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Arzneimittel gegen Schlaganfall : Bayer meldet Rivaroxaban an

Bayerwerk in Leverkusen Bild: dpa

Der Pharmakonzern Bayer hat die EU-Zulassung für den Gerinnungshemmer Rivaroxaban zur Schlaganfall-Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern beantragt. Das Medikament gilt als einer der größten Hoffnungsträger des Konzerns: Ihm werden Umsätze von mehr als 2 Milliarden Euro im Jahr zugetraut.

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          Der Bayer-Konzern aus Leverkusen kommt mit seinem großen Hoffnungsträger im Pharmageschäft, dem Gerinnungshemmer Rivaroxaban, voran: Bayer hat für den unter dem Namen Xarelto vermarkteten Wirkstoff bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA den Zulassungsantrag zur Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern sowie zur Prävention der wiederkehrenden tiefen Venenthrombose und Lungenembolie beantragt. Das Präparat wird gemeinsam von dem Teilkonzern Bayer Health Care und dem amerikanischen Arzneimittelkonzern Johnson & Johnson entwickelt und gilt derzeit als die wichtigste Neuentwicklung der Pharmasparte von Bayer. Ihm werden Spitzenumsätze von mehr als 2 Milliarden Euro im Jahr und damit ein Status als „Blockbuster“-Medikament zugetraut.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf die Neuentwicklung solcher Verkaufsschlager sind die Arzneimittelhersteller rund um den Globus in den kommenden Jahren verstärkt angewiesen. Nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Accenture verlieren bis zum Jahr 2013 rund 40 Prozent der bisher patentgeschützten Medikamente ihre Monopolstellung. Dann werden die Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) günstigere Produkte anbieten dürfen, worauf Konzerne wie der amerikanische Hersteller Merck & Co und der britische Wettbewerber Astra Zeneca schon in großem Stil mit der Ankündigung von Stellenstreichungen reagiert haben. Auch der neue Bayer-Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers hat vor kurzem allein in Deutschland den Abbau von 1700 Arbeitsplätzen angekündigt.

          Hoffnung auf Neuentwicklungen, die diesen Trend aufhalten könnten, machen derzeit vor allem Präparate zur Schlaganfallprophylaxe wie Xarelto. Sie sollen die schon seit Jahrzehnten eingesetzten und mit vielen unerwünschten Nebenwirkungen verbundenen Medikamente wie Warfarin ersetzen, das gespritzt werden muss und häufige ärztliche Kontrollen erfordert. Für die anderen großen Volkskrankheiten steht ein vergleichbarer Innovationsschub nicht in Aussicht. Der Weltmarkt für Arznei zur Vorbeugung von Schlaganfällen wird in Branchenkreisen auf 15 bis 20 Milliarden Dollar geschätzt.

          Im Wettlauf um diesen Markt haben nun die beiden größten deutsche Arzneimittelhersteller die Nase vorn. Denn während etwa das britisch-amerikanische Duo Bristol-Myers Sqibb und Pfizer auf Erfolgsnachrichten aus seiner Entwicklungsabteilung warten lässt, hat Boehringer Ingelheim für seine Neuentwicklung Pradaxa in den Vereinigten Staaten und Kanada schon im Oktober die begehrte Zulassung zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen erhalten und ist nach Auskunft eines Sprechers mit den Verkaufszahlen bislang sehr zufrieden. Mit einer Zulassung in Europa rechnet das Familienunternehmen noch in diesem Halbjahr; umgekehrt wird in Kürze auch ein Zulassungsantrag von Bayer für Xarelto in Amerika erwartet. Wie Xarelto für Bayer ist Pradaxa für Boehringer zurzeit die wichtigste Neuentwicklung. Auch diesem Medikament trauen Analysten Umsätze in Milliardenhöhe zu, die Boehringer nach dem Ablauf des Patentschutzes für das Prostatamittel Flomax und das Parkinsonmedikament Sifrol und einem stagnierenden Verlauf des vergangenen Geschäftsjahrs gut gebrauchen kann.

          Pradaxa wird als Kapsel, das in den Bayer-Laboratorien in Wuppertal entwickelte Xarelto als Tablette verabreicht. Beide sind zur Thrombose-Prophylaxe nach Hüft- und Kniegelenkersatz-Operationen schon seit längerem zugelassen. Im Vergleich zur Schlaganfall-Prophylaxe ist dieses aber ein vergleichsweise kleines Einsatzgebiet. Die beiden aktuellen Zulassungsanträge von Bayer basieren auf den positiven Daten aus zwei Studien der fortgeschrittenen klinischen Studienphase III, die im August und November vergangenen Jahres auf einschlägigen Kongressen vorgestellt wurden.

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