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Quartalsbericht : Apple enttäuscht mit Prognose

Apples Firmenlogo im neuen, teilvollständigen Design: Die Prognosen sind nicht so gut wie erhofft. Bild: AFP

Der Elektronikkonzern wächst dank immer teurerer iPhones weiter rasant. Aber sein Ausblick sorgt für einen Dämpfer. Die Messlatte aus dem Vorjahr liege hoch, sagte der Vorstandsvorsitzende Tim Cook.

          Es sind atemberaubende Zahlen: Der amerikanische Elektronikkonzern Apple hat in seinem am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht für sein gerade abgelaufenes Geschäftsjahr einen Umsatz von 265,6 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 59,5 Milliarden ausgewiesen. Trotzdem zeigte sich die Börse nach der Vorlage der Zahlen enttäuscht. Der Aktienkurs verlor am Donnerstag im nachbörslichen Handel zeitweise rund 7 Prozent an Wert. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die Verkaufszahlen für das iPhone im vergangenen Quartal leicht unter den Erwartungen geblieben sind. Womöglich noch schwerer dürfte die schwächer als erhoffte Prognose für das kommende Quartal und damit für das besonders wichtige Weihnachtsgeschäft wiegen. Apple sagt eine dramatische Abschwächung des Umsatzwachstums voraus.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Für das Schlussquartal 2017/2018, das am 29. September zu Ende ging, wies Apple ein Umsatzplus von 20 Prozent auf 62,9 Milliarden Dollar aus. Analysten hatten im Schnitt mit 61,6 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn kletterte um 32 Prozent auf 14,1 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 2,91 Dollar war um 13 Cent höher als erwartet.

          APPLE

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          Das mit Abstand wichtigste Produkt von Apple bleibt das iPhone-Handy, aber wie schon im vorangegangenen Quartal hat der Konzern die Absatzzahlen für das Gerät nur unwesentlich gesteigert. Apple verkaufte insgesamt 46,9 Millionen iPhones und damit etwas weniger als erwartet. Der Umsatz mit den Geräten erhöhte sich dafür aber dramatisch um 29 Prozent auf 37,2 Milliarden Dollar. Die Diskrepanz erklärt sich damit, dass Apple seine Produktpalette um deutlich teurere iPhones erweitert hat. Im vergangenen November kam das iPhone X heraus, das einen Startpreis von 1149 Euro hat. Am 21. September und damit noch kurz vor Ende des jüngsten Geschäftsquartals brachte Apple zum gleichen Preis das Nachfolgemodell iPhone XS zum gleichen Preis auf den Markt, außerdem dessen noch etwas teurere Variante iPhone XS Max, die mindestens 1249 Euro kostet. Seit wenigen Tagen gibt es noch ein weiteres und billigeres neues Modell, das iPhone XR (849 Euro).

          Das iPhone alleine steht für rund 60 Prozent des Konzernumsatzes. Hinter ihm ist mittlerweile das Dienstleistungsgeschäft die zweitstärkste Sparte von Apple. Dazu gehören die Musikplattform Apple Music, der Bezahldienst Apple Pay und der App Store. Hier stieg der Umsatz um 17 Prozent auf fast 10 Milliarden Dollar, was allerdings unter dem Wachstum von 31 Prozent lag, das Apple hier noch vor drei Monaten ausgewiesen hat. In der Sparte, zu der die Computeruhr Apple Watch und die kabellosen Airpod-Kopfhörer gehören, stieg der Umsatz um 31 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Deutlich rückläufig waren dagegen die Verkaufszahlen und auch der Umsatz für den Tabletcomputer iPad. Von seinem Macintosh-Computer hat Apple ebenfalls weniger Exemplare verkauft, dank höherer Preise stieg aber der Umsatz.

          Der Konzern teilte jetzt mit, seine Berichterstattung für das iPhone, das iPad und Mac-Computer zu verändern. Künftig wolle er deren verkaufte Stückzahlen nicht mehr ausweisen, sondern nur noch die Umsätze. Finanzvorstand Luca Maestri sagte in einer Telefonkonferenz, das Unternehmen halte die Aussagekraft der Absatzzahlen für begrenzt. Freilich haben sich gerade diese Kennziffern für Apple-Produkte in jüngster Zeit oft nicht so gut entwickelt wie die Umsätze.

          Für das erste Quartal des nächsten Geschäftsjahres 2018/2019 sagt Apple einen Umsatz von 89 Milliarden bis 93 Milliarden Dollar voraus. Das wäre kein deutliches Wachstum gegenüber dem Vorjahreswert von 88,3 Milliarden Dollar. Vorstandsvorsitzender Tim Cook und Finanzvorstand Maestri führten eine Reihe von Gründen für die niedriger als erwartete Prognose an. Der Konzern rechnet damit, dass alleine negative Währungseffekte den Umsatz mit zwei Milliarden Dollar belasten. Wertverluste in den lokalen Währungen würden außerdem dazu beitragen, dass sich das Geschäft in Ländern wie Indien, Brasilien, Russland und der Türkei abschwäche. „Sie wachsen nicht so, wie wir das gerne sehen würden“, sagte Cook. Weiterhin gebe es Unsicherheit um die Verfügbarkeit von Produkten, weil Apple derzeit ungewöhnlich viele neue Gerätemodelle auf den Markt bringe. Zudem sorge der Umstand, dass der Konzern seine Neuheiten diesmal zu etwas anderen Zeiten als im Vorjahr auf den Markt gebracht habe, dafür, dass die Messlatte für das kommende Quartal hoch liege. Apple hat indessen in der Vergangenheit schon öfter zurückhaltende Prognosen gegeben, die sich im Nachhinein als zu vorsichtig herausgestellt haben.

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