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Arbeitsmarkt : IT-Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften

Bild: reuters

Die Spitzenmanager der großen deutschen IT-Unternehmen sind sich einig: Die Industrie wächst. Um die Wachstumschancen zu wahren, müssen die entstehenden Stellen auch besetzt werden können. Dazu müsse die Ausbildung in den Unternehmen forciert und mehr Frauen an den Universitäten ausgebildet werden.

          „Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte. Wir brauchen hierzulande in Zukunft einfach mehr hochqualifizierte IT-Fachkräfte.“ Peter Baur, Vorstandsvorsitzender des Chipherstellers Infineon AG, sagt das; Jim Hagemann Snabe, Vorstandschef von Europas größtem Softwareanbieter SAP, sagt das; und Karl-Heinz Streibich, der starke Mann der schnell wachsenden Darmstädter Software AG, sagt das auch.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Spitzenmanager der großen deutschen Unternehmen aus der Informationstechnologie (IT) sind sich da auf ihrem Branchentreff in Dresden am Dienstag einig gewesen. „Unsere Industrie wächst, die Unternehmen stellen ein, und wenn wir unsere Wachstumschancen in den kommenden Jahren wahren wollen, dann müssen wir die Stellen, die da entstehen, auch besetzen können“, sagte René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom.

          Und diese Arbeitsplätze sind nicht wenig: Während Deutschlands IT-Branche für die kommenden Jahre einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag als Investitionen etwa in neue Infrastruktur wie Breitbandnetze anpeilt, sollen nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom allein in der deutschen Softwareindustrie über die kommenden zwei Dekaden knapp eine halbe Million neuer Arbeitsplätze entstehen. Die gesamte IT-Industrie beschäftigt in Deutschland derzeit 843.000 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr sind trotz der Krise und Nachfrageschwäche auf den internationalen Märkten 9000 Arbeitsplätze vor allem im Bereich der IT-Dienstleistungen entstanden.

          Die Deutsche Telekom hat nach eigenen Angaben derzeit 13 000 Ausbildungsplätze

          Mehr Frauen an den Universitäten ausbilden

          Grund war die hohe Nachfrage deutscher Kunden wie Auto- und Maschinenbauer. So erlösten die IT-Unternehmen in Deutschland mit insgesamt fast 65 Milliarden Euro einen Rekordbetrag. Dabei wuchsen Anbieter wie die Software AG schneller als der Markt. Der Chiphersteller Infineon kehrte nach mehreren schwierigen Jahren wieder auf die Erfolgsspur zurück. SAP kam rascher und weniger gebeutelt durch die Krise als von vielen Analysten erwartet. „Das Thema Fachkräfte ist nun ein Dauerbrenner“, sagte August-Wilhelm Scheer, Präsident des Branchenverbandes Bitkom.

          Um die rasch wachsende Zahl der Arbeitsstellen besetzen zu können, muss seinen Worten nach einerseits die Branche ihre Hausaufgaben machen. Dazu zählt Scheer, die Ausbildung in den Unternehmen zu forcieren sowie mehr Frauen an den Universitäten auszubilden und dann in den IT-Firmen auch einzustellen. Allein die Deutsche Telekom hat nach eigenen Angaben derzeit 13.000 Ausbildungsplätze. Die Zahl der IT-geschulten Absolventen von deutschen Hoch- und Fachschulen beläuft sich auf momentan 18.000 im Jahr. Das reiche aber nicht aus, um den künftigen Bedarf an Fachkräften zu befriedigen. Daher müsse andererseits die Politik die Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland erleichtern. „Ich habe nicht den Eindruck, dass Fachleute aus Indien darauf warten, nach Deutschland zu kommen“, sagte Scheer. „Die gehen doch lieber nach Amerika.“ Um an junge, talentierte Mitarbeiter aus dem Ausland zu kommen, müsse die deutsche Politik rechtliche Hürden senken. „Etwa die Einkommensschranke: Die sind mit einem Jahresverdienst von mindestens 60.000 Euro für ausländische Fachkräfte in Deutschland einfach zu hoch“, sagte er.

          Virtuelles Netzwerk für für hochtalentierte IT-Studenten

          Infineon-Chef Bauer sagte: „Wenn wir jetzt nicht die richtigen Weichen stellen, werden wir an Wachstumskraft einbüßen.“ Da IT sehr innovationsgetrieben sei, müsse die Politik mehr als bisher tun, um Forschung und Entwicklung im Land zu halten. „Wir müssen als Unternehmen forschen, und wir wollen als Infineon auch in Deutschland forschen.“ Doch dafür müssten die Bedingungen hierzulande verbessert werden. Bitkom-Chef Scheer erklärte, dafür könnten die Ausgaben in den Unternehmen für Forschung und Entwicklung steuerlich begünstigt werden - so wie in Österreich, Frankreich oder den Niederlanden.

          Unternehmen wie SAP, die Software AG, Bosch oder Siemens gingen auf dem IT-Gipfel noch einen Schritt weiter, als nur nach erleichterter Zuwanderung von Fachkräften und Forschungsförderung des Staates zu rufen. Um die nächste Generation ihrer Spitzenmanager zu schulen, hoben sie ein virtuelles Netzwerk für hochtalentierte IT-Studenten von deutschen Hochschulen für eine studienbegleitende Managementausbildung in ihren Konzernen aus der Taufe. „Wir versprechen uns sehr viel von diesem Software Campus und der hier ausgebildeten neuen deutschen IT-Elite“, sagte SAP-Chef Snabe.

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