Allerdings ändert sich nach internationalem Recht dadurch nicht die Seegrenze rund um Singapur. So wird es im Stadtstaat als offenes Geheimnis betrachtet, dass Indonesien die für Singapurs Bauvorhaben so wichtigen Sandlieferungen als politisches Druckmittel einsetzt.

          Das freilich ist gefährlich. Denn Singapur, ohne eigene Rohstoffe, ist von einem guten Verhältnis zu seinen Nachbarn abhängig. So fertigen etwa Singapurer Firmen in Freihandelszonen auf den benachbarten indonesischen Inseln. Singapurs Hafen und sein Flughafen sind wichtige Logistikzentren für die Region.

          Zerstört Singapur durch Landgewinnung die Umwelt?

          Beliebt waren die Singapurer im Umland nie, nur beneidet werden sie. Seit Dekaden schwelen Zwistigkeiten mit dem direkten Nachbarland Malaysia. Von ihm ist Singapur etwa bei der Trinkwasserversorgung abhängig. Als die Konflikte zunahmen, auch weil Malaysia das Wirtschaftsmodell Singapurs vor dessen Haustür offensichtlich mit niedrigeren Löhnen kopiert, hat Singapur eine effiziente Brauchwasseraufbereitung entwickelt, die es immer unabhängiger von der Wasserversorgung des Nachbarn werden lässt.

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