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Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick : „Adrenalin wie nach drei gehaltenen Elfmetern“

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Solche Kurven machen die Arbeit nicht einfacher: Arcandor-Chef Eick während der Pressekonferenz des Konzerns am 20. April in Düsseldorf Bild: AP

Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick liebt zwar das KaDeWe. Aber der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern muss seine Kräfte konzentrieren. Profitabilität hat jetzt Priorität, auch vor Gesprächen über eine Warenhausallianz mit Kaufhof, stellt er im Gespräch mit der F.A.Z. klar.

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          Arcandor-Vorstandschef Eick liebt zwar das KaDeWe. Aber der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern muss seine Kräfte konzentrieren. Profitabilität hat jetzt Priorität, auch vor Gesprächen über eine Warenhausallianz mit Kaufhof, stellt er im Gespräch mit der F.A.Z. klar.

          Herr Eick, zur Rettung von Arcandor fordern Sie Beiträge aller beteiligten Seiten, selbst vom Staat. Ist Arcandor systemisch?

          Das will ich so nicht sagen. Aber das Unternehmen ist schon von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Deshalb reden wir auch mit der Politik. Wir müssen ausloten, was theoretisch möglich ist, damit wir Geld von den Banken bekommen. Ich weiß nicht, was falsch daran sein sollte. Wir sind schließlich nicht die Einzigen, die nach Unterstützung fragen. Ich schwöre Ihnen, es gibt viele, viele andere, die genau dasselbe machen. Nur das öffentliche Interesse an denen ist nicht so groß. Die Programme sind ja nun einmal vorhanden. Und ich will nichts, was außer mir niemand bekäme.

          Blick von oben in das Atrium des neuen Shopping-Centers Limbecker Platz im Zentrum von Essen. Hier ist Karstadt der größte Mieter.

          An was denken Sie konkret?

          An Bürgschaften. Aber warum nicht auch an eine Unterstützung aus einem Mittelstandsförderprogramm der KfW für Unternehmen in Umstrukturierungen.

          Aber ist das nicht eine Bevorzugung gegenüber dem Wettbewerb?

          Das müssen andere entscheiden. Meine Aufgabe ist es, die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze zu sichern. Dafür müssen wir alles prüfen. That’s it.

          Sie haben soeben angekündigt, dass Sie zur Umsetzung Ihres Restrukturierungsprogramms in den nächsten fünf Jahren einen zusätzlichen Finanzrahmen von 900 Millionen Euro benötigen. Wen wollen Sie mit wie viel in die Pflicht nehmen?

          Ein wesentlicher Teil muss von den Banken, den Vermietern und von den Logistik- und IT-Partnern kommen. Auch die Eigentümer sind gefordert, wobei dies bei der heutigen Börsensituation nicht ganz einfach ist. Aber ich bitte um Nachsicht. Es würde zu weit gehen, hier jetzt Details zu nennen. Wir führen auf all diesen Feldern bereits gute Gespräche.

          Aber mit den Mitarbeitern gibt es Krach. Verdi hat schon angedroht, den im vergangen Jahr geschlossenen Sanierungstarifvertrag aufzukündigen. Dieser soll Ihnen in den nächsten drei Jahren immerhin 345 Millionen Euro an Ersparnis bringen.

          Ich kann verstehen, dass die Menschen frustriert sind. Sie haben durch den Zukunftspakt einen erheblichen Beitrag für die Stabilisierung und Sanierung geleistet. Die Mitarbeiterin an der Kasse oder der Mitarbeiter im Lager haben sich immer gefragt: Was habe ich eigentlich davon? Nun, dann kommt der Eick daher und will die nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten mit 12 500 Beschäftigten in eine neue Einheit einbringen. Man muss mit den Menschen reden und ihnen die Notwendigkeiten erklären. Ich glaube, dass wir weiter gemeinsam wie bisher einen konstruktiven Weg gehen werden. Alles andere wäre ja schädlich, und zwar für alle Beteiligten.

          Bei den Mietkosten liegen Sie wesentlich ungünstiger als der Wettbewerb. Was wollen Sie hier herausholen?

          Die Mieten sind ein Riesenbrocken, vor allem sind das langfristig festgeschriebene Kosten. Hier liegt ein starker Hebel. Karstadt zahlt im Jahr rund 350 Millionen Euro an Mieten. Über die Zeitachse der nächsten fünf Jahre gerechnet, trägt eine Mietreduzierung signifikant zur Entlastung bei.

          Ist das eine der Erblasten? Nur wegen des zugrunde gelegten hohen Mietniveaus konnte Ihr Vorgänger Thomas Middelhoff das Immobilienpaket so teuer verkaufen.

          Ich bin nicht dazu da, die Transaktionen der Vergangenheit zu beurteilen. Aber ich bin dazu da, die Verhältnisse zu ändern. Selbst wenn die Mieten seinerzeit marktüblich gewesen sind, fest steht, dass dies heute nicht mehr der Fall ist. Aber auch hier sind wir zuversichtlich und erhalten dabei Unterstützung von unserem Großaktionär Sal. Oppenheim.

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