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Technologie-Entwicklung : Apple und Google buhlen um App-Entwickler

Die Entwicklerkonferenz I/O von Google Bild: AFP

Apple und Google sind die Betreiber der beiden wichtigsten Plattformen für Apps. Beide hofieren auf Konferenzen in diesen Tagen die gefragten App-Entwickler. Welches Unternehmen hat da die Nase vorn?

          Für Entwickler von Softwareanwendungen („Apps“) dürfte es die spannendste Zeit des Jahres sein. Apple und Google, die Betreiber der beiden wichtigsten Plattformen für Apps, die in mobilen Geräten wie Smartphones und Tabletcomputern zum Einsatz kommen, hofieren die Entwickler auf großen Konferenzen. Sie stellen neue Produkte vor und geben Einblicke in ihre Strategien. Google machte in der vergangenen Woche den Anfang mit „Google I/O“, und in wenigen Tagen legt Apple mit seiner „Worldwide Developers Conference“ nach. Apple erwartet in San Francisco 5000 Entwickler, davon 1000 aus Europa, wie der für das internationale Geschäft der zum Unternehmen gehörenden Online-Plattform iTunes zuständige Manager Oliver Schusser der F.A.Z. sagte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Für die Unternehmen ist der Kontakt zu diesem Publikum sehr wichtig. Denn von den Entwicklern kommen Apps, ohne die Smartphones oder Tablets nicht annähernd so attraktiv wären. Die Apps reichern die Geräte an, ob mit Spielen, Navigationshilfen oder nützlichen Programmen für den Beruf. Sie gelten heute als unverzichtbarer Bestandteil von mobilen Geräten. Apple war mit seinem „App Store“, auf dem mittlerweile 1,4 Millionen Anwendungen zu finden sind, der Pionier auf dem Gebiet. Die mit iTunes verbundene Plattform wurde 2008 ins Leben gerufen, rund ein Jahr nach der Einführung des iPhone. Wenig später öffnete Google den „Android Market“ zum Vertrieb von Apps für Geräte mit dem hauseigenen Betriebssystem Android. Er wurde vor einigen Jahren in „Google Play“ umbenannt.

          Bei Apple können die Entwickler mehr Geld verdienen

          Welche von beiden Plattformen erfolgreicher ist, hängt von der Perspektive ab. Google ist in gewisser Weise in einer besseren Ausgangsposition, weil rund 80 Prozent aller in der Welt verkauften Smartphones mit Android ausgestattet sind. Entsprechend wird der App-Laden von Google auch stärker in Anspruch genommen als derjenige von Apple. Nach Angaben der Marktforschungsgruppe App Annie wurden im ersten Quartal auf der ganzen Welt 70 Prozent mehr Apps von Google Play heruntergeladen als aus dem App Store. Freilich sind viele Apps kostenlos, und beim Blick auf die mit ihnen verbundenen Einnahmen ergibt sich ein ganz anderes Bild. Denn diese Umsätze lagen nach Angaben der Marktforscher im App Store um 70 Prozent über denjenigen von Google Play.

          Apple-Manager Schusser sagt, seinem Unternehmen sei die letztere Kennzahl wichtiger: „Wir wollten eine Plattform schaffen, mit der die Entwickler Geld verdienen können.“ Apple kassiert von den Umsätzen mit Apps eine Provision von 30Prozent und gibt den Rest an die Entwickler. Seit dem Start des App Store hat das Unternehmen nach Angaben von Schusser 25 Milliarden Dollar ausbezahlt, wovon rund ein Drittel auf Europa entfallen sei. Apple sagt, in Europa seien rund um die Apps für seine mobilen Geräte 530000 Arbeitsplätze entstanden.

          Für das Berliner Unternehmen Lesson Nine, das Online-Sprachkurse unter dem Namen „Babbel“ anbietet, sind die Apps eine immer wichtigere Einnahmequelle. Wie Mitgründer Thomas Holl sagt, wird die Babbel-App an ihren besten Tagen 100.000 Mal heruntergeladen. Lesson Nine bietet die App sowohl für Android als auch für Apple-Produkte an, und nach Holls Worten wird sie auf beiden Plattformen ähnlich oft heruntergeladen.

          Apple-Firmenchef Tim Cook auf der „Worldwide Developers Conference“ im vergangenen Jahr.

          Aber auch bei Babbel werden mehr Umsätze auf Apple-Geräten erzielt, Holl schätzt den Anteil auf 70 Prozent. Er führt dies darauf zurück, dass iPhones und iPads viel teurer sind als die meisten Android-Geräte und entsprechend von einem einkommensstärkeren Publikum gekauft werden, das dann auch mehr Geld für Apps ausgebe. „Für jemanden, der viel Geld für ein Smartphone zahlen kann, fallen unsere Gebühren nicht so sehr ins Gewicht.“ Die Babbel-App ist kostenlos zum Herunterladen, aber Kurse, die über eine einfache Anfangsstufe hinausgehen, gibt es nur im kostenpflichtigen Abonnement.

          Android-Vielfalt: Zeitlicher Mehraufwand bei der App-Entwicklung

          Ein anderer Vorteil, den Apple aus Sicht von Entwicklern hat, ist die kleine Zahl an Geräten. Dagegen gibt es etliche verschiedene Android-Modelle. Das führt nach Einschätzung von Holl in der Entwicklung von Apps zu einem zeitlichen Mehraufwand von 20 bis 30 Prozent. Holl sagt aber auch, dass Android-Geräte in jüngster Zeit für Entwickler attraktiver geworden seien. Sie hätten sich technisch verbessert, und das erleichtere die Arbeit bei der Entwicklung von Apps.

          Neben Apple und Google haben es andere Betreiber mobiler Plattformen schwer. So hat Microsoft mit seiner Windows-Software im Smartphone-Markt noch immer einen gewaltigen Rückstand, woran die Attraktivität für App-Entwickler leidet. Holl sagt, sein Unternehmen habe zwar zwischenzeitlich eine App für Windows angeboten, dies aber wieder aufgegeben. Microsoft ist in jüngster Zeit verstärkt damit aufgefallen, selbst Entwickler von Apps zu übernehmen. So wurde in dieser Woche der Kauf des Berliner Unternehmens 6Wunderkinder vereinbart, das für die Produktivitäts-App „Wunderlist“ bekannt ist.

          Wer als Entwickler in der App-Welt von Apple und Google sein Glück versuchen will, hat heute anders als in den Anfangsjahren dieser Plattformen viel Konkurrenz. Aber Apple-Manager Schusser sieht noch immer Chancen, aus dem riesigen Angebot von Apps hervorzustechen, wenn das eigene Produkt gut ist und geschickt vermarktet wird. Die App-Ökonomie werde nicht nur von etablierten Anbietern dominiert: „Wir haben unter unseren populärsten Apps eine gesunde Mischung von großen und kleinen Entwicklern.“

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