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AT&T Fusion : Ein neuer Mediengigant entsteht

AT&Ts Fusion mit dem Medienunternehmen Discovery soll dem Konzern im Wettbewerb gegen Netflix und Co. helfen. Bild: AP

Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T verschmilzt sein Mediengeschäft mit dem Wettbewerber Discovery, um bessere Chancen gegen Konkurrenten wie Netflix zu haben. Es ist eine abrupte Wende.

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          In der Medienbranche kommt es zu einer weiteren Großfusion: Der amerikanische Telekommunikationskonzern AT&T kündigte am Montag an, seine Film- und Fernsehsparte Warner Media mit deren Wettbewerber Discovery zu verschmelzen. Mit diesem Bündnis hoffen die beiden Unternehmen, sich im zunehmend umkämpften Streamingmarkt gegenüber Wettbewerbern wie Netflix besser zu positionieren. Zu Warner Media gehören Filmstudios und eine Reihe von Fernsehaktivitäten wie der Nachrichtenkanal CNN und der Bezahlsender HBO, der für Shows wie „Game of Thrones“ bekannt ist. Unter dem Dach von Discovery sind eine Reihe von Kanälen wie HGTV oder Food Network, die Reality-Shows zeigen, außerdem der europäische Sportsender Eurosport. Jenseits dieser traditionellen Fernsehsender haben beide Unternehmen in jüngster Zeit auch Onlinevideodienste nach dem Vorbild von Netflix gestartet.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Für AT&T kommt die jetzt verkündete Transaktion einer abrupten strategischen Kehrtwende gleich. Der Konzern hat sein Mediengeschäft erst vor knapp drei Jahren erworben, als er mehr als 80 Milliarden Dollar für Time Warner zahlte. Um die Übernahme hatte er fast zwei Jahre lang gekämpft. Das amerikanische Justizministerium hatte eine Kartellklage eingereicht, um die Akquisition zu verhindern. Es ist gemutmaßt und auch von AT&T suggeriert worden, der damalige Präsident Donald Trump könnte bei der Klage seine Finger im Spiel gehabt haben, weil ihm die Berichterstattung auf CNN missfiel. Am Ende wurde die Kartellklage aber abgewiesen, und AT&T konnte den Zukauf vollziehen.

          Branchenexpansion eines Mobilfunkunternehmens

          Hinter der Übernahme steckte damals der Gedanke, Medieninhalte und deren Distribution unter ein Dach zu bringen. AT&T war zuvor vor allem ein Anbieter von Mobilfunkdiensten, Internetzugängen und Fernsehanschlüssen. Das traditionelle Mobilfunkgeschäft zeigte aber Sättigungserscheinungen, und es zeichnete sich ein radikaler Wandel im Medienkonsum ab. Onlinedienste wie Netflix trugen dazu bei, dass immer mehr Menschen auf Fernsehabonnements verzichteten und Unternehmen wie AT&T die damit verbundenen Gebühreneinnahmen wegbrachen. Gleichzeitig machten Internetkonzerne wie Google und Facebook den klassischen Medienbetrieben Werbeumsätze streitig.

          AT&T hat seit dem Zukauf selbst versucht, eine stärkere Rolle im Streaminggeschäft zu spielen. Vor knapp einem Jahr wurde die Plattform HBO Max gestartet, in die viel Geld gepumpt wird. Um HBO Max zu stärken, hat das Unternehmen sogar angekündigt, hier in diesem Jahr alle Filme gleichzeitig zum Kinostart zu zeigen. Der Dienst gewinnt auch immer mehr Abonnenten, liegt aber noch weit hinter seinen größten Wettbewerbern zurück. Nach letzten verfügbaren Zahlen hatte er Ende vergangenen Jahres rund 17 Millionen Abonnenten. Netflix hat derzeit auf der ganzen Welt mehr als 200 Millionen zahlende Kunden, der zum Unterhaltungskonzern Walt Disney gehörende Dienst Disney+, den es seit rund eineinhalb Jahren gibt, liegt bei mehr als 100 Millionen. Discovery hatte mit seinem Streamingangebot zuletzt 15 Millionen Abonnenten.

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          Die Übernahme von Time Warner hat die Schuldenlast von AT&T erheblich erhöht, und das zugekaufte Mediengeschäft musste mit den traditionellen Konzernsparten um Investitionen konkurrieren. Erst vor wenigen Monaten hat das Unternehmen einen zweistelligen Milliardenbetrag für den Kauf von Mobilfunkfrequenzen ausgegeben. In diesem angestammten Geschäft ist AT&T zuletzt unter Druck geraten und hat seinen vormaligen zweiten Platz auf dem amerikanischen Mobilfunkmarkt verloren, nachdem der zur Deutschen Telekom gehörende Wettbewerber T-Mobile USA sich mit dem Kauf von Sprint verstärkt hat.

          Mit der jetzt vereinbarten Transaktion konzentriert sich AT&T wieder auf sein Stammgeschäft. Daneben soll ein „Pure Play“-Unternehmen entstehen, das allein auf Medieninhalte spezialisiert ist, wie es in einer Mitteilung am Montag hieß. Es könne mehr Geld in Inhalte investieren. Einen ähnlichen Weg hat auch Wettbewerber Verizon eingeschlagen, der in den vergangenen Monaten den Verkauf der Internetdienste Yahoo und AOL angekündigt hat.

          AT&T wird sich indessen nicht ganz aus dem Mediengeschäft zurückziehen, vielmehr sollen die Aktionäre des Unternehmens künftig 71 Prozent an dem kombinierten neuen Medienkonzern halten, auf die Anteilseigner von Discovery sollen 29 Prozent entfallen. AT&T soll außerdem im Zuge der Transaktion insgesamt 43 Milliarden Dollar erhalten, teils in bar und teils in Form von Schulden, die bei Warner Media verbleiben. An der Börse kamen die Fusionspläne gut an.

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