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Spionage durch NSO : Apple verklagt „amoralische Söldner“

NSO hat die Software Pegasus entwickelt. Bild: AFP

Der iPhone-Hersteller will dem israelischen Softwareunternehmen verbieten, seine Geräte und Software zu nutzen. NSO steht damit unter Druck – aber auch für Apple ist der Fall heikel.

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          Apple hat im Kampf gegen die berüchtigte Spionagesoftware Pegasus schwere juristische Geschütze aufgefahren: Der Elektronikkonzern hat am Dienstag vor einem kalifornischen Gericht eine Klage gegen die israelische NSO Group eingereicht, den umstrittenen Hersteller des Programms. Er fordert darin Schadenersatz sowie eine richterliche Anordnung, die NSO auf Dauer untersagt, Geräte, Software und Dienstleistungen von Apple zu benutzen. Setzt sich Apple damit durch, würde die ganze Geschäftsgrundlage von Pegasus erschüttert werden.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Klage kommt wenige Monate nach Bekanntwerden einer Sicherheitslücke, die es erlaubte, iPhones und andere Apple-Geräte über den Kurzmitteilungsdienst iMessage mit Pegasus zu infizieren. Das geschah auf heimtückische Weise über einen sogenannten „Zero-Click“-Angriff, das heißt Pegasus konnte eingeschleust werden, ohne dass der Nutzer etwas davon mitbekam oder etwas tun musste, also etwa auf einen Link in einer Kurzmitteilung oder einer E-Mail klicken, wie das sonst oft üblich ist. Ist die Software auf einem Gerät, kann sie zum Beispiel die Kamera einschalten und Informationen wie Standortdaten, Kurzmitteilungen oder E-Mails an diejenigen übermitteln, die den Nutzer ausspionieren wollen. Apple veröffentlichte im September ein Software-Update, um die Lücke zu schließen.

          Die Schwachstelle bekam den Namen „Forcedentry“. Sie wurde von Citizen Lab entdeckt, einer auf Cybersicherheit und Menschenrechte spezialisierten Forschungsgruppe der Universität Toronto. Sie sagt, sie habe die Lücke bei der Untersuchung des Smartphones eines saudi-arabischen Aktivisten gefunden.

          Die NSO Group steht wegen ihrer Spionagesoftware schon seit Jahren in der Kritik. Sie wurde 2019 schon vom Internetkonzern Facebook verklagt, der ihr vorwarf, über seinen Kurzmitteilungsdienst WhatsApp Smartphones mit dem Programm infiziert zu haben. Dieser Rechtsstreit dauert noch immer an. NSO selbst beteuert, seine Software werde nur mit guten Absichten eingesetzt und solle Regierungen bei der Bekämpfung von Terrorismus und anderen Verbrechen helfen. Das wird aber weithin bezweifelt, und Pegasus ist wiederholt auf Geräten von Aktivisten, Dissidenten und Journalisten gefunden worden. Citizen Lab beschrieb das Geschäftsmodell des Unternehmens als „Despotismus als Service“.

          „Schamloser Missbrauch“

          Auch Apple fand jetzt in seiner Klage sehr deutliche Worte und nannte die Israelis „amoralische Söldner des 21. Jahrhunderts“, deren „Cyber-Überwachungsmaschinerie“ zu „regelmäßigem und schamlosem Missbrauch“ einlade. NSO liefere keine „gewöhnliche Schadsoftware“ und sei nicht daran interessiert, „nervige Anzeigen“ einzublenden oder sich als eine Bank auszugeben, um sich Geld von Girokonten zu erschleichen. Die Produkte des Unternehmens seien „viel hinterlistiger“ und versetzten Regierungen in die Lage, im Gegenzug für Hunderte von Millionen Dollar Menschen auszuspionieren. „NSO oder seine Kunden sind nicht an Durchschnittsverbrauchern interessiert.“

          Der iPhone-Hersteller sagt in der Klage, NSO habe sein Geschäft und seine Reputation beschädigt. In der Tat ist das Bekanntwerden etwaiger Schwachstellen gerade für Apple heikel, da der Konzern sich rühmt, seinen Kunden mehr Sicherheit und Privatsphäre zu bieten als die Konkurrenz. Das tut er auch ausführlich in der Klage und sagt zum Beispiel, Geräte mit Googles Betriebssystem Android würden viel häufiger mit Schadsoftware infiziert als iPhones. Apple teilte am Dienstag auch mit, zehn Millionen Dollar an Citizen Lab und andere Sicherheitsforscher zu spenden.

          Apples Klage kommt nur wenige Wochen, nachdem die US-Regierung die NSO Group und einen anderen israelischen Softwareanbieter auf eine schwarze Liste gesetzt hat. Das bedeutet, dass amerikanische Unternehmen mit ihnen keine Geschäfte mehr machen dürfen. Das Wirtschaftsministerium beschrieb den Schritt als Teil seiner Bemühungen, „Menschenrechte ins Zentrum der US-Außenpolitik zu stellen“, unter anderem indem die Verbreitung digitaler Instrumente für „Unterdrückung“ gebremst werde.

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