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Energiekrise : Japan entwickelt neuen Atomreaktor

Das Tomari-Atomkraftwerk in der Präfektur Hokkaido Bild: AP

Anders als Deutschland versperrt Japan sich elf Jahre nach der Kernschmelze in Fukushima Daiichi der Atomenergie nicht. Der geplante Reaktor soll über besondere Sicherheitsmerkmale verfügen.

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          Der japanische Konzern Mitsubishi Heavy Industries wird gemeinsam mit vier regionalen Energieversorgern einen neuen Atomreaktor mit besonderen Sicherheitsmerkmalen entwickeln. Die Mitteilung des Industriekonzerns von Donnerstag verdeutlicht die strategische Wende, die Japan unter dem Eindruck der stark steigenden Energiepreise in Sachen Nuklearenergie eingeleitet hat.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ministerpräsident Fumio Kishida hatte im Sommer angekündigt, dass das Land neben dem Ausbau erneuerbarer Energien wieder Atomreaktoren bauen wolle, auch als kohlendioxidarme Antwort auf die Erderwärmung.

          Elf Jahre nach der dreifachen Kernschmelze in den Reaktoren des Kraftwerks Fukushima Daiichi stellte die Regierung so erstmals klar, dass das Land wieder auf einen höheren Anteil der Atomkraft an der Energieversorgung setzt. Japans Energiepolitik steht konträr zum deutschen Ausstieg aus der Atomenergie. In den Jahren nach dem Unfall in Fukushima hatte die Regierung in Tokio eine klare Aussage gemieden und zeitweise argumentiert, dass der Atomstromanteil sinken solle.

          Der neue Reaktortyp soll nach Informationen der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ gegen Mitte der Dreißigerjahre gebrauchsfertig sein. Im Kern handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Druckwasserreaktoren, die von den regionalen Energieversorgern in Kansai, Shikoku, Kyushu und Hokkaido schon genutzt werden. Der neue Reaktortyp ist auf 0,6 Millionen bis 1,2 Millionen Kilowatt Strom angelegt.

          Wichtigstes Sicherheitsmerkmal ist, dass mit einem verbesserten Kontrollstangenmechanismus die nukleare Kettenreaktion erheblich schneller als in früheren Modellen gestoppt und hochgefahren werden kann. Als unterirdischer Reaktor mit verstärkten Schutzwänden soll der neue Typ besonders sicher vor Terroranschlägen oder Flugzeugabstürzen sein. Mitsubishi Heavy verspricht ferner eine bessere Technik, um im Fall einer Kernschmelze geschmolzenen Brennstoff aufzufangen. Dass der geschmolzene Brennstoff in den havarierten Reaktoren in Fukushima Daiichi sich recht ungehindert ausbreiten konnte, ist eine der größten Schwierigkeiten für den Abriss der dortigen Reaktoren, der noch Jahrzehnte dauern wird.

          Der Reaktor ist nicht die einzige neue Entwicklung, die Mitsubishi Heavy plant. Der Konzern arbeitet auch an kleineren und kostengünstigen Reaktoren mit einer Leistung von 0,3 Millionen Kilowatt. Gasgekühlte Hochtemperaturreaktoren sollen bei der Produktion von Wasserstoff helfen. Das Unternehmen plant auch Mikroreaktoren, die mit einer Größe von 4 mal 3 Metern auf dem Lastwagen angeliefert und unterirdisch installiert würden. Das rohstoffarme Japan sieht die Nuklearenergie als notwendigen Bestandteil eines Energiemix, um neben Wind- und Solaranlagen als wetterunabhängige Energiereserve zu dienen. Aktuell strebt das Land bis 2030 einen Nuklearstromanteil von 20 bis 22 Prozent an. Nach verschärften Sicherheitsprüfungen nach 2011 sind in Japan zehn Reaktoren wieder zugelassen und im Prinzip am Netz.

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