https://www.faz.net/-gqe-8mnuz

AT&T kauft Time Warner : Gier auf Hollywood

Warner Bros. hat die „Harry Potter“-Filme produziert Bild: dapd

Es geht um 85 Milliarden Dollar: Der Telekom-Dienstleister AT&T übernimmt den Medienkonzern Time Warner. Denn Kinofilme bringen mehr Geld als langweilige Telefonkabel allein.

          Es geht um 85 Milliarden Dollar: Der Telekom-Dienstleister AT&T übernimmt den Medienkonzern Time Warner. Die Kombination liegt im Trend. Es ist der jüngste Versuch, Medieninhalte und deren Verbreitung in einem Konzern zusammenzuführen. AT&T ist in erster Linie ein Anbieter von Mobilfunkdiensten, Internetzugängen und Fernsehanschlüssen. Time Warner würde AT&T ein breites Portfolio von Medieninhalten bringen, zum Beispiel das Filmstudio Warner Bros. und Fernsehaktivitäten wie den Bezahlsender HBO oder den Nachrichtenkanal CNN.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Time Warner dreht damit ein Stück weit die Zeit zurück, denn der Gedanke der Konvergenz, der nun hinter dem geplanten Zusammenschluss mit AT&T steht, war auch der Beweggrund bei der spektakulären Fusion mit dem Internetdienst AOL im Jahr 2001. Die damalige Transaktion gilt bis heute als eines der größten Fusionsdebakel aller Zeiten. Time Warner war seitdem eigentlich auf einem anderen Weg und hat einen Unternehmensteil nach dem anderen aufgegeben, um sich auf das traditionelle Mediengeschäft zu konzentrieren. AOL wurde ebenso abgespalten wie der Kabelanbieter Time Warner Cable und der Zeitschriftenverlag Time Inc.

          Mit Kabelanschlüssen verdient man wenig Geld

          Mittlerweile aber hat eine Gegenbewegung eingesetzt, und Unternehmen wie Comcast, AT&T oder Verizon, die bislang in erster Linie Infrastruktur bereitgestellt haben, greifen nun auch nach den Inhalten selbst. Der Kabelspezialist Comcast kaufte vor einigen Jahren den Medienkonzern NBC Universal. Verizon übernahm im vergangenen Jahr AOL und hat vor einigen Monaten den Kauf von dessen Wettbewerber Yahoo vereinbart.

          AT&T schien bislang bei Übernahmen noch etwas näher an seinem traditionellen Kerngeschäft zu bleiben und erwarb zum Beispiel im vergangenen Jahr den Satellitenfernsehanbieter DirecTV. Mit Time Warner würde nun aber auch AT&T versuchen, ein breit aufgestelltes Medienimperium zu werden.

          AT&T und andere Spezialisten für Distribution sehen sich gezwungen, über ihren bisherigen Tellerrand hinauszusehen. Das rasante Wachstum im Smartphonemarkt, von dem AT&T in den vergangenen Jahren profitiert hat, kommt zum Erliegen. Und auch das Geschäft mit der Bereitstellung von Kabel- und Satellitenfernsehanschlüssen ist bedroht. Immer mehr Menschen verzichten heute auf ihre teuren Fernsehabonnements und beschränken sich auf billigere Alternativen wie die Online-Videothek Netflix. In Amerika wird dieses Phänomen als „Cord Cutting“ bezeichnet.

          Wird der neue Konzern zu mächtig?

          Eine Kombination von AT&T und Time Warner dürfte von den amerikanischen Kartellbehörden genau unter die Lupe genommen werden. In den vergangenen Jahren ist eine Reihe von Fusionsvorhaben an kartellrechtlichen Einwänden gescheitert. Comcast gab zum Beispiel seinen Plan auf, Time Warner Cable zu kaufen, erst vor wenigen Monaten platzte der geplante Zusammenschluss der Ölausrüster Halliburton und Baker Hughes.

          AT&T hat selbst unangenehme Erinnerungen an kartellrechtliche Überprüfungen. Vor fünf Jahren gab das Unternehmen wegen Kartellwiderständen seinen Plan auf, den Wettbewerber T-Mobile USA zu kaufen, die amerikanische Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom. Präsidentschaftskandidat Donald Trump sagte am Samstag, unter seiner Regierung würde ein Verbund von AT&T und Time Warner nicht erlaubt. Er sei „ein Beispiel für die Machtstruktur, gegen die ich kämpfe.“ Auch die Übernahme von NBC Universal durch Comcast hätte nie genehmigt werden dürfen, und seine Regierung würde versuchen, die Transaktion rückgängig zu machen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          An der Seite von Olaf Scholz: Die Brandenburger SPD-Politikerin Klara Geywitz bewirbt sich mit dem Finanzminister um den SPD-Vorsitz.

          Kritik an Geywitz : SPD-Harmonie mit Rissen

          Mit der ungewohnten Einigkeit, die die SPD derzeit ausstrahlt, ist es schon wieder vorbei. Kandidatin Geywitz wird heftig kritisiert. Getroffen werden soll aber eigentlich ein anderer.
          Heute ein Sieger: Sebastian Vettel

          Formel 1 in Singapur : Feuerwerk für Vettel

          Sebastian Vettel triumphiert bereits zum fünften Mal in Singapur. Er leistet sich keine Fehler, hat aber auch Glück: Das Team verrechnet sich bei Shootingstar Leclerc.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.