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Arbeitsmarkt Messen : Verkaufen als neue Herausforderung

Bei so vielen Besuchern ist Organisationstalent gefragt Bild: dpa

Das Anforderungsprofil an Messe-Mitarbeiter hat sich gewaltig gewandelt. Früher war Organisationstalent gefragt, heute werden hervorragende Verkäufer mit internationaler Erfahrung gesucht.

          „Ein Praktikum in Amerika reicht uns nicht.“ Da ist Claus Rättich, Mitglied der Geschäftsleitung der Nürnberg Messe GmbH, ganz hart. Selbst der Controller einer mittelgroßen deutschen Messegesellschaft müsse heute in der Lage sein, Fehler in Schanghai aufzudecken. Um wie viel sprachgewandter muss der Verkäufer oder Organisator einer Messe in Dubai sein.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Und heute sind selbst die kleineren Messegesellschaften auch alle im Ausland aktiv. „Messegesellschaften bieten daher eher Aufgaben für Quereinsteiger mit Berufserfahrung in anderen Branchen als für Hochschulabsolventen“, sagt Rättich. Das Anforderungsprofil an die Mitarbeiter habe sich gewaltig gewandelt (lesen sie dazu Messe-Manager: Für Quereinsteiger in die weite Welt).

          Früher sei bei deutschen Messegesellschaften vor allem Organisationstalent gefragt gewesen. Heute braucht selbst eine kleine Messegesellschaft hervorragende Verkäufer mit internationaler Erfahrung und möglichst guten Kenntnissen aus den Branchen, für die Messen organisiert werden. „Wir suchen gute Verkäufer mit Branchenkenntnissen und mit Organisationstalent“, fasst Sepp Heckmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, Hannover, die Forderungen an Messemitarbeiter zusammen.

          Soziale Kompetenz und Sprachenkompetenz wichtig

          Leicht seien diese Leute nicht zu bekommen, bestätigen Heckmann und Rättich. Denn ein guter Verkäufer habe kaum einen Grund zu wechseln; schon gar nicht in eine Branche, die weitgehend aus Unternehmen in öffentlich-rechtlichem Eigentum besteht. Dort wird es der Quereinsteiger schwer haben, seinen bisherigen variablen Gehaltsbestandteil von 40 Prozent auch weiterhin zu beziehen.

          Das zweite Hindernis für Interessenten aus der Industrie sei die Umstellung von einer produktionsorientierten Welt in die eines reinen Dienstleisters, bei dem soziale Kompetenz und Sprachenkompetenz ganz oben auf der Anforderungsskala stehen. Drittens scheuten viele potentielle Kandidaten vor dem angeblichen Branchenwechsel. Aber das sei ein Irrtum. „Wer aus der Industrie zu uns kommt, wechselt nicht die Branche, er arbeitet in der gleichen Branche nur für ein anderes Produkt“, betont Rättich.

          Es ist nicht leicht, zurückzukehren

          Die Messen brauchen aber nicht nur Verkaufstalente, auch in den zuarbeitenden Bereichen wie der IT (Informationstechnik), der Telekommunikation oder dem Bereich M & A (Beteiligungen und Übernahmen) suchen viele Messegesellschaften Mitarbeiter. Es wird nur selten wahrgenommen, dass gerade in der Messebranche sehr viele Veranstaltungen gekauft werden, und Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Veranstaltungsübernahmen eher zunehmen wird.

          Nach einem guten Messejahr 2006 und den guten Aussichten für 2007 sind die Messegesellschaften verstärkt auf Mitarbeitersuche. Für wechselwillige Interessenten scheint das eine gute Gelegenheit. Allerdings ist es nicht leicht, zurückzukehren. Wer die Messegesellschaft verlasse, wechsele nur selten in die Industrie zurück, sondern mache sich in der Regel als Berater selbständig, weiß Rättich aus Erfahrung.

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