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Fragwürdige Arbeitsbedingungen : Ist Zalando übergriffig?

Der Zalando-Vorstand mit Mitarbeitern beim Börsengang 2015 Bild: Wolfgang Eilmes

Der Online-Modehändler Zalando setzt eine Software ein, mit der sich Mitarbeiter bewerten können. Die Gewerkschaft Verdi moniert den Einsatz als „arbeitnehmerfeindlich“ und stützt sich auf eine Studie von Wissenschaftlern. Doch die widersprechen nun.

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          Der Online-Modehändler Zalando sieht sich erheblicher Kritik an seinen Arbeitsbedingungen seitens der Arbeitnehmervertreter ausgesetzt. Die Gewerkschaft Verdi moniert den Einsatz einer Software, mit der sich Mitarbeiter von Europas größtem Modehändler gegenseitig bewerten können. Die Software mit dem Namen Zonar sei „übergriffig, arbeitnehmerfeindlich und datenschutzrechtlich höchst problematisch“, teilte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Mittwoch mit.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gewerkschaft stützt ihre Kritik auf eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die den Einsatz der Software untersucht hat. Von der Stiftung heißt es, Zonar stehe für ein „sehr umfassendes, quasi panoptisches System der Leistungskontrolle“. Das Betriebsklima leide unter dem Einsatz der Software, der Stress nehme zu. Zudem bestünden Zweifel, ob der Datenschutz eingehalten werde.

          Ihre Informationen zur Situation im Unternehmen bezog die Studie aus Interviews mit zehn Zalando-Beschäftigten. Zudem wurden zwei Gruppendiskussionen mit fünf und acht Beschäftigten durchgeführt, die zum Teil mit den zehn gesondert Interviewten identisch waren. Als dritte Datenquelle wurden Präsentations- und Schulungsunterlagen zu der Software ausgewertet.

          Gespräche mit den Verantwortlichen von Zalando fanden nicht statt – wie die Forscher kritisieren, weil das Management entsprechende Anfragen abwies. Auf F.A.Z.-Anfrage bestätigten die beteiligten Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität, dass sich aus ihrer Studie nur sehr bedingt generalisierbare Aussagen zu den Auswirkungen von Zonar auf die Zalando-Belegschaft ableiten ließen.

          „Keine qualitative Studie kann jemals generalisierbare Aussagen produzieren und unsere Befunde sind in vielerlei Weise in ihrer Reichweite/Generalisierbarkeit eingeschränkt“, schrieb Autor Philipp Staab. „Die Fallzahl ist kleiner als wir es uns gewünscht hätten und wichtige Datenquellen (Management) fehlen aus benannten Gründen.“ Wo die Datengrundlage nicht ausreiche, formuliere man in der Studie gezielt vorsichtig. Die Gewerkschaften scheint das nicht gestört zu haben.

          Auch Zalando kritisierte die Datengrundlage der Studie. Das Unternehmen beschäftige 14.000 Mitarbeiter, mehr als 5000 davon nähmen an der gegenseitigen Bewertung durch Zonar teil. Damit verglichen sei die Zahl der Mitarbeiter, die für die Studie befragt worden seien, sehr klein, hieß es vom Unternehmen. „Sehr gute Arbeitsbedingungen und die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter haben für uns bei Zalando oberste Priorität“, sagte eine Sprecherin. In internen Befragungen sagten 67 Prozent der Mitarbeiter, dass sie Zalando als guten Arbeitgeber weiterempfehlen würden.

          Die Software Zonar sei ein Element des sogenannten 360-Grad-Feedbacks, mit dem sich Mitarbeiter aus allen Quellen, von Vorgesetzten ebenso wie von Kollegen und Mitarbeitern aus anderen Abteilungen, mit denen sie zusammenarbeiteten, Rückmeldungen einholen könnten. Die Software entspreche den gesetzlichen Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung.

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