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Aquaponik : Ist das die Fischzucht der Zukunft?

  • -Aktualisiert am

Buntbarsch in der Berliner ECF Farm Bild: Matthias Lüdecke

Fische und Pflanzen umweltfreundlich in einem Kreislauf züchten: Zwei Berliner Unternehmen zeigen, wie das geht.

          2 Min.

          Der Hunger auf der Welt nach Fisch ist groß – die Fischpopulation schrumpft. Helfen könnte Fisch aus Aquakultur. Für die kontrollierte Aufzucht in einer Aquakultur ist der African Catfish, auch Afrikanischer Raubwels genannt, besonders geeignet. Seinen Verzehr empfehlen WWF und Greenpeace. Die Topfarmers GmbH aus Berlin züchtet unter dem Namen Stadtfarm den Afrikanischen Raubwels in einem Ökokreislauf zusammen mit Salat und Gemüse. Bei diesem als Aqua-Terra-Ponik bezeichneten System wird das durch die Hinterlassenschaften der Fische verunreinigte Wasser für die Düngung der Pflanzen eingesetzt und fließt dann zurück ins Aquarium.

          Nach einem ähnlichen Konzept arbeitet in Berlin die ECF Farm. Dort werden vor allem Buntbarsch und Basilikum gezüchtet und in Supermarktketten in Berlin verkauft. „In unserem Aquaponik-System haben wir zwei Kreisläufe, einen für die Fische und einen für die Pflanzen. Diese sind aneinander gekoppelt“, sagt Christian Echternacht, einer der Gründer der ECF Farmsystems GmbH.

          Das Wasser aus der Aquakultur mit den flüssigen Ausscheidungen der Fische wird mit Dünger angereichert, fließt in den Kreislauf der Pflanzen und wird so ein zweites Mal genutzt. Ein Rückfluss in das Aquarium ist aufgrund des Hinzudüngens nicht möglich. Die Pflanzen gedeihen als Hydrokulturen. „Was wir uns aus Überzeugung auch komplett sparen, sind Gentechnik und Antibiotika“, heißt es von ECF Farm.

          Natürlicher Dünger

          Im Unterschied dazu handelt es sich bei der Aqua-Terra-Ponik von Stadtfarm um einen einzigen, geschlossenen Kreislauf, dem nur Fischfutter und Wasser zugegeben werden. Das 28 Grad warme Wasser mit den Ausscheidungen der Fische wird zunächst zum Entfernen der Schwebstoffe über mechanische Filter geleitet. Bakterien wandeln das im Wasser gelöste Ammonium in natürlichen Dünger um. Das Wasser gelangt nun in die Pflanzenerde, in der sich die Nährstoffe absetzen und von Gemüse, Salat und Kräutern aufgenommen werden.

          Anschließend fließt das gereinigte Wasser zurück zu den Fischen. Auf Hormone, Antibiotika, Pestizide und Herbizide kann verzichtet werden. Laut Stadtfarm werden im Aqua-Terra-Ponik-System, verglichen mit der konventionellen landwirtschaftlichen Erzeugung, 80 Prozent des Wasserbedarfs, 80 Prozent des Flächenverbrauchs und 85 Prozent des CO2(-Äquivalent)-Ausstoßes gespart.

          In Deutschland befassen sich nach Angaben des Bundesverbands Aquaponik gut dreißig Einrichtungen mit Aquaponik. Stadtfarm geht davon aus, dass sie als einzige auf der Welt in kommerziellem Maßstab das Wasser im geschlossenen Kreislauf führen. Man produziere jährlich rund 50 Tonnen Fisch und 30 Tonnen Salat, Kräuter, Tomaten und Gurken, aber auch exotisches Obst und Gemüse. Die Produkte werden zu Räuchercreme, Fischbällchen, Pesto oder Ketchup verarbeitet. Abnehmer sind Privatkunden, Einzelhandel und Gastronomie.

          Auslieferung von Salaten

          So steht das Räucherfilet von Stadtfarm auf der Karte des Novotel Berlin auf der Fischerinsel. Mittagssalate werden mit dem Rad zu Privatkunden und Büros gebracht. Nicht verkaufte Ware wird weiterverarbeitet. „Salate können als Smoothies eingefroren werden, Kräuter und Gemüse werden zu Soßen und Pestos“, sagt Anne-Kathrin Kuhlemann, Geschäftsführerin von Topfarmers. Im Online-Shop kosten 200 Gramm Filet des African Catfishs 4,40 Euro und 200 Gramm Räucherfisch 5,99 Euro.

          Die Stadtfarm im Landschaftspark Herzberge in Berlin hat 2017 eröffnet. Auf der Fläche ist ein Umsatz von gut 500 000 Euro jährlich möglich, sagt die Geschäftsführerin. Im Aufbaujahr 2018 wurde dies noch nicht ganz erreicht. Man hat sich das Ziel gesetzt, mit Partnern in den nächsten zehn Jahren 100 Stadtfarmen an den Start zu bringen. Auch ECF-Farmsystems ist optimistisch. Zu den schon bestehenden Anlagen in Brüssel und Bad Ragaz in der Schweiz sei eine weitere in Deutschland in Planung, sagt Echternacht.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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