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Covid-19 : Wie sicher ist Bahnfahren?

Ein ICE 3 fährt über die Lahntalbrücke bei Limburg. Bild: Lando Hass

Gemeinsam mit der Charité in Berlin untersucht die Bahn, wie sicher eine Zugfahrt in Covid-19-Zeiten ist. Die ersten Ergebnisse sind eindeutig.

          2 Min.

          Wer Bahn fährt, geht kein erhöhtes Risiko ein, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Diesen Schluss legt eine Studie nahe, die die Deutsche Bahn derzeit in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité erarbeitet. Die Bahn teilte am Mittwoch in Berlin mit, eine erste Testreihe unter Mitarbeitern in Fernverkehrszügen habe ergeben, dass für sie keine höhere Gefahr bestehe, an Covid-19 zu erkranken. Ziel der über mehrere Monate angelegten Studie ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über das Infektionsgeschehen in der Bahn zu gewinnen.

          Kerstin Schwenn
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          In der ersten Testreihe Ende Juni/Anfang Juli untersuchten die Wissenschaftler, ob Zugbegleiter mit einer besonders hohen Zahl an Kundenkontakten öfter erkranken als Mitarbeiter mit weniger Kundenkontakten wie etwa Lokomotivführer oder Beschäftigte in Werkstätten. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler berichtete, dass von knapp 1100 getesteten Personen nur ein Werksmitarbeiter positiv gewesen sei. Bei den 1064 auswertbaren Bluttests auf Antikörper – die eine überstandene Infektion vermuten lassen – hätten die Zugbegleiter mit 1,3 Prozent sogar den niedrigsten Wert aufgewiesen. Bei Lokführern seien es 2,5 Prozent gewesen, bei Werkstattmitarbeitern 3 Prozent.

          Seiler betonte, die erste Testreihe belege, dass die Mitarbeiter an Bord keinem höheren Corona-Risiko ausgesetzt seien. „Die ersten Ergebnisse der Studie zeigen, dass unser Schutz- und Hygienekonzept greift.“ Die Charité-Studie soll im Oktober und im Februar fortgesetzt werden. Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt untersucht die Bahn überdies die Verteilung von Aerosolen in den Fahrzeugen.

          Was ist mit den Klimaanlagen?

          In der Bahn heißt es, diese Erkenntnisse ließen sich zwar nicht direkt auf das Risiko für Fahrgäste übertragen, da diese länger an einem Ort im Zug verweilten. Andererseits seien die meisten Mitarbeiter sehr viel länger im Zug unterwegs als die Kunden. „Ich kann voller Überzeugung sagen, dass Bahnfahren sicher ist“, sagte Personenverkehrs-Vorstand Berthold Huber. „Wir müssen weiter achtsam sein, aber es gibt keinen Grund zur Sorge vor Bahnreisen.“

          Die Maskenpflicht sei neben zusätzlicher Reinigung und Desinfektion ein wesentlicher Faktor zur Verminderung der Ansteckungsgefahr. Huber hob hervor, entgegen häufiger Vermutungen könne die Bahn bei ihren Kontrollen keine Ermüdungserscheinungen der Fahrgäste beim Tragen der Maske feststellen. Die Disziplin nehme sogar zu. Klimaanlagen seien ebenfalls kein Problem, sondern ein Teil der Lösung, sagte Huber. „Aerosole werden dadurch auf den Boden gezogen. Außerdem wird über die  Klimaanlage alle sieben Minuten die Luft im Wagen komplett ausgetauscht.“

          Ein steigendes Vertrauen der Kunden in Corona-Zeiten erkennt die Bahn in der zunehmenden Zahl von Buchungen im Voraus, jedenfalls in Deutschland. Huber bezifferte die Auslastung in Fernzügen im Schnitt auf 40 Prozent der Sitzplatzkapazität, vor einem Jahr waren es 60 Prozent. Überfüllt seien die Züge nur, wenn es zu „unvorhergesehenen Ereignissen“ wie einem Zugausfall komme, sagte Huber. Dagegen könne auch „keine Reservierungspflicht der Welt“ helfen. So eine Reservierungspflicht wird zuweilen gefordert, um Kunden vor zu viel Nähe in den Zügen zu bewahren. Huber entgegnete dem Argument, die Reservierungspflicht entziehe der Bahn sogar Kapazität statt sie zu erhöhen. Aus Sicht der Bahn bewährt sich die Auslastungsanzeige in der App DB Navigator, um Kunden zu informieren.

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