https://www.faz.net/-gqe-8l8nx

Apple : Mittelmaß statt Mythos

Mit dem iPhone 7 wartet Apple mit spärlichen Innovationen auf. Ist die Zeit der großen Ideen des Konzerns vorbei? Bild: Reuters

Früher begeisterte Apple die Welt mit seinen Innovationen, heute sorgt das Unternehmen mit Steuertricks und wenig bahnbrechenden Produkten für Schlagzeilen. Gehen dem Kult-Konzern die Ideen aus?

          6 Min.

          Tim Cook sagte kürzlich in einem Interview, er habe „den besten Job der Welt“. Das mag anmaßend klingen, aber der von ihm geführte Elektronikkonzern Apple ist schließlich an Superlative gewöhnt. Apple gilt als wertvollste Marke der Welt, hat den höchsten Börsenwert und fährt Gewinne ein, von denen andere Unternehmen nur träumen können. Was kann es also Besseres geben, als an der Spitze einer solchen Glanzadresse zu stehen?

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Und doch hat sich Cook in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal in der Rolle als Krisenmanager wiedergefunden. Erst musste er sich mit Sicherheitslücken herumschlagen, die von einer Spionagesoftware ausgenutzt wurden. Das kratzte am Mythos der vermeintlich unverwundbaren Apple-Geräte. Dann verdonnerte die EU-Kommission die Amerikaner dazu, wegen als unzulässig erachteter Steuervergünstigungen in Irland 13 Milliarden Euro nachzuzahlen. Die Öffentlichkeit wurde auf spektakuläre Weise daran erinnert, dass sich Apple nicht nur auf die Herstellung elektronischer Geräte versteht, sondern auch auf raffinierte Steuerkniffe.

          iPhone 7 hat wenig Aufregendes zu bieten

          Von solchen Negativschlagzeilen hätte Cook in dieser Woche ablenken können, als er in San Francisco auf der Bühne stand, um neue Produkte zu enthüllen. Das Interesse war wieder mal riesig, aber der Apple-Chef hatte wenig Aufregendes zu bieten. Das neue iPhone 7 unterscheidet sich nicht allzu sehr von seinen Vorgängermodellen. Die auffälligste Veränderung ist das Fehlen der gewohnten Kopfhörerbuchse. Für eine Rundumerneuerung seines wichtigsten Umsatzträgers will sich Apple angeblich noch ein Jahr Zeit nehmen, und das, obwohl schon die aktuelle Generation kein großer Fortschritt war. Bislang hat Apple das iPhone-Design alle zwei Jahre erheblich überarbeitet. Auch die anderen Neuheiten aus dieser Woche wie die weiterentwickelte Computeruhr Apple Watch waren keine Offenbarung.

          Tim Cooks Überschwang klang daher arg bemüht. „Was für ein Morgen“, rief er dem Publikum am Ende der Veranstaltung zu und jubelte über die „unglaublichen Produkte“, die gerade gezeigt worden seien. Das iPhone 7 sei „das beste iPhone, das wir jemals gemacht haben“. Ähnlich euphorisch hatte Cook freilich schon im vergangenen Jahr geklungen, als er die aktuelle Version iPhone 6S enthüllte: „Das einzige, was sich verändert hat, ist alles“, tönte er damals. Die Kundschaft war weniger hingerissen, denn genau mit diesem Gerät kam das Umsatzwachstum beim iPhone zu einem jähen Halt.

          Es scheint, als ob die einst so gerühmte Innovationsmaschine von Apple erlahmt ist. Die Produktpräsentationen des Unternehmens waren einmal als Hochämter für Technologiejünger bekannt, auf denen noch nie Dagewesenes bestaunt wurde. Zuletzt aber begnügte sich Apple weitgehend mit aufgerüsteten Varianten von schon existierenden Produkten. Gemessen an seinem verstorbenen Vorgänger Steve Jobs, unter dessen Führung Apple bahnbrechende Geräte wie den Musikspieler iPod, den Tabletcomputer iPad und das iPhone auf den Markt brachte, bleibt Cooks Bilanz auf der Produktseite auch fast genau fünf Jahre nach seinem Amtsantritt mager.

          Knalleffekte sind Mangelware

          Es gelingt ihm nicht einmal, die von Jobs gepflegte Kultur der Unberechenbarkeit aufrechtzuerhalten. Während Jobs dafür berühmt war, bei den Präsentationen eine Überraschung aus dem Hut zu zaubern, die er mit den Worten „One more thing“ ankündigte, ist zuletzt regelmäßig im Detail durchgesickert, was Apple vorzuzeigen hat, so auch diesmal. Knalleffekte sind Mangelware.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson am Donnerstag in Brüssel.

          Brexit-Streit : Noch viel Überzeugungsarbeit für Boris Johnson

          Mit den EU-Partnern hat sich Großbritanniens Regierungschef auf eine neuen Entwurf des Brexit-Vertrags geeinigt. Doch im britischen Unterhaus muss Boris Johnson weiter um jede Stimme dafür kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.