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Arbeitsplätze : Die Lage des Stellenmarkts wird trostloser

Bild: F.A.Z.

Die Krise wirkt sich immer deutlicher auch am Arbeitsmarkt aus. Immer mehr Unternehmen kündigen Entlassungen an: im September zum Beispiel die Bahn 6000, Opel im Inland 4100, Quelle 3100 und Heidelberger Druck 2500 Stellen. Einige Branchen klagen aber über Fachkräftemangel.

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          Die Krise am deutschen Arbeits- und Stellenmarkt spitzt sich zu. Zwar berichten viele Unternehmen davon, dass der freie Fall der Auftragseingänge aus den ersten Monaten des Jahres inzwischen verlangsamt oder gar gestoppt werden konnte. Und manche berichten seit Juni wieder von leicht steigenden Auftragseingängen. Aber dass das Auftragsloch – das bei vielen Unternehmen hoch zweistellig ausgefallen ist – kurzfristig gestopft werden könnte, glaubt fast niemand mehr. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass erst in den Jahren 2013, 2014 oder bei manchen gar erst 2015 wieder jene Umsatzhöhen erreicht werden, wie man sie in den Jahren 2007 und 2008 verbuchen konnte. So lange kann man aber keine Leerkapazitäten vorhalten.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Diese Entwicklung hat für viele Mitarbeiter schlimme Folgen. Es werden Arbeitsplätze abgebaut. Noch wird durch Kurzarbeit vieles überbrückt. Das bestätigte auch die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit bei der Vorlage ihrer jüngsten Zahlen in der vergangenen Woche.

          Jeder fünfte in Großunternehmen arbeitet kurz

          In den deutschen Großunternehmen arbeitet derzeit im Durchschnitt jeder fünfte Mitarbeiter kurz. Der Umfang der Arbeitszeitreduzierung liegt meist zwischen 20 und 40 Prozent. Es gibt aber auch, beispielsweise im Werkzeugmaschinenbau, nicht wenige Unternehmen, in denen inzwischen nur noch an ein oder zwei Tagen in der Woche gearbeitet wird. Die Branche blickt daher mit Spannung auf ihre größte internationale Messe, die derzeit in Mailand läuft. Aber selbst wenn durch neue Bestellungen das Auftragspolster wieder etwas dicker wird, ist nicht davon auszugehen, dass alle Kurzarbeiter wieder schnell zur Vollbeschäftigung zurückkehren können.

          Über Fluktuation und Einstellungsstopps wird allerorten versucht, ohne Entlassungen auszukommen. Selbst der große Automobilzulieferer Schaeffler will versuchen, Personalkosteneinsparungen im Volumen von 4500 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen. Aber längst hat eine Entlassungswelle eingesetzt, die weiter – und mit zunehmender Geschwindigkeit – anschwillt. Die vierteljährliche Auswertung der öffentlich angekündigten Stellenstreichungen oder Neueinstellungen durch das Archiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt, dass im dritten Quartal nur zwei Unternehmen in nennenswertem Umfang Neueinstellungen angekündigt haben.

          Aufwärts im Hanauer Versandhaus Schwab

          Das war zum einen das zur Otto-Gruppe gehörende Hanauer Versandhaus Schwab. In einem neuen Zentrallager im hessischen Langenselbold plant die Schwab GmbH die Schaffung von mehreren hundert neuen Arbeitsplätzen. Das Gesamtprojekt umfasst nach Firmenangaben ein Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro, um vom Sommer 2010 an dort für myToys.de die Lagerung und Konfektionierung aller Waren des Spielzeug- und Kinderbekleidungsanbieters mit Sitz in Berlin zu übernehmen. 2010 soll das neue Zentrallager in Betrieb genommen werden. Der Baubeginn ist für diesen Sommer geplant. Drei weitere Bauabschnitte folgen, bis dann rund 500 Menschen in dem Lager in Langenselbold beschäftigt sein sollen.

          Der zweite nennenswerte Stellenschaffer der vergangenen drei Monate war der Bonner Solarkonzern Solarworld. Er kündigte vor wenigen Tagen an, die Produktionskapazität für Solarstrommodule im sächsischen Freiberg bis Ende 2010 auf 450 Megawatt verdreifachen zu wollen. Gemeinsam mit einem Ausbau der Waferfertigung in Freiberg schaffe das Unternehmen damit mehr als 500 neue Arbeitsplätze in der Region, hieß es. Solarworld wollte die Entscheidung als „klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“ gewertet wissen. Den Mitbewerber Q-Cells dagegen zieht es nach Asien. Er baut deshalb 500 Stellen in Deutschland ab.

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