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„#AppleToo“ : Unruhe in der Apple-Belegschaft

Nicht alles vorbildlich in Amerikas Vorzeige-Unternehmen? Vor einem Apple-Store in Berlin. Bild: Bloomberg

Was ist da los im iPhone-Konzern? Mitarbeiter beklagen Diskriminierung. Sie nennen das Unternehmen eine „einschüchternde Festung“.

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          Nach Google und Amazon sieht sich nun auch Apple Mitarbeitern gegenüber, die öffentlich Missstände im Unternehmen beklagen. Eine Gruppe mit dem Namen „#AppleToo“ wirft dem Konzern auf einer von ihr ins Leben gerufenen Internetseite ein „hartnäckiges Muster“ von Ungleichbehandlung vor, das sich in Rassismus, Sexismus und anderen Formen der Diskriminierung äußere. Apple sei zu lange einem strengen Blick der Öffentlichkeit entgangen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Gruppe reklamiert, sie habe auf allen möglichen internen Wegen erfolglos versucht, Veränderungen anzustoßen, etwa über das Management oder die Personalabteilung. „Für viele Apple-Mitarbeiter schafft die Kultur der Geheimhaltung eine undurchsichtige, einschüchternde Festung“, heißt es weiter.

          Die AppleToo-Gruppe scheint bislang noch überschaubar zu sein, nach einem Bericht der Branchenpublikation The Verge sind 15 gegenwärtige und frühere Mitarbeiter direkt in die Organisation eingebunden. Dennoch ist die Initiative bemerkenswert, zumal sie sich in eine Reihe von Mitarbeiterbewegungen in anderen Unternehmen aus der Technologiebranche fügt. Bei Google bildete sich zum Beispiel vor drei Jahren eine Gruppe mit dem Namen „Google Walkout for Real Change“, die einen größeren Streik von Mitarbeitern organisierte. Auslöser war damals Googles Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz, die Proteste richteten sich aber auch gegen andere vermeintliche Missstände.

          Anfang dieses Jahres bekam der Aktivismus bei Google einen formelleren Charakter, als eine Gewerkschaft gegründet wurde. Auch bei Amazon hat sich innerbetrieblicher Widerstand breitgemacht. Eine Gruppe mit dem Namen „Amazon Employees for Climate Justice“ verlangte vom Unternehmen unter anderem, sich stärker für den Klimaschutz zu engagieren. In diesem Jahr stimmten Mitarbeiter in einem Amazon-Distributionszentrum im amerikanischen Bundesstaat Alabama über die Gründung einer Gewerkschaft ab. Dafür fand sich keine Mehrheit, allerdings gab es Proteste gegen die Taktiken des Unternehmens in seiner Kampagne gegen eine Gewerkschaft, und es ist denkbar, dass es zu einer Neuabstimmung kommt. Hintergrund für das Votum war Unzufriedenheit in Teilen der Belegschaft über die Arbeitsbedingungen in dem Lager. Die Technologiebranche gilt traditionell als sehr gewerkschaftsfeindliches Revier.

          Welche Ziele die Apple-Mitarbeiter verfolgen und ob sie womöglich die Gründung einer Gewerkschaft anstreben, ist bislang noch nicht klar. Auf der Internetseite werden Kollegen aufgerufen, ihre Erfahrungen zu teilen, woraus dann ein Forderungskatalog an Apple entwickelt werden solle. Eine der Initiatorinnen der Bewegung hat kürzlich eine interne Umfrage unter Mitarbeitern durchgeführt, die auf Unterschiede in der Bezahlung von Männern und Frauen im Unternehmen hindeutete. Die Apple-Gruppe bekam Solidaritätsbekundungen von Initiatoren der Google-Mitarbeiterbewegung. Meredith Whittaker, eine Spezialistin für Künstliche Intelligenz, die beim damaligen Google-Streik zu den Wortführern gehörte, twitterte mit Blick auf AppleToo von der „traurigen, vertrauten Kultur“ von Diskriminierung in der Technologieindustrie.

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