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Arbeitskampf bei AEG : „Streik sehr lange und bis zum Äußersten“

  • Aktualisiert am

Aufgeheizte Stimmung in Nürnberg Bild: AP

Mit der Frühschicht sind in Nürnberg die 1700 Mitarbeiter des AEG-Werks in einen unbefristeten Streik getreten. „Ziel bleibt der Erhalt des Standorts. Das ist das eigentliche Ziel.“

          2 Min.

          Das AEG-Hausgerätewerk in Nürnberg wird seit den frühen Morgenstunden des Freitag bestreikt. Mehrere hundert Beschäftigte der Frühschicht versammelten sich um 6 Uhr vor den Werkstoren und verlangten von dem AEG-Mutterkonzern Electrolux einen angemessenen Sozialtarifvertrag.

          Vor das Eingangsgebäude hatten Mitarbeiter ein Transparent mit der Aufschrift „Dieser Betrieb wird bestreikt“ gespannt. Auf Spruchtafeln hieß es „AEG Nürnberg muß bleiben“. Rund 600 Mitarbeiter zogen mit Trillerpfeifen, Plakaten und Trommeln zum Werkstor. Weder solle ein ein Lkw auf das Werksgelände fahren, noch solle eine Waschmaschine das Gelände verlassen, sagte Betriebsratschef Harald Dix. „Der Streik wird in die Geschichte eingehen“, betonte er vor dem Heer der AEG-Beschäftigten. Wie lange die Bänder still stehen werden, sei völlig offen. „Die Kassen der IG Metall sind gut gefüllt, es kann sich in die Länge ziehen“, fügte Dix hinzu.

          Unterstützung haben die AEG-Mitarbeiter von rund 40 Kollegen aus dem Münchener Infineon-Werk bekommen. Allerdings hat die IG Metall hat einen ZDF-Bericht dementiert, nach dem die Beschäftigten des Infineon-Werks in den Streik getreten sind. „Es sind Kollegen, die ohnehin frei haben oder sich Urlaub genommen haben, nach Nürnberg gefahren, um die Streikenden bei AEG zu unterstützen. Die Arbeit im Infineon-Werk läuft ganz normal“, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Im Herbst vergangenen Jahres hatten Infineon-Beschäftigte den Betrieb im Werk in München-Perlach, das ebenfalls kurz vor der Schließung steht, für eine ganze Woche lahmgelegt.

          „Ziel bleibt der Erhalt des Standorts“

          Für den stellvertretenden IG-Metall-Vorsitzenden Berthold Huber geht es bei dem Streik in erster Linie um eine Verhinderung der geplanten Werksschließung. „Ziel bleibt der Erhalt des Standorts. Das ist das eigentliche Ziel“, sagte er bei einer Kundgebung am Freitagmorgen vor dem Werkstor. Auch der AEG-Betriebsratsvorsitzende Harald Dix forderte eine Rücknahme des Schließungsbeschlusses.

          Huber kündigte zugleich die Entschlossenheit der streikenden AEG-Beschäftigten und der IG Metall an. „Wir werden diesen Streik sehr lange und bis zum Äußersten führen, bis wir ein akzeptables Ergebnis bekommen“, unterstrich er. Die Haltung des AEG-Mutterkonzerns bezeichnete er als Willkür. „Hier in Nürnberg kann man sehen, wie ein rücksichtloser Kapitalismus über das Schicksal von Tausenden von Menschen hinweg geht“, kritisierte er.

          Der bayerische IG Metall-Chef Werner Neugebauer erklärte, er rechne mit einem mehrwöchigen Ausstand. Der betriebliche Streikleiter Harald Dix geht davon aus, daß der schwedische Electrolux-Konzern die Auswirkungen des Ausstands nach zwei bis drei Wochen massiv zu spüren bekommt.

          Mit dem Arbeitskampf wollen die Beschäftigten ihre Forderung nach einem Sozialtarifvertrag durchsetzen. Electrolux hatte entschieden, das Werk mit rund 1700 Beschäftigten aus Kostengründen Ende 2007 zu schließen. Waschmaschinen und Geschirrspüler sollen dann billiger in Italien und Polen hergestellt werden.

          Verhandlungen über einen Sozialplan zwischen der IG Metall und den Arbeitgebern waren vergangenen Woche bereits in der zweiten Runde gescheitert. Daraufhin hatten sich die in der IG Metall organisierten AEG-Beschäftigten mit mehr als 96 Prozent für einen Streik ausgesprochen.

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