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Arcandor : Endspiel für Eick

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Viel verdient, aber nichts bewirkt: Eick hat die Hoffnungen enttäuscht Bild: AP

Die Tage von Karl-Gerhard Eick an der Spitze des insolventen Arcandor-Konzerns scheinen gezählt. Anzeichen verdichten sich, dass der Vorstandsvorsitzende mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens am Dienstag seine Position aufgibt.

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          Die Tage von Karl-Gerhard Eick an der Spitze des insolventen Essener Arcandor-Konzerns scheinen gezählt. So verdichten sich die Anzeichen, dass der Vorstandsvorsitzende des Handels- und Touristikkonzerns mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens am nächsten Dienstag seine Position aufgeben wird. Das sei ein guter Termin, um das Amt niederzulegen, heißt es im Unternehmensumfeld.

          Am 1. September wird das Amtsgericht Essen voraussichtlich den bisher vorläufigen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zum offiziellen Verwalter bestellen. Damit würde der Kölner Jurist die Verfügungsgewalt und alle Entscheidungsbefugnisse im Konzern erhalten. Branchenbeobachter zweifeln daher nicht mehr am Weggang Eicks. Dem Vernehmen nach werden aus dem derzeitigen Vorstandskreis nur Stefan Herzberg und Marc Sommer in der Unternehmensführung bleiben. Herzberg verantwortet das Warenhausgeschäft von Karstadt. Sommer, derzeit stellvertretender Vorstandschef, ist für den Versandhandel von Primondo und damit für Quelle zuständig. Die Kenntnisse der beiden würden im Insolvenzverfahren benötigt, heißt es.

          Angedeutet schon Mitte August

          Schon Mitte August hatte Görg auf einer Pressekonferenz in Nürnberg indirekt das baldige Ausscheiden Eicks angedeutet. Görg kann Eick indes nicht selbst absetzen. Denn formal gibt es auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens einer Aktiengesellschaft noch einen Vorstand und einen Aufsichtsrat. Nur dieser kann über das Mandat von Vorstandsmitgliedern beschließen. In dem Fall gilt, dass das Insolvenzrecht nicht das Aktienrecht bricht. Über einzelne Vertragsbedingungen - im Unterschied zum Mandat - entscheidet indessen der Insolvenzverwalter.

          Eick, der zuvor Finanzvorstand der Deutschen Telekom war, hat erst in diesem Frühjahr die Nachfolge des glücklosen Thomas Middelhoff angetreten, und zwar im Auftrag des Hauptaktionärs Sal. Oppenheim. In den drei Monaten, seit die Insolvenz beantragt wurde, hat Eick als Vorstandsmitglied kein Gehalt mehr von Arcandor bezogen. Nur "normale" Arbeitnehmer, nicht aber "Organe" wie ein Vorstandsmitglied, haben Anspruch auf Insolvenzgeld. Sollte Eick bleiben, müsste der finanziell stark gerupfte Konzern mit Eröffnung der Insolvenz die Zahlung an ihn theoretisch wiederaufnehmen, so wie sämtliche Gehälter wieder aus eigener Kasse bestritten werden müssen.

          Eick ist aber gut abgesichert: Bei seiner Bestellung haben ihm die Gesellschafter des Bankhauses Oppenheim eine Gehaltsgarantie für die nächsten fünf Jahre gegeben. So wurde ihm ein jährliches Grundgehalt von 2 Millionen Euro zuzüglich einer variablen Vergütung von einer Million Euro zugesichert. In der vergangenen drei Monaten hat er diese Ansprüche ruhen lassen, wird bestätigt. Oppenheim kommentiert die weitere Vorgehensweise nicht.

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