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Anhörung in Washington : Politiker nehmen GM in die Zange

  • -Aktualisiert am

Mary Barra in Washington: General Motors sei sich seiner Verpflichtungen bewusst Bild: REUTERS

Ein Rückruf von 2,6 Millionen Autos wegen eines Zündschlossdefekts bringt General Motors in Erklärungsnot. Chefin Mary Barra entschuldigt sich in Washington – und zeigt sich ratlos.

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          Der Autokonzern General Motors (GM) hat keine guten Erinnerungen an Anhörungen vor dem amerikanischen Kongress. Vor etwas mehr als fünf Jahren kam der damalige Vorstandsvorsitzende Rick Wagoner mit seinen Kollegen der Wettbewerber Chrysler und Ford nach Washington und bat um Staatskredite für die damals schwer angeschlagenen Autohersteller. Es wurde ein Image-Debakel: Die Manager sahen sich einem Sturm der Entrüstung gegenüber, weil sie mit Privatflugzeugen angereist waren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Diese unrühmliche Vergangenheit schien GM eigentlich hinter sich gelassen zu haben. Nach der Radikalsanierung in der Insolvenz ist der Mutterkonzern von Opel wieder in solider finanzieller Verfassung. Aber auf einmal findet sich GM in der größten Krise seit der damaligen wirtschaftlichen Schieflage wieder. Ein Rückruf von 2,6 Millionen Autos wegen eines Zündschlossdefekts bringt den Konzern in Erklärungsnot. GM hat die Autos erst jetzt zurückgerufen, obwohl Schwierigkeiten mit den Bauteilen offenbar seit Jahren bekannt waren.

          „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum es Jahre gedauert hat“

          Während GM untätig blieb, häuften sich die Unfälle: 13 Tote bringt der Konzern mittlerweile mit dem Defekt in Verbindung. Ein Ausschuss des amerikanischen Kongresses hat die GM-Vorstandsvorsitzende Mary Barra daher zu einer Anhörung nach Washington zitiert. Titel der Veranstaltung: „Der Zündschlossrückruf von GM: Warum hat es so lange gedauert?“ Auf diese zentrale Frage konnte Mary Barra aber keine Antwort liefern: „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum es Jahre gedauert hat, bis der Sicherheitsdefekt publik gemacht worden ist.“

          Auf teils sehr aggressive Fragen der Abgeordneten danach, wer bei GM zu welchem Zeitpunkt und in welchem Umfang über Schwierigkeiten informiert war, zeigte sich Barra wiederholt unwissend und verwies auf die laufenden Ermittlungen im Konzern. Barra versprach, alles zu tun, um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Und sie versuchte, GM als Unternehmen darzustellen, das sich seit der Insolvenz und damit auch den Jahren, in denen die heute Rückrufaffäre ihre Ursprünge hat, völlig gewandelt hat: „Wir haben uns von einer Kostenkultur zu einer Kundenkultur bewegt.“

          Barra stellte in Aussicht, „juristische Verantwortung“ zu übernehmen, blieb aber Einzelheiten schuldig. Sie verkündete, dass GM sich für diese juristischen Fragen prominente Hilfe geholt hat. So hat das Unternehmen Kenneth Feinberg als Berater angeheuert, der als Verwalter von Hilfsfonds für die Opfer der Terroranschläge des 11. September 2001 sowie für Geschädigte der Ölpest im Golf von Mexiko 2010 bekannt wurde.

          Ursache sind zu schwach ausgelegte Zündschlösser

          Tatsächlich könnte die juristische Aufarbeitung knifflig werden, denn da GM sich im Insolvenzverfahren von Altlasten befreit hat, wäre es denkbar, dass der heutige Konzern für frühere Unfälle nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Barra wollte sich am Dienstag nicht darauf festlegen lassen, Opfern von Unfällen vor der Insolvenz Hilfe zuzusagen. Sie sagte lediglich, GM sei sich bewusst, sowohl juristische als auch moralische Verpflichtungen zu haben. Abermals entschuldigte sich Barra bei den Familien und Freunden von Unfallopfern. Am Vorabend der Anhörung hatte sich Barra im Washingtoner Büro von GM mit Angehörigen von Unfallopfern getroffen. Im Anhörungssaal am Dienstag waren Fotos mehrerer Opfer zu sehen.

          Ursache für die fatale Unfallserie sind zu schwach ausgelegte Zündschlösser – mit einem Produktionswert von rund 3 Euro je Exemplar. Wenn etwas Schweres am Schlüsselbund hing oder der Fahrer mit dem Knie daran stieß oder das Auto über holprige Straßen fuhr, drohte der Zündschlüssel in die „Aus-Position“ zurückzuspringen. Die Folge: Bremskraftverstärker, Servolenkung und Airbag fielen aus. Bei allen Unfällen mit Todesopfern in den vom Rückruf betroffenen Modellen haben sich die Airbags nicht geöffnet.

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