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Atomkraftwerk Fukushima : Tepco braucht dringend Geld für Reparaturen

Tepco, Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima, braucht 17,4 Milliarden Euro an Krediten Bild: AFP

Der Betreiber des zerstörten Atomkraftwerks in Fukushima benötigt dringend Geld. Der Konzern verhandelt bereits mit japanische Banken und Stiftungen. Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's hatten kürzlich die Kreditwürdigkeit des Konzerns heruntergestuft.

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          Das japanische Energieunternehmen Tokyo Electric Power, das im Lande unter dem Namen Tepco bekannt ist, hat sieben japanische Großbanken aufgefordert, ihm etwa 2 Billionen Yen (17,4 Milliarden Euro) an Krediten zur Verfügung zu stellen. Mit dem Geld will Tepco unter anderem die Aufräumarbeiten beim schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima bezahlen. Zudem braucht das Unternehmen auch Geld für die Reparatur weiterer beschädigter Kraftwerke. Außerdem könnten Schadensersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die sieben Banken - es handelt sich um die Sumitomo Mitsui-Bank, die Mizuho-Corporate Bank, die Bank von Tokyo-Mitsubishi, die Sumito Trust and Banking, die Mitsubishi UFJ, die Chuo Mitsui Trust und die Mizuho Trust - bestätigten am Mittwoch, dass sie die Anfrage des durch die Atomkatastrophe schwer angeschlagenen Unternehmen prüfen. Eine Entscheidung soll dem Vernehmen nach bis Ende des Monats fallen.

          Die Banken beraten derzeit, wer Tepco wie viel Geld zur Verfügung stellen wird. Ende Dezember verfügte das Energieunternehmen über Barreserven in Höhe von 670 Milliarden Yen. Da die Gefahr noch nicht gebannt ist, dass sich die atomare Krise in Fukushima verschärft, der Börsenwert des Unternehmens dramatisch eingebrochen ist und Schlampereien bei der Sicherheit sowie falsche oder verspätete Informationen das Vertrauen in Tepco zerstört haben, befürchtet das Unternehmen die Kosten anders nicht aufbringen zu können.

          Im zentralen Kontrollraum von Block 3 in Fukushima-Daiichi brennt wieder das Licht - Das Kühlsystem ist jedoch noch immer ohne Strom
          Im zentralen Kontrollraum von Block 3 in Fukushima-Daiichi brennt wieder das Licht - Das Kühlsystem ist jedoch noch immer ohne Strom : Bild: REUTERS

          Wie die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete, will die Tepco-Führung auch an die großen Versicherungsunternehmen des Landes wie die Dai-ichi-Versicherung herantreten und um Kredite bitten. Ob die Unternehmen dazu bereit sind, ist noch unklar.

          Die Finanzinstitute, die große Aktienpakete an Tepco halten, haben durch den Kurssturz an der Börse bereits Milliardenverluste erlitten. Als Rettungsanker stünde notfalls die öffentliche Hand bereit. Die Entwicklungsbank von Japan - die von der Regierung kontrolliert wird - dürfte den Privatbanken beitreten und Tepco Kapital für den Wiederaufbau zur Verfügung stellen.

          Das Unternehmen teilte am Mittwoch zudem mit, dass unsicher sei, ob die geplante Dividende für 2010 - das Fiskaljahr endet in Japan am 31. März - wie geplant an die Anteilseigner gezahlt wird. Angekündigt war eine Dividende von 30 Yen pro Aktie. Sollte sich Tepco entscheiden, keine Dividenden zu zahlen, wäre das das erste Mal seit 1980. Damals gab es wegen der zweiten Ölkrise keine Dividendenzahlungen.

          Der Tepco-Kurs unterlag extremen Schwankungen. Die Meldungen, dass das Bankenkonsortium möglicherweise 2 Billionen Yen zur Verfügung stellt, ließ den Kurs um 7 Prozent steigen. Als dann aber Berichte kamen, dass das Trinkwasser in Tokio bereits so stark radioaktiv belastet ist, dass Kleinkinder es nicht mehr trinken sollten, brach der Kurs wieder ein. Tepco schloss am Ende mit einem Minus von 4,5 Prozent bei 1049. Am 10. März, dem Tag vor dem Erdbeben, das das Atomkraftwerk Fukushima zerstörte, stand Tepco bei 2153 Yen. Den niedrigsten Stand gab es am 17. März, auf dem Höhepunkt der Ängste vor einer atomaren Katastrophe, mit 715 Yen.

          Tepco betreibt insgesamt 17 atomare Reaktorblöcke

          Tepco ist das größte Energieunternehmen Japans und das viertgrößte der Welt. Das private Energieunternehmen betreibt insgesamt 17 atomare Reaktorblöcke und produziert damit in etwa den jährlichen Strombedarf eines Landes wie Italien.

          Tepco hatte bereits vor der Katastrophe in Fukushima den Ruf, Pannen in seinen Atomanlagen zu vertuschen. 2002 gab es Sonderprüfungen bei allen 17 Tepco-Reaktoren, weil das Unternehmen Reaktordaten und Schadensberichte gefälscht hatte. Der Vorstandsvorsitzende und die verantwortlichen Manager mussten damals gehen. Doch auch in Fukushima hat Tepco bei den Kontrollen unmittelbar vor der Katastrophe geschlampt und Informationen nicht weitergegeben, wie in dieser Woche bekannt wurde.

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