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Arbeitskampf : Lufthansa will gegen Pilotenstreik vorgehen

Piloten im Streik, Jets am Boden - so wird es nächste Woche sein Bild: dpa

Der angekündigte 4-Tage-Streik dürfte die Fluglinie mit 100 Millionen Euro belasten. Der Vorstand geißelt den Arbeitskampf der Piloten als überzogen, lehnt die Forderung nach Mitsprache ab und prüft juristische Schritte.

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          Der Konflikt zwischen der Deutschen Lufthansa und der Vereinigung Cockpit (VC) gewinnt an Schärfe. Stefan Lauer, Personalvorstand der deutschen Fluglinie, hält die für kommende Woche angekündigten Streiks der Piloten-Gewerkschaft für rechtswidrig. Gegenwärtig prüften die Juristen des Konzerns die Rechtslage und zögen dabei auch Forderungen auf Schadenersatz in mehrstelliger Millionenhöhe in Betracht.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein flächendeckender Arbeitskampf über 4 Tage, den die VC am Mittwoch für die Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und German Wings ankündigte, steht nach Auffasung Lauers nicht mehr im angemessenen Verhältnis zu den damit verbundenen Forderungen. „Er ist das schärfste Mittel in der wirtschaftlich schwächsten Phase der Luftfahrt und trifft die Lufthansa an einem heiklen Punkt“, sagte Lauer. Sein Vorstandskollege Christoph Franz, der den Geschäftsbereich Passage steuert, bezifferte Folgekosten und Geschäftsausfall in der kommenden Streikwoche auf mindestens 100 Millionen Euro. Falls es bei der ersten Streikwelle von 4 Tagen bleibt, brauche die Gesellschaft abermals bis zu 4 Tage, um einen normalen Geschäftsbetrieb zu gewährleisten.

          Lufthansa: Es geht um Einfluß, nicht um Geld

          Die Forderung von VC, die Gehälter ihrer Mitglieder um 6,4 Prozent über eine Laufzeit von einem Jahr zu erhöhen, wurde nach den Worten Lauers nur aus formaljuristischen Gründen erhoben, um das übliche Procedere bei Tarifverhandlungen einzuleiten und so die erforderliche „Streikfähigkeit“ zu erreichen. „Tatsächlich jedoch geht es vom Inhalt her keineswegs um Geld, sondern um unternehmerische Einflußnahme und die Mitsprache bei strategischen Entscheidungen“, stellt der Lufthansa-Vorstand klar. Das sei ein elementarer Unterschied gegenüber dem Pilotenstreik von 2001, als die VC-Mitglieder über Streiks eine Anhebung ihrer Jahresgehälter um 20 Prozent auf durchschnittlich rund 180 000 Euro durchdrückten.

          Der Konflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten gewinnt an Schärfe

          Die Piloten-Gewerkschaft fürchtet um Besitzstände und Arbeitsplätze, weil die Führung der Gesellschaft immer mehr Flüge an kostengünstigere Tochtergesellschaften wie Cityline, Eurowings oder Air Dolomiti überträgt oder aber neue Fluggesellschaften im Ausland gründet. Hier richtet sich das Augenmerk der VC auf „Lufthansa Italia“, deren Maschinen zwar noch von deutschen Cockpit-Besatzungen gesteuert, aber in naher Zukunft womöglich durch Piloten von Air Dolomiti ersetzt werden: Da sich die Löhne der italienischen Kollegen um bis zu einem Drittel unter dem Salär der Lufthansa-Piloten bewegten, werde der Konzern-Tarifvertrag so schleichend ausgehölt“, lautet der Vorwurf der VC.

          Ein weiterer Knackpunkt des Streits ist die Frage, wo die Lufthansa künftig größere Regional-Flugzeuge einsetzen darf. Nach bisheriger Absprache zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaften dürfen Maschinen mit mehr als 70 Sitzplätzen nur von Lufthansa-Piloten geflogen werden. Lauer und Franz sind solche Restriktionen ein Dorn im Auge. Denn um ihre Regionalgesellschaften wie Cityline oder Eurowings profitabel zu betreiben, sollen dort größere Maschinen mit bis zu 110 Sitzplätzen der Hersteller Bombardier und Embraer zum Einsatz kommen. Beharrt die VC weiter auf ihren starren Lohnvorgaben, würden die erreichten Stückkosten-Vorteile in der Flotte von Cityline und Eurowings nahezu komplett aufgezehrt.

          Mitsprache bei strategischen Entscheidungen ausgeschlossen

          Trotz der wirtschaftlich angespannten Lage sind Lauer und Franz bereit, „vernünftige Vereinbarungen zum Schutz der Arbeitsplätze“ zu treffen. Die gleichzeitig geforderte Mitsprache bei strategischen Entscheidungen schließen beide kategorisch aus. „Wir brauchen unternehmerische Freiheit, um auf die Folgen der Luftfahrtkrise flexibel zu reagieren“, sagte Franz, der als stellvertretender Vorstandsvorsitzender den Lufthansa-Konzernlenker Wolfgang Mayrhuber spätestens im Apri 2011 beerben soll. Um die scharfen Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis auszugleichen, müssen die Fixkosten bis 2011 um 1 Milliarde Euro sinken, lautet die Vorgabe von Franz.

          Stau der Kraniche

          Rund 390 Abflüge täglich stehen bei der Lufthansa kommende Woche in Frankfurt auf dem Programm. Der Streik wird also zu einem „beeindruckenden Auflauf von Lufthansa-Flugzeugen führen“, wie es von der Fluggesellschaft leicht verbittert heißt. Wie viel Flugzeuge in Frankfurt geparkt werden müssen, vermag sie noch nicht zu sagen. Theoretisch könnten 30 bis 40 Prozent der Flüge von Piloten nicht streikender Tochtergesellschaften übernommen werden. Zudem werden am Montag Flugzeuge, die von außerhalb kommen, erst gar nicht losfliegen. Der Flughafenbetreiber Fraport versichert jedenfalls, dass die übrigen Fluggesellschaften von dem Streik nicht oder nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Frankfurt biete 211 Flugzeug-Parkpositionen, zudem gebe es einige Notpositionen. (hap.)

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