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Angst vor dem Kollaps : Amerikanische Autobauer wollen 25 Milliarden Finanzspritze

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Die Chefs der drei großen amerikanischen Autobauer haben vor dem Senat ihrer Bitte um einen neuen Milliarden-Staatskredit Nachdruck verliehen. General Motors hat dabei um Hilfen zwischen 10 und 12 Milliarden Dollar gebeten. Ford und Chrysler benötigen jeweils rund 7 Milliarden Dollar.

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          Die Chefs der drei großen amerikanischen Autobauer haben mit Warnungen vor einem Kollaps der Autoindustrie ihrer Bitte um einen neuen Milliarden-Staatskredit Nachdruck verliehen. Ein neuer Kredit in Höhe von 25 Milliarden Dollar (20 Mrd Euro) sei nötig, „um die Liquiditätskrise zu überleben“, sagte Chrysler-Vorstandschef Robert Nardelli am Dienstag vor einem Senatsausschuss. „4,5 Millionen Menschen hängen von dieser Industrie ab. Ohne Unterstützung könnten fast drei Millionen von ihnen binnen zwölf Monaten ihren Job verlieren.“

          Neben Nardelli sagten Ford-Chef Alan Mulally und der Vorstandsvorsitzende von General Motors, Rick Wagoner, aus. Der angeschlagene amerikanische Autobauer General Motors hat dabei um Hilfen zwischen 10 und 12 Milliarden Dollar gebeten. Ford und Chrysler benötigen den Angaben der Firmenchefs zufolge jeweils rund 7 Milliarden Dollar. Eine Rettung der Unternehmen sei nötig, um die amerikanische Wirtschaft vor einem „katastrophalen Kollaps“ zu bewahren, sagte Wagoner.

          Debatte um Gehaltskürzungen der amerikanischen Automanager

          Chrysler-Chef Robert Nardelli würde sich in der aktuellen Krise mit einem Jahresgehalt von einem Dollar zufriedengeben. „Dazu wäre ich bereit“, sagte Nardelli am Dienstag (Ortszeit) bei einer Anhörung vor dem amerikanischen Senat. General-Motors-Chef Rich Wagoner sagte allgemein, er sei zu Opfern bereit und verwies darauf, dass seine Bezüge halbiert worden seien. Ford-Chef Alan Mulally wies darauf hin, dass in seinem Konzern bereits Prämien gestrichen und Gehälter gekürzt worden seien.

          Die Chefs der „großen Drei” vor dem Senat: Alan Mulally (Ford), Robert Nardelli (Chrysler) und Richard Wagoner (GM)

          Der demokratische Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Chris Dodd, sagte, die Bezüge der Chefs der Autokonzerne seien „ziemlich üppig“. Er verwies darauf, dass Mulally im vergangenen Jahr 28 Millionen Dollar erhalten habe. In der aktuellen Lage müsse „die Reaktion der Öffentlichkeit“ berücksichtigt werden, sagte Dodd. Die Bürger glaubten, dass die öffentlichen Gelder eingesetzt würden, um die Gehälter der Manager zu „subventionieren“.

          Medienbericht: GM hat Opel-Manager die Gehälter gekürzt

          Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Mittwochausgabe) müssen die Führungskräfte der General-Motors-Tochter Adam Opel von sofort an auf größere Teile ihres Einkommens verzichten. Wie das Blatt berichtet, hat GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster für die kommenden 14 Monate konzernweit alle vertraglich zugesicherten Bonuszahlungen, Prämien und sonstigen Sondervergütungen gestrichen. Die Regelung gelte für die oberen Management-Ebenen an allen europäischen Standorten, also auch im Saab-Werk Trollhättan in Schweden. Hintergrund sei die wirtschaftlich schwierige Lage des Mutterkonzerns.

          Der Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz kommentierte den Schritt in der Online-Ausgabe von „Bild“ mit den Worten: „Das ist sicherlich angesichts der Situation von General Motors ein richtiger Schritt und ein deutliches Zeichen. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass die Beschäftigten, die viel weniger Gehalt bekommen, dem jetzt nacheifern müssten.“

          Opel drosselt Produktion

          Die deutsche GM-Tochter Opel braucht im „schlimmsten anzunehmenden Fall“ eine Bürgschaft über 1,8 Milliarden Euro. Dabei geht es um 1,3 Milliarden Euro für das kommende Jahr und weitere 500 Millionen für 2010 (siehe Opel beantragt 1,8 Milliarden Euro-Bürgschaft und plant 30-Stunden-Woche). Opel plant zudem eine deutliche Volumenreduzierung in fast allen europäischen Werken. „Wir bereiten uns auf schlechte Zeiten vor und korrigieren unsere Volumenplanung für 2009 um gut 10 Prozent nach unten“, sagte Opel-Geschäftsführer Hans Demant.

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