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Apple-Chef Jobs : Der Geheimniskrämer

Ein Mann, ein Telefon: Steve Jobs präsentiert ein iPhone Bild: dpa

Steve Jobs' Ärzte haben erstmals offiziell bestätigt, dass sich der Apple-Chef einer Lebertransplantation unterzogen hat. Er habe eine „exzellente Prognose“, hieß es. Die Nachrichten über die Gesundheit des charismatischen Managers werden inszeniert wie ein neues Apple-Produkt.

          Was haben Eric Schmidt, der Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Google, Al Gore, der frühere Vizepräsident der Vereinigten Staaten und Arthur Levinson, der Verwaltungsratschef des weltbekannten Biotechunternehmens Genentech gemeinsam? Sie erfreuen sich in der amerikanischen Unternehmenswelt und Gesellschaft eines hohen Ansehens und großer Prominenz – und sie sitzen im Verwaltungsrat des kalifornischen Computerherstellers Apple.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dort aber, das müssen sie sich jedenfalls von amerikanischen Analysten und Journalisten immer häufiger vorhalten lassen, versagen sie in einem Punkt völlig: Ihnen gelingt es nicht, den Apple-Aktionären ein vernünftiges Bild vom gesundheitlichen Zustand des Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs zu vermitteln, der zugleich der oberste Verkäufer und wichtigste Ideengeber des Unternehmens ist.

          Deshalb schießen immer wieder Spekulationen ins Kraut, die den Aktienkurs von Apple beeinflussen – und schon allein deshalb den Verwaltungsrat des Konzerns aus Cupertino im Silicon Valley interessieren sollten. (Siehe dazu auch: Apple: iPhone-Erfolg treibt den Aktienkurs) Jetzt haben Steve Jobs' Ärzte erstmals offiziell bestätigt, dass sich der Apple-Chef einer Lebertransplantation unterzogen hat. Er befinde sich auf dem Wege der Besserung und habe eine „exzellente Prognose“, erklärte am Dienstag eine Klinik in Tennessee.

          Steve-Jobs-Humor: „Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben”, ließ der Apple-Mitgründer im vergangenen Jahr während eines Vortrags auf einer Videoleinwand einblenden

          Das Krankenhaus bestätigte damit - ausdrücklich mit der Genehmigung Jobs' - Medienberichte vom Wochenende zu der Transplantation. Dem „Wall Street Journal“ zufolge fand die Operation bereits vor zwei Monaten statt. Das Krankenhaus nannte hierzu keine weiteren Details.

          Keine Privatsache

          Apple hat einmal behauptet, die Gesundheit von Jobs sei auch seine Privatsache. Und tatsächlich ist es häufig weit hergeholt, wenn das Wohl eines Unternehmens allein mit dem Tun des Vorstandsvorsitzenden verbunden wird. Wenn es aber ein großes Unternehmen gibt, in dem die Gesundheit des Vorstandsvorsitzenden mit dem Geschäft besonders eng verwoben ist, dann ist es Apple. Denn es war allein Jobs, der das von ihm mitbegründete Unternehmen in den Jahren nach 1997 vor der Insolvenz bewahrt hat.

          Mehr als das: Er hat den Nischenanbieter Apple mit dem digitalen Musikspieler iPod zu einem Massenhersteller von Unterhaltungselektronik gemacht; er ist dabei, mit dem Mobiltelefon iPhone den etablierten Handyherstellern das Leben immer schwerer zu machen, und er hat seiner Macintosh-Computerplattform mit Chips von Intel und der Öffnung für das Windows-Betriebssystem von Microsoft technologisch eine viel bessere Perspektive verschafft. Möglicherweise hat er damit sogar das langfristige Überleben der von der Fangemeinde liebevoll „Mac“ genannten Computer gesichert.

          Blutdruck auf der Leinwand

          Und gerade Jobs selbst weiß deshalb auch wie kein Zweiter, dass sich die technikbegeisterte Welt für ihn interessiert: Um damalige Spekulationen über seine Gesundheit einzudämmen, ließ er im vergangenen Herbst sogar seinen Blutdruck (110/70) auf einer Leinwand einblenden. Doch in den Wochen danach wurde Jobs immer hagerer. Anfang des Jahres wandte er sich schließlich in einem offenen Brief an die „liebe Apple-Gemeinschaft“. Der Grund für den besorgniserregenden Gewichtsverlust sei ein „hormonelles Ungleichgewicht, das meinem Körper die zur Gesundheit notwendigen Proteine raubt“, teilte er mit. Die Behandlung werde ihn aber selbstverständlich nicht daran hindern, das Unternehmen zu führen.

          Angeblich war er in den vergangenen Wochen tatsächlich in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden. Gleichwohl ist die operative Führung von Apple in der Zwischenzeit noch stärker als ohnehin schon von dem für das Tagesgeschäft verantwortlichen Chief Operating Officer Tim Cook übernommen worden.

          Auf manche Beobachter wirkte der Brief vom Jahresanfang sogar wie eine Beruhigung: Denn vor fünf Jahren war Jobs an einem Tumor der Bauchspeicheldrüse erkrankt – und hatte die lebensbedrohliche Krankheit auch damals erst Monate später bekanntgegeben. Spätestens seit dieser Zeit sind die Finanzmärkte aber nervös, wenn es um die Gesundheit von Steve Jobs geht. Das hat auch damit zu tun, dass die Öffentlichkeit – trotz der zwischenzeitlich größeren Verantwortung von Cook – über eine Nachfolgeregelung für den inzwischen 54 Jahre alten Jobs im Unklaren ist.

          Wenn Geheimniskrämerei zur Last wird

          Bei den großen Produktvorstellungen beanspruchte Jobs das Rampenlicht in der Vergangenheit stets für sich selbst. Auch wegen dieser schon zu Lebzeiten von Jobs legendären Auftritte warten nun alle Apple-Anhänger, wann er wieder die Gemeinde der Computerenthusiasten mit seiner Anwesenheit beehren wird. Für das Unternehmen aber, da sind sich die gerade amerikanischen Beobachter einig, wird die Geheimniskrämerei des wohl passioniertesten Geheimniskrämers in der Unternehmenswelt zunehmend zur Last.

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