https://www.faz.net/-gqe-a4hpg

Anti-Rassismus-Trainings : Unternehmen wehren sich gegen Trump

Künstler malen im Sommer 2020 in St. Petersburg, Amerika, einen „Black Lives Matter“-Schriftzug auf die Straße. Bild: dpa

Weil sie die Mitarbeiter lehren würden „unser Land zu hassen“, hat Trump bestimmte Spielarten von Anti-Rassismus-Trainings verboten. Nun wehren sich mehr als 150 amerikanische Firmen und Organisationen gegen das Dekret.

          2 Min.

          Mehr als 150 amerikanische Handelskammern und Organisationen wehren sich gegen ein Dekret des Präsidenten Donald Trump, das ihnen bestimmte Spielarten des Anti-Rassismus-Trainings für Mitarbeiter untersagt. Das geht aus einem offenen Brief an den Präsidenten und den Arbeitsminister Eugene Scalia hervor.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Trumps Anordnung vom 22. September verbietet Bundesbehörden und Firmen, die mit der Regierung Geschäfte machen, an Trainingsprogrammen mitzuwirken, die Rassen- oder Geschlechterstereotypen fördern und bestimmte Gruppen zum Sündenbock für Fehlentwicklungen machen. Bei Verletzung der Anordnung drohen die Firmen ihre Regierungsaufträge zu verlieren.

          Das Dekret zielt auf die sogenannte Kritische Rassentheorie, die in einigen Trainingsprogrammen gelehrt wird. Sie geht davon aus, dass die Gründung der Vereinigten Staaten auf Rassismus und Sklaverei fußte. Das moderne Amerika habe dieses System der weißen Vormacht durch Polizeimethoden und Formen der Diskriminierung über Hunderte Jahre bis heute aufrechterhalten.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Sichern Sie sich alle aktuellen Informationen und Hintergründe zur Präsidentenwahl

          Jetzt F+ für nur 1€/Woche lesen

          Trump sagte in der bisher einzigen Fernsehdebatte, er habe diese Trainings beendet, weil sie rassistisch seien. Sie lehrten die Teilnehmer, „unser Land zu hassen“. Wie weit diese speziellen Trainingsprogramme verbreitet sind in amerikanischen Firmen und Behörden, ist schwer herauszufinden.

          Das Dekret erlaubt weiter Programme, die einen inklusiven Arbeitsplatz fördern. Die Unternehmen und Organisationen fürchten nun aber, dass die Anordnung Verwirrung und Unsicherheit stiftet, weil die Weiterbildungen nicht trennscharf zu unterscheiden seien. Zudem seien die Wahrnehmungen subjektiv, die Anordnung lasse viele Grauzonen zu. Mitarbeiter, die aus anderen Gründen verärgert über ihre Arbeitgeber sind, könnten die Anordnung nutzen, um sie bei den Behörden anzuschwärzen und aufwendige Überprüfungen auszulösen. Schon jetzt hätten mehrere Unternehmen ihre Trainingsprogramme wegen der damit verbundenen Unsicherheit eingestellt, heißt es im Schreiben. Die Anordnung sei ein Rückschlag im Bestreben der Arbeitgeber, inklusive Arbeitsplätze zu bieten und wettbewerbsfähig in einem Land mit einer großen Bandbreite verschiedener Kulturen zu bleiben. Die Handelskammern wehren sich auch dagegen, dass das Weiße Haus damit zwei Klassen von Firmen schafft: jene mit Regierungsaufträgen und jene ohne. Diese Praxis hatte die Wirtschaft schon unter Trumps Vorgänger Barack Obama angeprangert. Dieser hatte beispielsweise Mindestlohnstandards für Auftragnehmer der Regierung angeordnet.

          Anti-Rassismus-Training ist in amerikanischen Unternehmen, Behörden und Universitäten seit Jahrzehnten üblich. Die Forschung bezweifelt allerdings die Wirksamkeit solcher Programme. Es gebe einfach wenige Belege, dass die Unterweisungen Vorurteile änderten, sagt Harvard-Soziologe Frank Dobbin. Beförderungs- und Einstellungspraktiken hätten sich nicht geändert. Schwarze etwa blieben in Führungspositionen unterrepräsentiert.

          Weitere Themen

          Unerwartetes Wirtschaftswachstum Video-Seite öffnen

          „moderat aber positiv“ : Unerwartetes Wirtschaftswachstum

          Nach dem historischen Einbruch in der Corona-Krise ist die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal wieder kräftig gewachsen. Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) liegen diese Zahlen „weit oberhalb der Erwartungen“.

          Topmeldungen

          Endlich fertig: Der neue Hauptstadtflughafen BER

          Der BER ist fertig : Ein Wunder zur Unzeit

          Der neue Hauptstadtflughafen nimmt den Betrieb auf – 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich und acht Jahre nach Plan. Die Liste der Lehren aus dem Desaster ist lang.

          Olaf Scholz im Interview : „Viele Löhne sind eine Beleidigung“

          Finanzminister Olaf Scholz leitet aus der Pandemie einen großen sozialen Reformauftrag für seine Partei ab. Im Gespräch erklärt er seine Pläne. Steuern will er aber nicht senken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.