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Corona-Ausbruch bei Foxconn : Apple muss sich zu Chaos-Fabrik in China erklären

Apples Krisenherde in China: Beim Zulieferer Foxconn drohen die Proteste der Arbeiter zu eskalieren. Bild: AP

Das Chaos in der größten Fabrik für die Produktion des iPhones in Zhengzhou ramponiert immer mehr die Reputation von Apple. Die Produktionsausfälle dürften die Auslieferungen im Vorweihnachtsgeschäft verzögern.

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          Das Chaos in der weltgrößten Fabrik für die Produktion des iPhone im zentralchinesischen Zhengzhou ramponiert immer mehr die Reputation von Apple und sorgt für Lieferverzögerungen bei dem kalifornischen Hersteller. Von dem Standort des taiwanischen Zulieferers Foxconn werden seit Wochen im Internet Bilder von fliehenden Arbeitern übermittelt, die Angst haben, sich nach einem Virusausbruch in der Fabrik anzustecken und bei menschenunwürdigen Bedingungen in Quarantäne zu landen. Seit Dienstag liefern sich geschätzt Hunderte von Arbeitern zudem Straßenschlachten mit der Polizei, nachdem Foxconn offensichtlich versprochene Bonuszahlungen nicht geleistet hat.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Am Freitag erklärte sich Apple erstmals in einer Mitteilung zu den katastrophalen Zuständen in der Fabrik. Dort sei ein Team des amerikanischen Unternehmens zugegen. In „enger Zusammenarbeit“ mit Foxconn werde man die Situation untersuchen und „sicherstellen, dass die Sorgen der Arbeiter behandelt“ würden.

          Sicherheitskräfte in Schutzkleidung führen eine Person während eines Protests auf dem Foxconn-Fabrikgelände am 23.11. ab.
          Sicherheitskräfte in Schutzkleidung führen eine Person während eines Protests auf dem Foxconn-Fabrikgelände am 23.11. ab. : Bild: AP

          Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte am Freitag mit der Situation in Zhengzhou vertraute anonyme Personen, nach denen die Proteste nicht nur wie bisher angenommen bis zu 30 Prozent der Produktion des Monats November beeinträchtigen könnten, sondern mehr. Bis En­de des Monats werde die Fertigung nicht wieder das frühere Volumen erreichen. Für Apple ist der Zeitpunkt extrem unglücklich, weil die Ausfälle die Auslieferung des neuen iPhone 14 im Vorweihnachtsgeschäft verzögern dürfte, das in Zhengzhou hergestellt wird. Die dortige Fabrik ist für rund 70 Prozent der weltweiten Produktion des iPhone verantwortlich.

          Ein technischer Fehler?

          Foxconn hat am Donnerstag behauptet, ein „technischer Fehler“ sei für die fehlenden Bonuszahlungen verantwortlich gewesen. Den protestierenden Arbeitern, die erst jüngst angeheuert worden waren, um die offenen Stellen von geflohenen Beschäftigten aufzufüllen, hat das Unternehmen inzwischen die Summe von 10.000 Yuan (1340 Euro) angeboten, wenn sie das Werksgelände verlassen.

          Reuters zufolge haben mehr als 20.000 Arbeiter das Angebot angenommen. Am Freitag waren auf chinesischen sozialen Medien etliche Videos von Arbeitern zu sehen, die mit Taschen und Koffern über Schnellstraßen liefen und in langen Schlangen anstanden, um einen Platz in einem Bus zu ergattern.

          Schon Ende Oktober hatten Arbeiter mit Koffern und Taschen das Foxconn-Gelände in Zhengzhou fluchtartig verlassen.
          Schon Ende Oktober hatten Arbeiter mit Koffern und Taschen das Foxconn-Gelände in Zhengzhou fluchtartig verlassen. : Bild: AP

          Die Stadt Zhengzhou hatte ab Donnerstag einen fünftägigen Lockdown für sämtliche 6,6 Millionen Einwohner verhängt. Auch in anderen Städten in China werden ganze Wohnviertel abgeriegelt. Am Freitag meldeten die Behörden mit landesweit 32 695 neuen Fällen einen neuen Rekordwert. In einer Videokonferenz gaben Vertreter der Europäischen Handelskammer in China aus Peking, Nanjing, Chengdu, Shenyang und Tianjin einen düsteren Ausblick für das Geschäft und das Leben der Ausländer im Land in den kommenden Wochen und Monaten.

          VW mit weniger Autos in China

          Volkswagen hat mitgeteilt, dass es wegen der Lockdowns und Knappheit von Computerchips nur noch mit 3,3 Millionen verkauften Autos auf seinem größten Markt China rechnet – eine gute halbe Million weniger als der Wolfsburger Konzern zu Jahresbeginn als Ziel ausgegeben hatte. Insgesamt sind nach Schätzung der japanischen Bank Nomura derzeit Gebiete in China unter Lockdown, die 20 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes stellen.

          In den kommenden Wochen werde der Anteil auf 30 Prozent steigen, heißt es im Report. In der Folge werde das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal nicht wie zuvor angenommen 2,8 Prozent sondern 0,4 Punkte weniger betragen. Das Wachstum für das gesamte Jahr sieht Nomura nun um 0,1 Punkte weniger bei 2,8 Prozent. Das wäre die Hälfte des Werts, den die Regierung in Peking im Frühjahr als Ziel ausgegeben hatte.

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