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Konzern in der Krise : Die Apple-Flaute geht weiter

Apple verkauft unter Tim Cook weniger seiner smarten Uhren als erhofft. Bild: AFP

Die Verkaufszahlen für das iPhone und der Konzernumsatz sind abermals deutlich gefallen. Der Vorstandsvorsitzende Tim Cook verbreitet dennoch Optimismus – und verspricht „unglaubliche Produkte“.

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          Es war keine einmalige Delle: Vor drei Monaten meldete Apple erstmals seit dem Jahr 2003 rückläufige Umsätze, die Verkaufszahlen des für den Konzern so wichtigen iPhone-Handys sind zum ersten Mal überhaupt seit seiner Einführung gefallen. Mit seinen am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen lieferte Apple nun ein ganz ähnliches Bild: Umsätze und iPhone-Verkaufszahlen sind abermals deutlich gesunken. Kein Zweifel: Der bis vor kurzem so erfolgsverwöhnte Konzern ist in eine neue Phase eingetreten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Immerhin sind die Zahlen aber etwas besser ausgefallen als von Analysten erwartet. Und der Vorstandsvorsitzende Tim Cook versuchte in einer Telefonkonferenz, Optimismus zu verbreiten. Es gebe „ermutigende Zeichen“, und die Nachfrage von Verbrauchern sei stärker als noch vor drei Monaten erwartet. Die Wall Street zeigte sich anders als beim letzten Quartalsbericht vor drei Monaten nicht unzufrieden, und der Aktienkurs legte nachbörslich zeitweise mehr als 7 Prozent zu. Allerdings hat die Aktie zuvor in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

          Sorgenkind iPhone

          Apples größte Herausforderung ist, dass sich das iPhone, das für weit mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes steht, nicht mehr so gut verkauft wie früher. Die Abschwächung hat damit zu tun, dass die aktuellen Modelle iPhone 6S und 6S Plus sich nicht allzu sehr von ihren Vorgängern unterscheiden, die im Vorjahr für einen großen Wachstumssprung gesorgt hatten. Apple hat selbst vor einigen Monaten das Modell iPhone SE herausgebracht, das billiger ist und einen kleineren Bildschirm hat als die anderen Geräte. Ein Nachfolgemodell für die 6S-Reihe wird im Herbst erwartet, allerdings heißt es in amerikanischen Medienberichten, dass auch dieser Produktzyklus keine dramatischen Veränderungen bringen soll. Derweil fehlt es Apple an Produkten, mit denen die iPhone-Flaute ausgeglichen werden könnte. Analyst Colin Gillis von der Investmentbank BGC stufte die Aktie von Apple erst vor wenigen Tagen herab und fällte ein vernichtendes Urteil: „Nach unserer Meinung hat Apple unter der Führung von Tim Cook seinen Höhepunkt erreicht.“

          Cook verspricht große Dinge

          Der Apple-Vorstandschef teilt diese Auffassung freilich nicht. Er sagte, mit Blick auf die langfristige Zukunft sei er „sehr zuversichtlich“, denn Apple habe „unglaubliche Produkte“ in der Entwicklung. Von den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung fließe „ziemlich viel“ in Produkte und Dienstleistungen, die noch gar nicht auf den Markt sind. Konkreter wurde Cook nicht, aber er deutete zum Beispiel an, dass Apple im Fernsehgeschäft größere Ambitionen verfolgt. Mit den gegenwärtigen Aktivitäten in diesem Bereich, wozu beispielsweise der Fernsehempfänger Apple TV gehört, gehe es dem Unternehmen lediglich darum, ein „Fundament“ für ein breiteres Geschäft zu bauen, sagte er auf die Frage eines Analysten, ob Apple sich zum Beispiel einen gebührenpflichtigen Online-Videodienst vorstellen könnte.

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