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Streit um App Store : Nur ein mäßiger Erfolg für die Fortnite-Entwickler

Das Urteil hält sich die Waage: Weder Apple noch Epic Games profitieren so richtig von einem Gerichtsentscheid in Kalifornien in Bezug auf den App Store. Bild: Reuters

Im Streit um Bezahlfunktionen im App Store erringt der Spiele-Entwickler Epic einen Teilerfolg gegenüber Apple, muss aber auch Schadenersatz zahlen. Das Geschäftsmodell des iPhone-Konzerns bleibt darüber hinaus in vielerlei Hinsicht intakt.

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          Der spektakuläre Kartellprozess zwischen dem Elektronikkonzern Apple und dem Videospielehersteller Epic Games („Fortnite“) hat keinen klaren Sieger. Die zuständige Richterin in Kalifornien schrieb in ihrem Urteil am Freitag, Apple habe gegen Wettbewerbsgesetze verstoßen, und sie wies den Konzern an, bedeutende Veränderungen an seinem App Store vorzunehmen. Auf der anderen Seite hat sie aber Epic zu Schadenersatz wegen Vertragsbruchs verurteilt. Und sie folgte nicht Epics Argumentation, wonach Apple ein Monopolist sei. „Erfolg ist nicht illegal“, hieß es in der 185 Seiten langen Urteilsbegründung.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Rechtsstreit wird in der Technologiebranche aufmerksam verfolgt, er zielt auf den Kern des Geschäftsmodells im App Store, in dem Apple Programme für sein iPhone vertreibt. Epic hat Apple vorgeworfen, ein Monopol auf dem iPhone auszunutzen, um App-Entwicklern seine Konditionen aufzuzwingen, etwa eine Provision von 30 Prozent auf die Einnahmen mit Apps. Der Fortnite-Hersteller trat die Auseinandersetzung vor gut einem Jahr selbst los, als er mit einer neuen Software für das Spiel Apples Bezahlsystem umging und damit gegen die Regeln für den App Store verstieß. Apple entfernte Fortnite umgehend aus dem App Store, woraufhin Epic die Kartellklage einreichte. Im Mai fand in Oakland ein Prozess statt, in dem auch Apple-Vorstandschef Tim Cook aussagte.

          Im Vorfeld des Urteils hatte Apple schon eine Reihe von kleineren Zugeständnissen gemacht und damit die Regeln im App Store etwas aufgeweicht. In der vergangenen Woche kündigte der Konzern zum Beispiel ein Abkommen mit der japanischen Wettbewerbsbehörde an, das es einer bestimmten Gruppe von Apps erleichtern würde, Nutzer außerhalb des App Store zu registrieren und damit auch Apples Bezahlsystem zu umgehen. Sie dürfen fortan innerhalb der iPhone-App einen Link zu einer Internetseite platzieren, wo Nutzer ein Konto einrichten und verwalten können. Apple will dies global umsetzen, aber nur für sogenannte „Reader-Apps“, wozu Anbieter von Abonnements für digitale Medieninhalte wie die Musikplattform Spotify oder der Videodienst Netflix gehören.

          Viele Forderungen der Spiele-Entwickler bleiben unerfüllt

          Das Urteil vom Freitag weist Parallelen zu diesem Vergleich auf, weitet ihn aber auf alle Apps aus, also auch die Anbieter von Videospielen, die für den größten Teil der Umsätze im App Store stehen. Die Richterin Yvonne Gonzalez Rogers ordnete an, Apple dürfe Entwickler nicht mehr daran hindern, innerhalb der Apps auf andere Bezahlmechanismen hinzuweisen, also auch solche, die Apples Provision umgehen würden.

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          Das ist ein Erfolg für Epic, aber viele andere Forderungen von Entwicklern bleiben durch das Urteil unerfüllt. Nutzern wird es weiter nicht möglich sein, Apps außerhalb des App Store auf ihre iPhones herunterzuladen, Entwickler dürften auch künftig keine separaten App Stores auf Apples Plattform betreiben oder eigene Bezahlysteme in ihren iPhone-Apps integrieren. Nach Anordnung der Richterin soll Epic außerdem wegen seines Regelverstoßes 30 Prozent der Umsätze, die zwischen August und Oktober vergangenen Jahres mit Fortnite auf iPhones erzielt wurden, als Schadenersatz an Apple zahlen. Das sind knapp 3,7 Millionen Dollar.

          Es ist aus Epic-Sicht auch eine Niederlage, dass die Richterin Apple nicht als Monopol sehen wollte. Eine zentrale Frage in dem Rechtsstreit war es, was als relevanter Markt angesehen wird, denn darüber definiert sich Apples Machtfülle. Epic stufte den App Store und sein Bezahlsystem als jeweils eigenständige Märkte innerhalb des iPhone-Ökosystems ein, womit sich für Apple fast automatisch eine Monopolstellung ergeben hätte. Apple beschrieb dagegen digitale Videospiele im Allgemeinen als den relevanten Markt, interpretierte ihn also viel breiter. Die Richterin schrieb jetzt, sie stimme mit keiner der beiden Definitionen überein, und sie verstehe digitale Transaktionen mit Videospielen auf mobilen Geräten als den relevanten Markt. Auf dieser Basis könne Apple nicht als Monopolist klassifiziert werden.

          „Über das Ziel hinausgeschossen“

          Zusammenfassend schrieb sie, Epic habe mit seiner Klage „über das Ziel hinausgeschossen“. Die nun angeordneten Veränderungen im App Store seien „maßvoll“, sie stärkten den Wettbewerb, erhöhten die Transparenz, und Verbraucher bekämen eine größere Auswahl. Auf diese Weise betreibe das Gericht kein „Mikromanagement“ von Unternehmen.

          Obwohl das Urteil gute und schlechte Nachrichten für beide Parteien hatte, wertete Apple es als Erfolg, und Epic zeigte sich unzufrieden. Apple sagte in einer Stellungnahme, das Gericht habe die eigene Position bestätigt, das Unternehmen sei in allen seiner Segmente hartem Wettbewerb ausgesetzt. Epic-Vorstandschef Tim Sweeney twitterte: „Wir werden weiterkämpfen“, was als Andeutung zu werten sein könnte, dass sein Unternehmen in die Berufung gehen will. Er sagte weiter, das Urteil sei weder für Entwickler noch für Verbraucher ein Sieg. Fortnite werde erst dann wieder in den App Store zurückkehren, wenn Epic dort ein eigenes Bezahlsystem anbieten könne.

          Der Rechtsstreit mit Epic ist nur einer von vielen Schauplätzen, die sich derzeit um die Geschäftspraktiken im App Store und App-Plattformen anderer Unternehmen wie Google drehen. Die EU-Kommission hat nach einer Beschwerde von Spotify im vergangenen Jahr ein Kartellverfahren gegen Apple eingeleitet und es vor wenigen Wochen nochmals verschärft. Im amerikanischen Senat wurde kürzlich von Vertretern beider Parteien ein Gesetzentwurf vorgelegt, der erhebliche Eingriffe in die Geschäftsmodelle von App-Plattformen mit sich bringen könnte. Dies würde auch weit über die jetzt im Epic-Verfahren angeordneten Veränderungen hinausgehen.

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