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Milliardentransaktion : Apple will Sparte von Intel übernehmen

Intel arbeitet an Chips, die in Smartphones zum Einsatz kommen. Bild: AFP

Der Konzern verhandelt über den Kauf von Intels Geschäft mit Smartphone-Chips. Die Verbindung zu Deutschland könnte damit stärker werden.

          Für Apple sind große Übernahmen eine Seltenheit. Wenn der amerikanische Elektronikkonzern zukauft, dann sind das meist kleinere Technologiespezialisten, die ihm helfen, seine Produkte zu verbessern. Die bislang größte Akquisition von Apple war vor fünf Jahren der drei Milliarden Dollar teure Kopfhörerhersteller Beats. Nun steht das Unternehmen offenbar vor einer weiteren Milliardentransaktion: Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ ist es in fortgeschrittenen Verhandlungen über den Kauf einer Sparte des Halbleiterherstellers Intel. Es handelt sich dabei um das Geschäft mit Chips, die in Smartphones zum Einsatz kommen, sogenannte Modems. Die Transaktion könnte ein Volumen von einer Milliarde Dollar haben, und sie könnte in der kommenden Woche besiegelt werden. Apple und Intel kommentierten den Bericht nicht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sollte die Übernahme zustande kommen, bekäme Apple ein Geschäft mit starken Verbindungen nach Deutschland. Intel hat die Smartphone-Chips selbst im Jahr 2011 mit dem Zukauf einer Sparte des deutschen Rivalen Infineon für 1,4 Milliarden Dollar erworben. Das Geschäft wurde in „Intel Mobile Communications“ umgetauft und hat seinen Hauptsitz noch immer in Neubiberg bei München, wo 1200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Insgesamt arbeiten rund 4000 Menschen für die Sparte. Apple hat schon im vergangenen Jahr im Zuge eines weitreichenden Bündnisses einige deutsche Standorte des deutsch-britischen Halbleiterentwicklers Dialog Semiconductors übernommen.

          Apple ist heute schon ein wichtiger Abnehmer von Intels Smartphone-Modems und setzt sie in seinen iPhones ein. Für Intel ist die Sparte aber defizitär, dem Zeitungsbericht zufolge hat sie zuletzt jährliche Verluste von rund einer Milliarde Dollar eingebracht. Einen weiteren schweren Rückschlag erlitt Intel in dem Geschäft im April dieses Jahres, als Apple überraschend einen zuvor erbittert geführten Patentstreit mit dem Halbleiterkonzern Qualcomm beendete. Intel hatte Qualcomm einige Jahre zuvor als Lieferant von Chips für das iPhone ersetzt.

          Apple will bei Modems selbst stärker werden

          Die Einigung in dem Patentstreit enthielt nun aber unter anderem ein auf mehrere Jahre angelegtes Lieferabkommen und ebnete damit einen Weg für Qualcomm, seine Produkte wieder in den Apple-Handys unterzubringen. Das stellte die Zukunft von Intel als Apple-Lieferant in Frage – umso mehr, weil Qualcomm als führend bei Technologien rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G gilt und Intel hier großen Rückstand hat. Intel teilte nach Bekanntwerden der Vereinbarung zwischen Qualcomm und Apple prompt mit, sich aus dem Geschäft mit 5G-Chips für Smartphones ganz zurückziehen zu wollen. Das Unternehmen sagte, es sehe auf dem Gebiet „keinen klaren Pfad zu Profitabilität“.

          Das Abkommen mit Qualcomm hält Apple aber offenbar nicht davon ab, sich selbst im Geschäft mit Smartphone-Modems verstärken zu wollen. Dies würde zu Berichten passen, wonach Apple daran arbeitet, solche Chips zunehmend im eigenen Haus entwickeln zu wollen, ebenso wie dies für andere Halbleiter schon geschieht. Die Transaktion mit Intel würde dem Unternehmen zusätzliche Kompetenz auf diesem Gebiet bringen, gerade mit Blick auf das Zukunftsfeld 5G.

          Wie es in dem Bericht heißt, soll die Transaktion neben den Intel-Mitarbeitern, die zu Apple wechseln würden, auch das Portfolio an Patenten der Sparte umfassen. Die beiden Seiten sollen schon seit rund einem Jahr Gespräche über eine Transaktion führen. Sie sollen nach dem Pakt mit Qualcomm zwischenzeitlich unterbrochen worden sein, seien aber wiederaufgenommen worden, nachdem sich andere Kaufinteressenten bei Intel gemeldet hätten.

          Das Geschäft mit dem iPhone hat Apple zuletzt einige Sorgen gemacht. In den beiden vergangenen Berichtsquartalen sanken die Umsätze mit dem Gerät um jeweils mindestens 15 Prozent. Für Apple ist das sehr schmerzhaft, denn das iPhone ist das Vorzeigeprodukt des Konzerns und steht für mehr als die Hälfte des Umsatzes. Bei der Vorlage der letzten Geschäftsergebnisse im Frühjahr sprach der Vorstandsvorsitzende Tim Cook aber von Anzeichen für eine Erholung. Apple will in der kommenden Woche seine Zahlen für das jüngste Quartal veröffentlichen.

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