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Apples Tablet-Computer : Das Wundergerät wird in Shenzhen produziert

China kann mehr: Straßenszene aus Shenzen Bild: REUTERS

Jeder kennt Steve Jobs. Er liebt den großen Auftritt. Der wahre Hersteller des Tablet-Computers von Apple versteckt sich lieber. Foxconn baut schon das E-Book-Gerät von Amazon, Mac-Computer und Notebooks von HP - im Süden Chinas.

          3 Min.

          Es ist ein Hype ohnegleichen: Die gesamte Computerwelt blickt gespannt nach Kalifornien, wo Apple-Chef Steve Jobs das neue Supergerät seines Hauses vorstellt: Einen Tablet-PC mit großem Touchscreen, der die Medienbranche umkrempeln soll. Ein Gerät, das zwischen 499 und 829 Dollar kosten und im Frühjahr in den Handel kommen wird. Während alle Welt vor der Präsentation in Amerika über die Optik des neuen Apple rätselte, wusste man in der südchinesischen Stadt Shenzhen schon mehr: Dort wird der neue Wundercomputer produziert.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          In Shenzhen hat der taiwanesische Elektrokonzern Foxconn eine der größten Fabriken der Welt geschaffen, in der Handys, Computer und Spielkonsolen gebaut werden. Fast 250.000 Menschen arbeiten auf dem Werksgelände, heißt es. Arbeiter schlafen in Sälen mit bis zu hundert Menschen in Etagenbetten. Sechs Tage in der Woche arbeiten sie, ein Monatslohn von rund 200 Euro gilt als üblich.

          Ein neues Kultprodukt

          Foxconn, ein Unternehmen, dessen Namen öffentlich so gut wie niemand kennt, produziert mittlerweile so gut wie alles, was bekannte Markenunternehmen auf dem Weltmarkt verkaufen: Das E-Book-Gerät von Amazon, der Kindle, gehört ebenso dazu wie Mac-Computer und Notebooks von HP. Das Apple-iPhone und Smartphones von Nokia ebenso wie die Flachbildfernseher von Sony. Jetzt also kommt mit dem Apple-Tablet-PC ein neues Kultprodukt hinzu. Auf den neuen Designcomputer mit einem Display aus gehärtetem Glas setzt nicht nur Apple seine Hoffnungen. Foxconn-Chef Terry Gou will sein Unternehmen damit als Produzenten für alles, was weltweit gängig ist, fest am Markt verankern.

          Seinen Aufstieg zum mittlerweile weltweit größten Auftragsfertiger für Handys, Zubehör und Computer verdankt der taiwanesische Unternehmer dem kommunistischen Regime der Volksrepublik. Als China in den 80-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Sonderwirtschaftszone Shenzhen für Investoren aus dem Ausland öffnete, wartete Gou nicht lange ab. Kultur und Sprache waren weitgehend dieselben wie in Taiwan, die Arbeits- und Produktionskosten aber deutlich niedriger. Millionen extrem billiger Arbeitskräfte warteten nur darauf, für die neuen Unternehmen Handys und Computer zusammenzubauen.

          Foxconn fertigt lieber für andere

          Anders als seine Konkurrenten hat der Unternehmer aus Taiwan niemals den Ehrgeiz erkennen lassen, Produkte unter eigenem Namen zu verkaufen. Er fertigt lieber für andere, bekanntere Namen – und lässt die ihre neuen Produkte entwickeln. Wie Apple-Chef Jobs begann auch Terry Gou seine Unternehmerkarriere in einer Garage. Mit knapp 6500 Euro Startkapital baute er eine kleine Fabrik auf, die Plastiksteckverbindungen für Fernseher produzierte. Damals wurde das von der taiwanesischen Regierung gerade besonders subventioniert. Heute beschäftigt der taiwanesische Mutterkonzern von Foxconn, Hon Lai, weltweit rund 486 000 Menschen und meldete 2008 einen Umsatz von mehr als 62 Milliarden Dollar.

          Während Apple-Chef Jobs den öffentlichen Auftritt genießt, hat es Gou nie in die Öffentlichkeit gedrängt. Im Gegenteil: Der Taiwanese gilt als ein Meister des Schweigens. Umso unangenehmer war es für ihn und für Hon Lai, als das Tochterunternehmen Foxconn vor einiger Zeit wegen des Selbstmordes eines Arbeiters weltweit in die Schlagzeilen geriet. Sun Dayong hieß der junge Mann, der sich umbrachte, weil er in den Verdacht geraten war, Entwicklungsexemplare des iPhones an der Entwicklungsabteilung vorbei weitergegeben zu haben. Er wurde, wie es heißt, mit äußerst fragwürdigen Methoden vom Foxconn-Sicherheitsdienst unter Druck gesetzt – bis er keinen Ausweg mehr gesehen habe, als sich selbst umzubringen. Wäre das damals nicht gründlich von der chinesischen Polizei untersucht worden, es gäbe bis heute keine offizielle Bestätigung dafür, dass Foxconn das iPhone für Apple baut.

          Ähnlich geheim ist es mit dem neuen Tablet-PC von Apple. Zwar haben Branchendienste mit Hinweis auf taiwanesische Zulieferer immer wieder darüber berichtet, dass Jobs das neue Produkt Ende Januar ankündigen und im März oder April auf den Markt bringen wolle. Genauso wenig wie Apple selbst mag sich Foxconn dazu jedoch äußern: „Wir können dazu nichts sagen, das würde sonst die Geheimhaltungspflichten gegenüber unseren Kunden verletzen“, heißt es dann – und mehr ist dazu auch nicht zu hören.

          Auftragsfertiger dürften weiter wachsen

          In manchen Branchendiensten wird immer wieder auch die Qualität der Foxconn-Produkte bemängelt. „Wenn Du etwas gut gebaut haben willst, solltest Du es nicht in China produzieren lassen“, heißt es bei den Kritikern. Gou ficht das nicht an. Die Produktion läuft, und die von Foxconn für andere hergestellten Produkte verkaufen sich gut. Er kann mit seiner Strategie guten Zeiten entgegen sehen, denn die Elektronikhersteller stehen weltweit weiter unter Druck, ihre Kosten zu senken und ihre Produkte preiswert anzubieten. Auftragsfertiger wie Foxconn, die für Markenfirmen wie Apple produzieren, dürften damit auch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Auch in Europa ist Foxconn aktiv. In Tschechien ist es nach der VW-Tochter Skoda das zweitgrößte Exportunternehmen.

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