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Firmen in Angst : So trifft der Angriffskrieg deutsche Unternehmen

  • -Aktualisiert am

Metro-Markt in der Hauptstadt Kiew: 26 Märkte betreibt Metro in der Ukraine, 16 davon hat das Unternehmen nun geschlossen. Bild: Reuters

Dax-Konzerne und mittelständische Exportmeister fürchten um ihr Geschäft. Manche müssen sogar Mitarbeiter vor Ort retten. Auch der Schutz vor Hackern wird zur Aufgabe.

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          Am Himmel über der Ukraine zeigt sich seit den Morgenstunden des Donnerstags kein ziviles Flugzeug mehr. Mit dem Angriff des russischen Militärs ist der Luftraum gesperrt worden. Ein riesiges Problem wäre, wenn bald auch Flüge über Russland gestoppt werden müssten. Die Deutsche Lufthansa teilte mit, die Verbindung ins westukrainische Lwiw (Lemberg) auszusetzen, Kiew und Odessa hatte der Konzern – wie andere Airlines – schon seit Wochenbeginn nicht mehr angesteuert.

          Nicht nur in der Luft, sondern vor allem am Boden spielen sich Dramen ab: So musste der Anlagenbauer Krones in der Nacht auf Donnerstag schnell reagieren. „Wir hatten schon vorgesorgt und geländegängige Fahrzeuge zur Verfügung gestellt“, sagte Vorstandschef Christoph Klenk. Das S-Dax-Unternehmen führe im Südwesten der Ukraine nahe der ungarischen Grenze ein Projekt mit ukrainischen und europäischen Mitarbeitern durch. Man habe sich in der Nacht telefonisch in Verbindung gesetzt und sofort die zehn europäischen Mitarbeiter auf dem Landweg aus der Ukraine gebracht. Der Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen hat in der Ukraine und Russland Niederlassungen, um Installationen und Wartungen der Anlagen durchzuführen. Für Krones machen Russland, Belarus und die Ukraine nur 1,5 Prozent des Umsatzes aus.

          Neben Krones sind viele weitere deutsche Unternehmen und Branchen direkt vom Ukraine-Krieg betroffen, weil sie dort oder in Russland Standorte besitzen, Mitarbeiter beschäftigen oder stark von Zulieferungen abhängig sind. Das gilt für mittelständische Exportchampions wie Krones aber auch für Konzerne wie Volkswagen oder Metro. Für welche Firmen und Branchen sind die direkten Folgen besonders greifbar?

          Metro schickt Mitarbeiter nach Hause

          Der Großhändler Metro beschäftigt in der Ukraine 3400 ukrainische Mitarbeiter und hat in seinen 26 Großmärkten dort im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 800 Millionen Euro erzielt. 16 der Märkte hat Metro heute geschlossen und die Mitarbeiter gebeten, zuhause zu bleiben. Noch weit mehr Märkte betreibt Metro in Russland: Mit seinen 93 russischen Märkten hat das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro erzielt. Der Konzern beschafft dort seine Lebensmittel vor allem aus heimischer Produktion. Russland ist für den Großhändler ein wichtiger Standort.

          Krisenzone: Fluggesellschaften machen einen Bogen um die Ukraine – doch vor allem Unternehmen mit Standorten am Boden müssen reagieren.
          Krisenzone: Fluggesellschaften machen einen Bogen um die Ukraine – doch vor allem Unternehmen mit Standorten am Boden müssen reagieren. : Bild: via REUTERS

          Groß ist die Betroffenheit auch im Volkswagen -Konzern, der von allen deutschen Autoherstellern die größte Fabrik in Russland betreibt, das Werk in Kaluga südwestlich von Moskau. Rund 4000 Mitarbeiter bauen dort Modelle wie den VW Tiguan, den Polo und den Skoda Rapid. Zusammen mit dem zweiten, kleineren Standort in Nischni Nowgorod östlich der Hauptstadt, den VW mit einem Partner betreibt, liefen in dem Land zuletzt rund 170.300 Fahrzeuge vom Band. Für Mercedes ist Russland nach Unternehmensangaben ebenfalls ein wichtiger europäischer Markt und Produktionsstandort. Vor drei Jahren eröffnete der damalige Konzern-Chef Dieter Zetsche zusammen mit dem russischen Machthaber Vladimir Putin das erste Mercedes-Werk in Russland, das für mehr als 1000 Mitarbeiter ausgelegt ist. Zetsches Nachfolger Ola Källenius äußerte sich im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag zurückhaltend zum Krieg in der Ukraine. „An einem Tag wie diesem sind unsere Gedanken bei den Menschen“, sagte er. Da gehe es nicht um die ökonomischen Aspekte.

          Deutlicher wurde Karl Haeusgen, Präsident des Verbands der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Er unterstützt harte Sanktionen gegen Russland, auch wenn diese seiner Einschätzung nach Auswirkungen auf die exportlastige Branche haben werden, die er vertritt. Wie gravierend die Folgen sein werden, kann der VDMA noch nicht einschätzen. Auch der Landmaschinenhersteller Claas will nicht spekulieren. Der Konzern hat seit dem Jahr 2005 ein Werk im russischen Krasnodar, wo mehr als 700 Beschäftigte rund 1000 Mähdrescher im Jahr produzieren oder Großtraktoren montieren.

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