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Arcandor-Chef Eick im Interview : „Ohne Bürgschaft ist für Karstadt Schluss“

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Eick: „Natürlich sind wir nicht systemrelevant, so wenig wie Opel” Bild:

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick setzt der Regierung im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Pistole auf die Brust: Millionen her, oder wir schließen unsere Kaufhäuser. Allein der Zusammenschluss mit Kaufhof rettet Karstadt nicht.

          Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick setzt der Regierung im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die Pistole auf die Brust: Millionen her, oder wir schließen unsere Kaufhäuser.

          Herr Eick, löst ein Zusammenschluss mit dem Erzrivalen Kaufhof die Nöte von Arcandor?

          Nein. Voraussetzung für alles Weitere ist eine Bürgschaft des Staates. Nur wenn Karstadt als gesundes Unternehmen überlebt, kann ein solider neuer Warenhauskonzern entstehen.

          Nach Ihrem Treffen mit Metro-Chef Eckhard Cordes am Donnerstag klang es so, als könnte die Gründung einer Deutschen Warenhaus AG den Staat als Retter überflüssig machen.

          Dieser Eindruck ist falsch. Um es klar zu sagen: Es gibt keine privatwirtschaftliche Lösung. Staatshilfe ist ohne Alternative. Erst danach können wir dem anderen ins Auge sehen. Ich lehne jeden Plan ab, der die vorherige Insolvenz von Arcandor unterstellt. Das habe ich Herrn Cordes auch mitgeteilt.

          Das heißt: Sie müssen sich mit ihm erst wieder treffen, wenn die Staatshilfe bewilligt ist?

          Das ist eine Frage der Terminkalender. Klar ist, dass Berlin erste Priorität hat, weitere Gespräche führen wir grundsätzlich nur auf Basis eines gesunden Arcandor. Alle anderen Versuche kann ich mir schenken. Jede Störung, die uns die Zeit stiehlt, ist schädlich.

          Herr Cordes ist also ein Störer?

          Bitte nicht falsch verstehen: Persönlich schätze ich Herrn Cordes sehr, schließlich kenne ich ihn seit der Zeit, als wir den Debis-Deal verhandelt haben, er für Daimler, ich für die Telekom. Nur verfolgt er jetzt seine eigenen Interessen, wittert er die Chance, einen Wettbewerber auszuschalten. Aus seiner Sicht eine logische Sache.

          Seine Taktik zielt auf die Pleite von Arcandor, um sich dann aus der Konkursmasse zu bedienen?

          Das ist Ihre Interpretation. Der möchte ich nicht widersprechen. Im Falle der Insolvenz holt sich Kaufhof einzelne Häuser. Dann gibt es kein Karstadt mehr.

          Die Regierung schreckt dies offenbar nicht: Die Neigung, Ihnen mit Steuergeldern zu helfen, ist begrenzt.

          Darüber gibt es keine abschließende Meinung, manche in Berlin sind dafür, andere dagegen, wieder andere unentschieden.

          Maßgeblich ist der Wirtschaftsminister. Aus seinem Haus ist klare Ablehnung zu hören: Karstadt sei ein Fall von Managementversagen und deshalb nicht vom Staat zu retten.

          Woher haben Sie diese Erkenntnisse? Mir hat das niemand so erzählt. Zudem wird die Staatshilfe nicht freihändig verteilt, nach Stimmungen, sondern gemäß klarer Regeln. Wir haben mit unseren Banken den Antrag auf eine Bürgschaft gestellt. Den begutachten jetzt die Wirtschaftsprüfer von PWC, auf der Basis tagt dann der Bürgschaftsausschuss.

          Voraussetzung für eine Bürgschaft ist, dass die betreffende Firma frühestens im Sommer 2008, nach Ausbruch der Krise, in Schwierigkeiten geraten ist. Die Probleme von Karstadt sind viel älter.

          Da müssen wir differenzieren, von welchen Problemen wir reden: Natürlich hatten wir trotz Fortschritten operative Schwächen, da machen wir kein Hehl daraus. All dies haben wir angepackt. Was uns jetzt die Luft nimmt, ist die Finanzkrise. Vor anderthalb Jahren hätte ich leichtes Spiel gehabt, für unser Konzept eine Finanzierung im Markt zu holen. Die Zeiten haben sich dramatisch geändert: Wir haben heute keinen Zugang zum Kapitalmarkt, eben wegen der Krise.

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