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Apple gegen Epic Games : Der App-Showdown

  • -Aktualisiert am

Angebot im Epic Games Store: Der Prozess beginnt am 3. Mai in Oakland. Bild: dpa

Der Videospielhersteller Epic Games zieht gegen den Tech-Konzern Apple vor Gericht. Die Klage zielt auf den Kern von Apples Philosophie eines geschlossenen Ökosystems ab. Sie könnte Wellen bis nach Europa schlagen.

          3 Min.

          Es war eine tollkühne Aktion: Im vergangenen August stellte Epic Games neue Software für sein beliebtes Videospiel „Fortnite“ in den App Store von Apple. Sie verstieß gegen die Regeln des iPhone-Herstellers, der App-Lieferanten vorschreibt, das hauseigene Bezahlsystem zu nutzen, über das er Gebühren kassiert. Epic umging dieses System, das Update wurde zudem wie ein Trojanisches Pferd eingeschleust, denn die geänderte Bezahlfunktion wurde erst nach Apples Freigabe im App Store aktiv. All das kam einem eklatanten Vertragsbruch gleich, Apple sieht es als „Akt der Sabotage“.

          „Fortnite“ flog umgehend aus dem App Store, aber das war Teil des Kalküls, denn die regelwidrige Software war nur der Startschuss einer minutiös geplanten Kampagne. Stunden nach dem „Fortnite“-Rauswurf reichte Epic eine Kartellklage gegen Apple ein und veröffentlichte einen aufwendigen Werbespot mit dem Schlagwort „FreeFortnite“. Das Unternehmen inszenierte sich als das wahre Opfer, ausgebeutet von einem Tech-Giganten, der seine Macht ausnutzt und von App-Entwicklern exzessive Gebühren eintreibt.

          Der Streit steht jetzt vor einem Showdown. Am Montag beginnt im kalifornischen Oakland der Gerichtsprozess um Epics Klage. Es ist ein Spektakel zu erwarten, und Apple nimmt das Verfahren äußerst ernst, Vorstandschef Tim Cook will aussagen. Es geht um viel mehr als einen Konflikt zweier Unternehmen. Das ganze Geschäftsmodell im App Store steht auf dem Spiel und damit auch die Zukunft des eng damit verbundenen iPhones. Die Klage zielt auch auf den Kern von Apples Philosophie eines geschlossenen Ökosystems, in dem sich der Konzern maximale Kontrolle vorbehält und alles, was in seine Produkte fließt, selbst entwickelt oder streng kuratiert. 

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          Die Diskussion um Apples Praktiken im App Store geht zudem weit über diesen Rechtsstreit hinaus. Auch andere Unternehmen wie der Musikdienst Spotify beschweren sich und finden damit immer mehr Gehör bei Politikern und Regulierern. Die EU-Kommission hat ein Kartellverfahren gegen Apple eingeleitet und es erst vor wenigen Tagen verschärft, womit sie Epic kurz vor Prozessbeginn weitere Munition geliefert hat. Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es Gesetzentwürfe, die Regeländerungen im App Store erzwingen könnten.

          App Store ermöglichte iPhone-Hype

          Apple hat den App Store 2008 eingeführt, ein Jahr nach dem iPhone. Es geschah widerwillig, weil es hieß, das Handy mit fremden Programmen zu bevölkern. Aber der App Store wurde ein großer Wurf. Erst die Apps machten das iPhone zu dem Alleskönnergerät, das es heute ist, und Apple stieß für ihre Entwickler einen neuen Markt auf. Beide Seiten profitierten, und lange wurde Apples Provision von 30 Prozent auf die Einnahmen nicht hinterfragt. Das hat sich geändert, je größer diese App-Ökonomie wurde.

          Für Apple ist der App Store heute eine wichtige Umsatzquelle, der Konzern ist auch zunehmend zu einem Konkurrenten seiner App-Entwickler geworden, weil er selbst stärker auf Online-Dienste wie Apple Music setzt. Epic wertet es als Missbrauch von Marktmacht, dass Apple seinen App-Entwicklern nur einen Weg auf das iPhone lässt.

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          Sie müssen über den App Store gehen und Apples Bezahlsystem nutzen, wofür Gebühren anfallen. Epic sagt, das schade Entwicklern und führe zu höheren Preisen für Verbraucher. Apple kontert, dieser Ansatz diene der Sicherheit und dem Datenschutz. Der Konzern habe viel Geld in den App Store investiert und Anspruch auf Entlohnung. Die Gebühren seien Standard in der Branche, Apple habe sie zudem in einigen Fällen gesenkt und verlange von vielen Entwicklern gar kein Geld. Eine zentrale Frage in dem Prozess wird es sein, was als relevanter Markt und damit auch als Apples Machtfülle definiert wird.

          Die Welt blickt nach Oakland

          Epic zieht die Grenzen viel enger als Apple und beschreibt den App Store und sein Bezahlsystem als jeweils eigenständige Märkte innerhalb des iPhone-Reichs. Apple findet das unsinnig, weil sich so automatisch eine Monopolstellung ergebe. Freilich argumentiert auch die EU mit einer ähnlich engen Marktdefinition.

          Für den Videospielehersteller wird es trotzdem nicht leicht. Die zuständige Richterin hat schon signalisiert, der Streit beschreite neues wettbewerbsrechtliches Terrain. Allein deshalb wird der Prozess wohl nur die erste von mehreren Instanzen sein. Gefährlich ist er für Apple allemal. Hier geht es nicht nur um das Wohlwollen der Richterin, sondern auch um die öffentliche Meinung.

          Apple legt größten Wert auf eine blütenweiße Reputation, das von Epic gezeichnete Bild als Tech-Unterdrücker ist damit schwer vereinbar. Und was immer im Prozess geschieht, könnte auch Einfluss auf Kartellgesetze und -verfahren haben. In Brüssel und Washington wird man gewiss gespannt nach Oakland schauen.

          Roland Lindner
          (lid.), Wirtschaft

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