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Anja Gockels Mainzer Modeunternehmen : „Die Kollektion ist unser Mittelpunkt“

Bild: FAZ.NET - Andreas Brand

Glitz, Glamour, Seide, Tüll und Taft: Anja Gockel stattet die Fernsehserie „Germany's next Topmodel“ aus, arbeitet mit dem Supermodel Alek Wek zusammen und für die schwedische Königin. Ihr Modehaus will wachsen und doch bleiben, wie es ist.

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          Sie war auf der Suche nach etwas Besonderem, nach etwas Ausgefallenem, nach dem gewissen Etwas. Und was sie fand, war ein Stoff im Hahnentrittmuster. Zwei Farben, ein helles und dunkles Braun, viele Karos, die Ecken miteinander verbunden. Manche nennen das klassisch, manche traditionell, manche sagen dazu Altherrenstoff. Für Anja Gockel war er einfach nur „toll“.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sie nahm den Stoff und schnitt ihn zu, drapierte ihre Schneiderpuppe, nähte, probierte und verbesserte, immer und immer wieder. Am Ende einer langen Woche hielt sie ein flottes Damenjackett in Händen. Prêt-à-porter de luxe. Auf Taille geschnitten, die Schultern betont, locker in den Armen. Dazu rote Knöpfe, ein rotes Futter, rot abgesetzte Taschen. Traditionell, doch ein bisschen verrückt; klassisch mit einem Schuss Esprit.

          „Gegensätze ziehen sich an“, sagt Gockel. Engagiert und artikuliert ist sie nicht nur eine Macherin, sondern auch eine gute Verkäuferin. „Ich liebe Kontraste - vom Material her, vom Design her, von der Verarbeitung her. Und der Hahnentritt passt zu allem. Zu roten paillettenbestickten Leggins oder schwarzen Hosen, zu blauen Jeans oder einem sportlichen Rock.“ Das Jackett ist ein typischer Gockel, ein feiner Tupfer in einer bunten Kollektion für die kommende Saison - und von der verspricht sie sich viel.

          Ihr Umsatz ist um ein Drittel gestiegen

          Nach mehr als 15 Jahren im Geschäft, nach einer harten Lehr- und Wanderzeit, nach dem Aufstieg von einer mittellosen, aber tapferen Schneiderin aus Londons Südosten zu einer der ersten Adressen in Deutschlands neuer Modeszene will sie ihren kleinen Betrieb nun zu neuer Größe führen. Dafür hat sie ihren Namen zur Marke gemacht, hat ihm ein stilisiertes Hahnenkamm-Logo verpasst und zum Label erhoben. Gockel ist Gockel. „Nicht, dass die Firma nicht heute schon auf festen Säulen steht“, sagt sie. „Anders wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Doch wir müssen uns nun auch wirtschaftlich professionalisieren“, sagt sie. „Die Kollektion ist nach wie vor unser Mittelpunkt. Nach ihr richten sich alle Strukturen in der Firma.“

          Und die Kollektion wächst mit der steigenden Nachfrage in den von ihr belieferten 120 Multi-Label-Läden in aller Welt. Allein im vergangenen Jahr sei der Umsatz ihres Unternehmens um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, erzählt sie. Gockel ist eine der Ausstatterinnen der Fernsehserie „Germany's next top Model“, sie arbeitete mit dem Supermodel Alek Wek zusammen und hat in ihrer Kundendatei Prominente wie Königin Silvia von Schweden.

          „Wir können die Großen nicht wirklich schlagen“

          Solch ein Auftritt braucht eine robuste Organisation. „Wir haben 2010 produziert, produziert, produziert. Da haben wir selbst gestaunt, wo doch alle von Krise und Rezession redeten, uns aber die Auftragsbücher voll liefen und wir nicht wussten, wie wir diese Bestellungen unserer Modelle abarbeiten können.“ Sie konnte: Während Konzerne wie Hugo Boss oder Ralph Lauren auf dem Weg vom Entwurf bis zum fertigen Stück ein Dreivierteljahr brauchen, benötigen kleine Ateliers wie die von Anja Gockel kaum eine Woche. Nachbestellungen werden sofort erledigt. Die großen Namen in der Modebranche müssen da oft passen.

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