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Anteile von Daimler : EADS bringt Rückkauf eigener Aktien ins Spiel

EADS verfügt über Barmittel von rund 10 Milliarden Euro und könnte diese für Aktienrückkäufe nutzen Bild: dpa

Der Autohersteller Daimler will sich von Anteilen am Luft- und Raumfahrtkonzern EADS trennen. Dafür wurden schon zahlreiche Varianten gehandelt. Nun hat EADS angeboten, die Anteile selbst zu kaufen. Doch das dürfte nicht schnell geschehen.

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          Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat der Bundesregierung vorgeschlagen, einen Teil oder alle Aktien selbst zu kaufen, von denen sich der Stuttgarter Daimler-Konzern trennen will. Das verlautete am Montag aus Industriekreisen in Frankreich. EADS verfügt derzeit über Barmittel von rund 10 Milliarden Euro. Rund die Hälfte könnte dafür ausgegeben werden, um jeweils 7,5 Prozent von Daimler und 7,5 Prozent des ebenfalls ausstiegswilligen französischen Medienkonzerns Lagardère zu übernehmen, lautet eines der Planspiele. Danach würden die Aktien vom Markt genommen werden, sich das Kapital also erst einmal verkleinern.

          Dies könnte allerdings nicht schnell von statten gehen, so wie es Daimler möglicherweise wünsche, sondern könnte sich über einen Zeitspanne von zwei bis drei Jahren erstrecken. In der Branche seien solche Aktienrückkäufe nichts grundsätzlich Ungewöhnliches: So wird darauf verwiesen, dass der EADS-Wettbewerber Boeing im vergangenen Jahrzehnt rund 11 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben habe. Andererseits wäre die Bereitstellung von 5 Milliarden Euro für einen solchen Aktienrückkauf auch schmerzhaft für das Unternehmen, weil die Mittel eigentlich für Zukäufe ausgegeben werden sollen.

          Derzeit verfügt sowohl die französische als auch die deutsche Seite über je 22,5 Prozent der EADS-Aktien. Daimler hält dabei 15 Prozent am Kapital und 22,5 Prozent der Stimmrechte. 7,5 Prozent der Kapitalanteile sind bei einem Konsortium aus Banken und Bundesländern bis mindestens Ende 2012 geparkt. Auch für dieses Paket wird in den kommenden Monaten eine Lösung gesucht. Daimler will zusätzlich von weiteren 7,5 Prozent seiner Aktien trennen, für die nun die Rückkauf-Variante ins Spiel gebracht wird. Zugleich ist Daimler bereit, die industrielle Führung für die deutsche Seite der Aktionärsstruktur zu behalten. Als Varianten wurden auch schon gehandelt, dass Länder mit EADS-Standorten wie Hamburg und Niedersachsen direkt oder über ihre Förderbanken Anteile übernehmen oder ein deutscher EADS-Zulieferer einspringt.

          EADS favorisiert grundsätzlich das Modell einer goldenen Aktie

          Am Mittwoch berät Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Treffen mit Außenminister Guido Westerwelle, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (beide FDP) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), ob der Staat EADS-Anteile von Daimler kaufen soll. Angeblich wollen Teile der Bundesregierung Daimler mit einem staatlichen Förderprogramm für Elektroautos dazu bewegen, seine EADS-Anteile zu halten. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums hatte schon am Wochenende darauf verwiesen, dass Brüderle sich wiederholt gegen Verkaufsprämien für Elektroautos ausgesprochen habe.

          Die EADS befürchtet ihrerseits, dass die öffentliche Hand in Deutschland die Anteile übernehmen könnte und dadurch das Unternehmen unter noch stärkeren politischen Einfluss gerät. EADS sei in den vergangenen Jahren eine beachtliche „Entpolitisierung“ gelungen. Wenn neben dem heute schon mit 15 Prozent im EADS-Kapital vertretenen französischen Staat auch noch der deutsche Staat umfangreich vertreten sei, drohe eine Rückkehr zu politischer Abhängigkeit, heißt es. Für die Expansion in asiatische Wachstumsländer sei dies hinderlich. An Boeing ist der amerikanische Staat ebenfalls nicht direkt beteiligt. Doch es herrschen sehr strenge Übernahmevorschriften.

          Der Aktienrückkauf wäre insofern eine einfache Lösung, als der Aktionärspakt, der Deutschen und Franzosen gleichviel Einfluss sichert, in der Folge nicht verändert werden müsste. Denn die Stimmrechte blieben so verteilt wie bisher. Auch mit Blick auf künftige Veränderungen im Aktionärskreis favorisiert EADS allerdings grundsätzlich das Modell einer goldenen Aktie. Durch sie erhielten die beiden Staaten ein besonderes Stimmrecht in strategischen Fragen. Die goldenen Aktien sind nach niederländischem Recht, wo EADS seinen Sitz hat, nicht zugelassen. Auch die Europäische Kommission wendet sich gegen dieses Modell. Die EU hält goldene Aktien in Rüstungsunternehmen für zulässig, doch ist EADS wegen seines Airbus-Standbeins mehrheitlich ein ziviler Konzern. In Frankreich ist zudem zu hören, letztlich seien die aktuellen Fragen „deutsche Probleme“, die auch hier zu lösen seien.

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