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Arcandor-Insolvenz : Quelle kann sich keinen Katalog mehr leisten

  • -Aktualisiert am

Quelle-Versandzentrum in Leipzig Bild: AP

Der Handels-und Touristikkonzern Arcandor ist insolvent - doch der Geschäftsbetrieb in den Karstadt-Warenhäusern läuft vorerst weiter. Und das mindestens bis Weihnachten. Bei der Versandtochter Quelle sieht es jedoch schlecht aus.

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          Blitzverkäufe aus dem Beteiligungsbesitz des insolventen Essener Handels- und Touristik-Konzern Arcandor sind derzeit kein Thema. Als Vertreter der Gläubigerinteressen sehe er es derzeit als seine vornehmliche Aufgabe an, das Unternehmen zusammenzuhalten und sich voll der Stabilisierung der Geschäftsabläufe unter Insolvenzbedingungen zu widmen, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg am Donnerstag in Essen.

          Den akutesten Handlungsdruck hat Görg beim Fürther Versender Quelle. Hier gelang es Görg, bei der bayerischen Staatsregierung staatliche Hilfe zu erlangen. Nachdem sich bei Quelle die Lage dramatisch zugespitzt hatte, kam am späten Abend aus München das Signal für eine Rettung in letzter Sekunde. Die bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte die Beteiligung des Freistaats an einer geplanten 50- Millionen-Euro-Bürgschaft von Bund und Ländern zu. Bayern beteilige sich mit knapp 21 Millionen Euro an der Bürgschaft, sagte Seehofer nach einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts zusammen mit Vertretern des Unternehmens.

          „Ein sehr, sehr schwieriger Weg“

          Damit soll die Finanzierung der Druckkosten für den neuen Quelle-Katalog ermöglicht werden. Seehofer betonte, es sei nun „rasches Handeln für den Fortbestand“ des Traditionsunternehmens notwendig. „Ich bin froh über das Ergebnis“, betonte er. Es sei wichtig für das Überleben von Quelle. Zugleich mahnte er, die Rettung sei noch nicht geschafft. Man habe „noch einen sehr, sehr schwierigen Weg“ zu beschreiten.

          ...und das noch mindestens bis Weihnachten

          Der Herbst-Winter-Katalogs stellt die Geschäftsgrundlage des Unternehmens darstellt. Görg hatte zuvor gemahnt, ohne die Aussendung der Kataloge wäre das anstehende Herbstgeschäft akut gefährdet würde.

          Der Versender Quelle, der im Gegensatz zu einem stationären Händler wie Karstadt beim Verkauf der Ware nicht sofort das Geld in den Kassen hat, refinanziert sich über eine Factoring-Bank, nämlich die Essener Valovis Bank. Die Bank habe am vergangenen Donnerstag die Arbeit für Quelle eingestellt, womit diese Finanzierungsquelle abgeschnitten worden sei, erläuterte Görg. In den während der letzten Tage geführten Verhandlungen mit Vertretern der Politik ging es um Bürgschaften für diese Bank. Das seit Jahren mit großen Problemen kämpfende Versandhaus benötigt zudem Mittel in dreistelliger Millionenhöhe, um die Warenausstattung sicherzustellen.

          Karstadt braucht keinen Massekredit

          Beim Warenhausunternehmen Karstadt traut man sich hingegen die Finanzierung des Weihnachtsgeschäftes im Rahmen der bestehenden Verträge zu. Die Liquiditätsplanung geht bis Jahresende von einem positiven Mittelzufluss aus, wie Görg weiter berichtete. Karstadt benötige derzeit keinen Massekredit. Nach ersten Gesprächen mit den Lieferanten erwartet er keine Schwierigkeiten bei der Warenversorgung. Mit den Warenkreditversicherern sei man im Gespräch. Auch sie würden einen Beitrag zur Fortführung leisten. Mit den Vermietern will sich der vorläufige Insolvenzverwalter am kommenden Montag treffen. Die Kunden stünden derzeit zu Karstadt, stellte Görg fest. So liege der Umsatz im Juni leicht über Vorjahr und über dem Plan. Er schloss allerdings nicht aus, dass es im Rahmen der Sanierung zu Filialschließungen und betriebsbedingten Kündigungen kommen wird.

          Sobald die Stabilisierung der Geschäftsabläufe erreicht ist, wollen Görg und sein Team gemeinsam mit dem Vorstand und dem neu eingesetzten Generalbevollmächtigen Horst Piepenburg Eckdaten eines Sanierungskonzeptes entwickeln. Dabei werde man sehen, ob und in welcher Höhe man Beiträge der Anteilseigner zur Restrukturierung der Gruppe benötigt.

          „Bisher nicht mit Eckhard Cordes gesprochen“

          Er sei im übrigen nicht der Ansprechpartner für mögliche Interessenten wie beispielsweise Metro, sagte Görg. Das sei nach wie vor der Vorstand. „Ich habe bisher nicht mit Eckhard Cordes gesprochen und aus der Perspektive meiner speziellen Interessen nicht einmal an ihn gedacht“, sagte er mit Blick auf die Pläne des Metro-Chefs, eine Warenhausallianz aus Karstadt- und Kaufhof-Filialen zu schmieden. Ob Arcandor am Ende des angestrebten Planinsolvenzverfahrens als Ganzes zu retten sein wird, könne er aus heutiger Sicht noch nicht zu abschätzen, sagte der Kölner Anwalt, der sich inzwischen seit zehn Tagen Erkenntnisse über die komplexen Strukturen von Arcandor verschafft.

          Der Arcandor-Vorstand hatte am Dienstag vergangener Woche ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung sowohl für die Obergesellschaft als auch für die Tochtergesellschaften Karstadt, Primondo und Quelle beantragt. In dieser Woche wurde im Nachgang an die Insolvenzen dieser Kerngesellschaften für weitere Unternehmen beim Amtsgericht Essen der Antrag auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die Gesellschaften erbringen vorwiegend Dienstleistungen für die Warenhäuser und Versandhandel von Arcandor. Am Donnerstag mussten nochmals drei Unternehmen, darunter auch der IT-Dienstleister der Arcandor-Gruppe, die Itelium aus Essen, Insolvenz betragen.

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