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Tim Cook : Der einsame Apple-Chef

Tim Cook hat bei Apple ein schweres Erbe angetreten, denn er folgte auf eine Legende - Steve Jobs. Bild: dpa

Tim Cook führt den Elektronikkonzern seit fünf Jahren. Er muss sich oft Rat von außen holen – ob es um sein Outing geht oder um die Apple-Dividende.

          In der kommenden Woche jährt sich die Berufung von Tim Cook zum Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Elektronikkonzerns Apple zum fünften Mal. Cook löste damals den Apple-Mitgründer Steve Jobs ab, der einige Wochen später an einer Krebserkrankung starb. Aus Anlass seines Dienstjubiläums gab Cook jetzt der „Washington Post“ ein ausführliches Interview. „Ich habe den besten Job der Welt,“ sagte er darin. Er gab aber auch zu, dass es auf seinem Posten einsam sein könne und er in den vergangenen fünf Jahren eine erheblich dickere Haut bekommen habe. „Mir gelingt es heute etwas besser, nicht alles so persönlich zu nehmen.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Cook hat bei Apple ein schweres Erbe angetreten, denn er folgte auf eine Legende. Unter Steve Jobs hat das Unternehmen bahnbrechende Produkte wie den Musikspieler iPod, das iPhone-Handy und den Tabletcomputer iPad herausgebracht. Cook galt vor seinem Aufstieg an die Apple-Spitze als fähiger Manager, aber nicht als Produktvisionär. Deshalb drängte sich nach dem Führungswechsel die Frage auf, ob das Unternehmen unter ihm seine Innovationskraft erhalten und ähnlich erfolgreiche Produkte wie in der Jobs-Ära entwickeln kann.

          Das Geschäft mit dem iPhone hat sich erheblich abgeschwächt

          Bislang ist Cook dafür einen Beweis schuldig geblieben. Apple ist zwar heute viel größer als vor fünf Jahren und macht beneidenswerte Gewinne. Aber ein großer Wurf auf der Produktseite ist Cook noch nicht gelungen. Das Wachstum der vergangenen Jahre ist vor allem vom iPhone angetrieben worden, das schon 2007 herauskam. Die Computeruhr Apple Watch, die einzige bedeutende Hardware-Innovation in Cooks Amtszeit, bringt bislang nur sehr überschaubare Umsätze. Das Geschäft mit dem iPhone hat sich derweil erheblich abgeschwächt, weshalb Apple nun zwei Quartale in Folge rückläufige Umsätze ausgewiesen hat. Cooks Jubiläum findet also nicht unter den besten Vorzeichen statt.

          In dem Interview versucht der Apple-Chef dennoch, Zuversicht zu verbreiten. Die Abhängigkeit des Konzerns vom iPhone sei „ein Privileg, kein Problem“. Trotz der jüngsten Sättigungserscheinungen meint Cook, das Smartphone-Geschäft sei „der großartigste Markt der Erde“ in der Konsumelektronik. Nichts werde ihn kurz- oder auch mittelfristig ersetzen. Apple habe zudem eine Reihe von Wachstumstreibern. Etwa das Geschäft mit Unternehmenskunden oder mit dem App Store, in dem Apple Programme für Geräte wie das iPhone verkauft.

          Cook versteht sich nicht als traditioneller Vorstandschef

          Cook sieht auch viel Potential in aufstrebenden Regionen der Welt wie Indien. Der Apple-Chef stellte auch neue Produkte in Aussicht, wollte aber keine Details verraten und blieb damit der Tradition seines Unternehmens treu, um künftige Neuheiten ein großes Geheimnis zu machen. Apple arbeitet aber angeblich an einem eigenen Auto.

          Es gab auch etwas Selbstkritik von Cook, der zugab, dass in seiner Amtszeit Fehler gemacht worden sind. Als Beispiel nannte er den mit falschen Angaben gespickten Kartendienst, den Apple 2012 herausgebracht hat. Auch habe er für das Einzelhandelsgeschäft zunächst die falsche Person angeheuert. Apple rekrutierte 2012 zunächst John Browett, der aber dann nach weniger als einem Jahr abrupt abgelöst und schließlich mit Angela Ahrendts ersetzte wurde, der vormaligen Chefin des britischen Modehauses Burberry. Der 55 Jahre alte Cook beschäftigt sich offenbar auch intensiv mit seiner eigenen Nachfolgeplanung. Am Ende jeder Verwaltungssitzung werde über dieses Thema gesprochen, für den Fall, dass ihm etwas zustoße.

          Gespräch mit Bill Clinton

          Cook sagte in dem Interview auch, er verstehe sich nicht als traditioneller Vorstandschef, der nur auf Gewinn- und Verlustrechnungen fixiert sei. Tatsächlich hat er in den vergangenen Jahren versucht, Apple ein freundlicheres Gesicht zu geben und als Konzern mit sozialer Verantwortung zu positionieren. Beispielsweise setzt er Apples Engagement für den Umweltschutz prominent in Szene und mischt sich in politische Diskussionen ein, etwa indem er sich gegen Gesetze ausspricht, die nach seiner Auffassung zur Diskriminierung von Minderheiten führen. Cook hat sich 2014 selbst als schwul geoutet. In dem Interview sagte er, die Art und Weise dieses Outings sei ein ganzes Jahr lang vorbereitet worden. Er habe auch wiederholt mit Anderson Cooper gesprochen, einem der bekanntesten Moderatoren des Nachrichtensenders CNN, der sich selbst einige Jahre vorher geoutet hatte.

          Allgemein scheint Tim Cook oft Rat von prominenter Stelle außerhalb des Unternehmens einzuholen. Als er zum Beispiel vor drei Jahren vor den amerikanischen Kongress nach Washington zitiert wurde, um über die Steuerpraktiken seines Unternehmens zu sprechen, konsultierte er nach eigenen Worten den früheren Präsidenten Bill Clinton sowie Lloyd Blankfein, den Vorstandschef der Bank Goldman Sachs, der diese Erfahrung schon gemacht hatte. Und bevor Apple beschloss, ein Aktienrückkaufprogramm zu starten und eine Dividende zu zahlen, wandte sich Cook an den legendären Investor Warren Buffett. So einsam es also auf dem Apple-Chefsessel manchmal sein mag: In dieser Position stehen einem viele Türen offen.

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