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F.A.Z. Exklusiv : APAS-Verfahren gegen EY dauert wohl bis März

  • -Aktualisiert am

Historischer Bilanzskandal: Die Aufarbeitung der Wirecard-Insolvenz läuft auf Hochtouren – in Form eines bald startenden Strafprozesses aber auch in Form eines berufsrechtlichen Verfahrens gegen die zuständige Wirtschaftsprüfung EY. Bild: dpa

Der Start für den Wirecard-Prozess ist seit heute bekannt, doch ein weiteres Mammutverfahren dauert an. Die Aufsichtsbehörde APAS wird erst im kommenden Jahr über mögliche Sanktionen gegen die Wirtschaftsprüfung EY entscheiden.

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          Die strafrechtliche Aufarbeitung des historischen Wirecard-Skandals wird im Dezember durchstarten. Wie am Mittwoch bekannt gegeben wurde, startet ein Mammutprozess gegen den inhaftieren ehemaligen Wirecard-Vorstandsvorsitzenden Markus Braun am 8. Dezember vor der Großen Strafkammer des Landgerichts München. Verhandelt werden soll an voraussichtlich 100 Tagen bis ins Jahr 2024 im Sitzungssaal der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein weiteres Mammutverfahren im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal dauert derweil an. Es handelt sich um das berufsrechtliche Verfahren der Wirtschaftsprüferaufsicht APAS gegen die Prüfgesellschaft EY. Dem Vernehmen nach wird die Behörde Anfang kommenden Jahres ihre mit Spannung erwartete Entscheidung über Sanktionen gegen die in den Wirecard-Skandal verwickelte Prüfungsfirma sowie gegen einzelne aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von EY fällen.

          Wie die F.A.Z. erfuhr, soll die im Oktober begonnene Sitzung der APAS-Beschlusskammer in der zweiten oder dritten Januarwoche fortgesetzt werden. Im Rahmen dieser Sitzung berichten die mit den Ermittlungen gegen EY betrauten APAS-Mitarbeiter ihren Kollegen über ihre Ergebnisse und fällen dann gemeinsam eine Entscheidung. Im März sollen die amtlichen Bescheide den betroffenen Wirtschaftsprüfern sowie EY zugestellt werden. Bisher war erwartet worden, dass die Bescheide schon im Dezember verschickt würden.

          Komplexer Fall für die APAS

          Das Verfahren der APAS gegen EY ist das wohl größte und wichtigste, mit dem die Behörde bisher betraut war. Wie komplex die Angelegenheit ist, hat die APAS schon in ihrem im Mai veröffentlichten Jahresbericht geschildert. So hat die Aufsichtsbehörde umfangreiche interne Arbeitspapiere ausgewertet, die von den für Wirecard zuständigen Wirtschaftsprüfern angefertigt worden sind.

          Die APAS-Untersuchungen richteten sich gegen die Prüfungsgesellschaft EY sowie gegen 12 Personen in Zusammenhang mit der Prüfung der Jahres- und Konzernabschlüsse von Wirecard sowie der Wirecard Bank für 2015 bis 2018. EY war rund 10 Jahre für die Prüfung der Wirecard-Geschäftszahlen zuständig, hatte aber ein Bilanzloch in Milliardengröße viel zu spät erkannt.

          Das APAS-Verfahren muss die Frage klären, ob EY und die zuständigen Prüfer ihre Berufspflichten verletzt haben. Das könnte gravierende Folgen für die Prüfungsfirma haben sowie für viele geschädigte Wirecard-Aktionäre und Gläubiger, die EY mit hohen Schadenersatzforderungen konfrontieren.

          Der Gesetzgeber hat die Prüferaufsicht APAS für solche Fälle mit scharfen Schwertern ausgestattet. So kann die Behörde Personen die Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer für 3 bis 5 Jahre verbieten oder die Betroffenen sogar aus dem Berufsstand der Wirtschaftsprüfer ausschließen. Zudem kann die APAS einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft verbieten, für die Dauer von einem Jahr bis zu 5 Jahren für Mandanten von öffentlichem Interesse tätig zu werden. Für EY wäre es verheerend, wenn die Prüfungsgesellschaft keine börsennotierten Unternehmen mehr prüfen dürfte.

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